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Vermögen : Die Deutschen werden reicher

Neubauten in München: Reicher geworden ist vor allem, wer ein Haus hat. Bild: dpa

214.000 Euro haben die Deutschen durchschnittlich gespart. Die Schere zwischen Reich und Arm geht nicht weiter auf. Doch an Italien kommt Deutschland noch lange nicht ran.

          Die privaten Vermögen der Deutschen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, trotzdem bleiben sie aber weit unter den Vermögen der Italiener, auch wenn diese in den Jahren der Krise gesunken sind. Das zeigen neue Daten aus Haushaltsbefragungen der Bundesbank sowie der italienischen Zentralbank. Demnach hatte der mittlere Haushalt (Median) in Deutschland im Jahr 2014 rund 60.000 Euro Nettovermögen, wie die Bundesbank am Montag mitteilte.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Zum Vermögen gehören sowohl Geldvermögen und Finanzanlagen als auch Sach- und Immobilienwerte, davon werden eventuelle Schulden und Hypotheken abgezogen. Der Median-Haushalt in Italien hatte hingegen 138.000 Euro. Das ergab eine methodisch vergleichbare Untersuchung der Banca d’Italia. Der Median-Haushalt teilt die Gesamtheit der Haushalte in zwei Hälfte, die eine ist ärmer, die andere reiche.

          Reichen-Vermögen zwischen Deutschland und Italien sehr ähnlich

          Die Durchschnittswerte der Haushaltsvermögen werden von den Vermögen der sehr Reichen nach oben verzerrt. Sie unterscheiden sich zwischen Deutschland und Italien weniger: Hierzulande beträgt das durchschnittliche Vermögen der Privathaushalte 214.500 Euro, in Italien sind es 218.000 Euro.

          In Deutschland stiegen die Median-Vermögen von 2010, der ersten Untersuchung, bis 2014 um 18 Prozent – in absoluten Zahlen um 11.000 Euro. Dagegen mussten die Italiener Einbußen um 16 Prozent (Median: minus 19 Prozent) hinnehmen. Von anderen europäischen Ländern liegt die neue Welle der Vermögensstudie noch nicht vor.

          Vor einigen Jahren erregte ein EU-weiter Vergleich der Europäischen Zentralbank großes Aufsehen, weil er zeigte, dass die deutschen Median-Vermögen teils deutlich unter denen in einigen südeuropäischen Krisenländern lagen. Ins Gewicht fielen dort die recht hohen Immobilienvermögen. Diese sind nun in den Jahren der Krise etwas abgeschmolzen. Dennoch sind die Italiener laut der neuen Befragungswelle immer noch deutlich vermögender.

          Ungleichheit wächst nicht

          Die neue Studie der Bundesbank fällt in eine Zeit, in der viel über Ungleichheit debattiert wird. Wie die Bundesbank in ihrem neuen Monatsbericht schreibt, sind die Vermögen in Deutschland „relativ ungleich verteilt“. Drei Viertel der Deutschen haben geringere Vermögen als der errechnete Durchschnittswert. Allerdings hat die Ungleichheit zwischen den beiden Untersuchungsdaten 2010 und 2014 nicht zugelegt. Das zeigt der Gini-Koeffizient, das international wichtigste Maß für Ungleichheit. Ein Wert von null würde totale materielle Gleichheit, ein Wert von 1 totale Ungleichheit anzeigen. Die Vermögensverteilung in Deutschland ergab 2010 wie 2014 einen Gini-Koeffizienten von 0,76. Er liege damit „weiterhin auf hohem Niveau“, heißt es aus der Bundesbank.

          Verfolgt man einzelne Haushalte über die vergangenen vier Jahre, dann zeigt sich, dass einige Haushalte Vermögen verloren haben – andere allerdings sind reicher geworden, vor allem die mit eigenem Haus, die von den steigenden Immobilienpreisen profitieren. Insgesamt hätten sowohl reiche als auch arme Haushalte ihr Vermögen gesteigert – außer dem reichsten Zehntel. Das seien vor allem Rentner, sie hätten ihr Vermögen oft verschenkt.

          Die gesetzliche Rente wird nicht mitgerechnet

          Insgesamt hält das reichste Zehntel der Bevölkerung noch fast 60 Prozent des Gesamtvermögens. Die untere Hälfte der Bevölkerung hat hingegen kaum Vermögen, sie kommt nur auf einen Anteil von 2,5 Prozent am Privatvermögen. Allerdings umfasst die Haushaltsbefragung der Bundesbank nicht die Ansprüche aus gesetzlichen Renten und anderen Sozialversicherungen, die Angestellte im Laufe ihres Berufslebens erwerben. Solche Rentenanwartschaften können über die Jahrzehnte auf sechsstellige Werte anwachsen. Doch es sei zu schwierig, diese Werte zu berechnen, heißt es aus der Bundesbank. Deshalb wird darauf verzichtet.

          Ohne die künftigen Renten-Vermögen, die auch ärmeren Haushalten zustehen, wirken diese im Vergleich etwa zu Selbständigen und Unternehmern noch ärmer. Die Statistik ist damit nach unten verzerrt. Zugleich ist sie aber im oberen Bereich nicht ganz präzise. In der Stichprobe der Befragung von 4461 Haushalten war keiner der Superreichen mit mehr als 100 Millionen Euro Vermögen enthalten, geben die Forscher zu. Die sehr vermögenden  Haushalte sind traditionell diskret. Daher kann ihr Vermögen nur geschätzt werden.

          Die Bundesbank-Studie gibt Auskunft darüber, wie sich das Vermögen zusammensetzt: Traditionell haben die Sachvermögen eine viel größere Bedeutung als die Finanzvermögen. Der wichtigste Teil des Sachvermögens sind Immobilien. 80 Prozent der Deutschen haben Sachvermögen, 44 Prozent sind Eigentümer ihrer Wohnimmobilie. Im Mittel sind diese Immobilien laut den Selbstauskünften von 2014 rund 230.000 Euro wert – rund 13 Prozent mehr als vier Jahre zuvor.

          Das Finanzvermögen ist sehr viel bescheidener. Im Mittel betrug sein Wert 54.200 Euro, rund 14 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Davon werden noch im Mittel 57.000 Euro Schulden abgezogen. Trotz des starken Anstiegs der Aktienkurse in der Zeit von 2010 bis 2014 ist der Anteil der Haushalte, die durch Anlagen in Aktien oder in Fonds von diesem Anstieg profitierten, zurückgegangen, wie die Bundesbank etwas verwundert feststellte. Hatten 2010 noch 17 Prozent der Haushalte Fondsanteile oder Aktien, waren es 2014 nur noch 13 Prozent.

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