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Britische Wirtschaft : Ein Tsunami an Arbeitslosen

Die Unterstützung federt den Schock am Arbeitsmarkt ab, ist für die Staatskasse aber sehr teuer. Bis Oktober wird es rund 60 Milliarden Pfund kosten, so die neueste Schätzung des unabhängigen Office for Budget Responsibility. Ab August müssen Arbeitgeber jedoch einen Teil des Lohnersatzes mittragen – dann dürfte eine größere Entlassungswelle losgehen.

Schätzung: 70.000 Jobs in den nächsten drei Monaten bedroht – allein in der Luftfahrt

Verschiedene Großunternehmen in besonders von Corona betroffenen Branchen haben schon massenhaften Jobabbau angekündigt, British Airways etwa streicht 12.000 von 42.000 Stellen. Der Thinktank New Economics Foundation schätzt, dass in der Luftfahrtbranche insgesamt 70.000 Jobs in den nächsten drei Monaten bedroht sind. Neben der Flug- und Reisebranche sind besonders in der Gastronomie und in Teilen des Einzelhandels die Jobs gefährdet. Manche befürchten mit dem Auslaufen des staatlichen Unterstützungsprogramms einen „Tag der Abrechnung“, so nennt er James Reed, Chef der gleichnamigen großen Personalagentur. „Dann wird es einen Tsunami an Jobverlusten geben.“ Reed befürchtet bis zu fünf Millionen Arbeitslose; das wäre so viel wie in der Großen Depression der 1930er Jahre. Aus Sicht von Ökonomen ist das zu hoch gegriffen.

NIESR-Direktor Jagjit Chadha schätzt, dass die Arbeitslosigkeit im Sommer und Herbst knapp über 10 Prozent klettern wird. Das wären dann deutlich über 3 Millionen Erwerbslose, mehr als nach der Finanzkrise 2008 und 2009. Absehbar steuert die Arbeitslosigkeit auf die höchste Zahl seit fast dreißig Jahren zu, als sie in der Rezession 1993 einen Höhepunkt erreichte.

In diesen Tagen lockert die Regierung nun die Lockdown-Restriktionen für mehr und mehr Geschäfte und Unternehmen. Finanzminister Sunak besuchte kürzlich ein wiedereröffnendes Kaufhaus von John Lewis in London, lobte die neuen Sicherheitsvorschriften. Alle Leute sollten jetzt fleißig einkaufen gehen, ermunterte der Minister die Bevölkerung. Der April sei der Tiefpunkt der Wirtschaftsentwicklung gewesen, meint die Industrie- und Handelskammer BCC. Alle hoffen, dass der Konjunkturmotor nun wieder anspringt, nun da Geschäfte und Betriebe wiedereröffnen. „Die Aussicht auf eine V-förmige Erholung bleibt aber unwahrscheinlich“, warnt die Handelskammer, „denn viele Sektoren können nur mit begrenzter Kapazität arbeiten.“

Die große Frage ist, wie lange es dauern wird, bis sich der Arbeitsmarkt von der Krise erholt. Einige Volkswirte sehen Chancen, weil Britannien einen sehr flexiblen Arbeitsmarkt hat. „Es ist einfach, die Leute zu entlassen, aber es ist auch einfach, wieder einzustellen“, sagt Kallum Pickering, Ökonom der Berenberg Bank in London. „Außerdem sind die Löhne flexibler, das alles hilft, dass es bald wieder neue Beschäftigung gibt.“ Allerdings sieht er einige mögliche Risiken, etwa die Unsicherheit über ein Post-Brexit-Freihandelsabkommen mit der EU – das könnte das Investorenvertrauen belasten.

Die Notenbank zeichnet in ihrem Szenario der schwersten Rezession seit 300 Jahren einen tiefen Einbruch, dann aber eine bemerkenswert schnelle Erholung. Sie glaubt, schon Ende 2021 sei das meiste überstanden. Andere Wirtschaftsforscher sind nicht so optimistisch. „Nach der Finanzkrise hat es sieben Jahre gedauert, bis die Arbeitslosenrate von 8 auf 4 Prozent gefallen ist“, sagt NIESR-Ökonomin Lenoel. „Wir prognostizieren, dass es diesmal etwa fünf Jahre dauern wird, bis wir wieder bei 4 Prozent sind.“ Einige Branchen werden längere Zeit schwere Narben tragen. Und gerade für viele junge Leute dürfte es schwierig werden, wieder im Berufsleben Fuß zu fassen.

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