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Chinas Kommunisten-Kongress : Die Partei der Superlative

Als der frühere Führer der Provinz Chongqing Bo Xilai hier Hof hielt, aufgrund seiner Aufmüpfigkeit ein Politstar im Land, kamen die Staatsmedien in Scharen. Mittlerweile erlaubt die Zensur nur ausnahmsweise einen Bericht – über dessen Schlechtheit. Bo Xilai sitzt in lebenslanger Haft, wurde verurteilt wegen Korruption. Er habe eine Verschwörung geplant, um die Partei „zu spalten und zu vernichten“, schrieb Parteichef Xi Jinping Jahre später in einem Buch.

Der Shanghai Tower (links) wird weltweit nur noch vom Burdj Khalifa überragt.

Kampf gegen die Korruption

Tiger nennt Xi Jinping die Führungskader, die seiner Kampagne gegen Korruption in die Falle gegangen sind. 70.000 seien es seit Xis Machtübernahme, rechnet die Nachrichtenagentur vor, darunter Minister und Provinzfürsten. Die Berichte über die Raffgier der Kader seien Nachrichten von einem leninistischen Regime im Endstadium, schreibt der Politologe Minxin Pei.

Xis Kampf gegen Korruption dient dem Machterhalt der Partei, aber auch ihm selbst. Als er 2016 Chongqing besucht, wird Statthalter Sun als Nachfolger gehandelt – mit seinen 53 Jahren gilt er als jung genug, um nach Xis Amtszeit, die 2023 endet, die Partei zu führen. Es gibt die Theorie, dass Xi angesichts seiner vielen Feinde allerdings gar nicht vorhaben könnte, dann die Macht abzugeben. Als der Präsident Suns Hand drückt, sei das Schicksal des Tigers besiegelt gewesen, sagen Beobachter im Rückblick.

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Das war im März. In diesem Sommer dann war es so weit: Einmal noch schwört Sun dem Parteichef Gehorsam und preist Xis „herausragende politische Weisheit“. Dann verschwindet er spurlos. Drei Wochen vor Beginn des Kongresses lässt die Partei verlauten: Der Kader, eben noch Hoffnungsträger, wird ausgeschlossen und angeklagt: Korruption, Vetternwirtschaft, Verrat, Sexgeschichten. Xi Jinping, sagt der Historiker Frank Dikötter, sichere seine Macht wie einst Mao: „Er sät in der Parteiführung gegenseitiges Misstrauen und verhindert so die Bildung ihm feindlich gesinnter Fraktionen.“

Die Studentin

Für Stipendien müssen Chinas Studenten auf dem Antragsformular unter „Identität“ eine von zwei Möglichkeiten ankreuzen: „Parteimitglied“ oder „Masse“. Su Huiyi ist 22 Jahre alt und Elite: als Schülerin in Henan; an der Universität im Pädagogikseminar. Dort saßen 32 Kommilitonen, fast alle stellten den Aufnahmeantrag in die Partei. Im ersten Semester schafften es drei, Su war dabei.

Die Überlebensstrategie der Partei bestehe aus drei Elementen, sagt Bruce Dickson von der George Washington University: wirtschaftlicher Erfolg, Repression und ihre Umarmung der Eliten. Unter Mao waren vor allem Arbeiter und Bauern in der Partei. Heute dient sie als Karrieresprungbrett. „Geliebte Parteiorganisation“, beginnen die Musterbewerbungen aus dem Internet. Neben dem Versprechen, den Marxismus in Ehren zu halten, geloben die Studenten beruflichen Aufstieg.

Die klassenlose Gesellschaft als Ideal

Mao sei ein guter Führer gewesen, der „ein paar Fehler“ gemacht habe, sagt Neumitglied Su, so hat sie es in der Parteischule gelernt. Bald ist wohl eine Nachschulung fällig. Parteichef Xi Jinping lobt Mao heute wieder. Ein Ansager des Staatsfernsehens, der in privater Runde einen Mao-Witz gemacht hatte, verlor seinen Posten, ebenso ein Professor, der Mao im Internet kritisierte.

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