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Armuts-Kommentar : Lobbyarbeit mit Kindern

Wer so tut, als würden derzeit reihenweise Familien ins Elend stürzen, instrumentalisiert Flüchtlingskinder für politische Lobbyinteressen und verhindert eine zielgerichtete Sozialpolitik. Das ist unanständig.

          Kinder sollten nicht in Armut aufwachsen. Und wenn ihre Eltern kein eigenes Einkommen erzielen, sollten ihren Kindern dennoch alle Wege offen stehen, durch gute Bildung eine bessere Zukunft für sich selbst zu finden. Darüber sollte in der Gesellschaft eigentlich leicht Einvernehmen herzustellen sein. Eine zentrale Voraussetzung dafür sind gut ausgestattete Schulen. Mindestens dort sollte Bildungserfolg im Grundsatz unabhängig von den Bedingungen im Elternhaus möglich sein.

          In den hitzigen Debatten über Kinderarmut kommt dieser Aspekt leider fast nie vor. Es bleibt meist bei der Feststellung, dass jedes fünfte Kind in Deutschland einem Haushalt mit relativ niedrigem Nettoeinkommen aufwachse: Wer eine Studie mit dieser Botschaft auf den Markt wirft, kann sich als Urheber einer Empörungswelle feiern. Die Bertelsmann-Stiftung hat es gerade wieder geschafft. Für erstaunlich wenig Aufregung sorgen derweil amtliche Statistiken, wonach jedes Jahr immer noch mehr als 5 Prozent der Jugendlichen ihre Schulzeit ohne Schulabschluss beenden.

          Zuwanderung wird verschwiegen

          Wäre es nicht an der Zeit daran etwas zu ändern, wenn man Armutsrisiken bekämpfen will? Tatsächlich führen einschlägige Akteure aus Sozialverbänden und Sozialpolitik ihre Armutsdebatten geradezu mutwillig an wichtigen Themen vorbei. Sie vermarkten mit den Empörungswellen ihre Forderungskataloge, an deren oberster Stelle höhere Hartz-IV-Sätze und überhaupt mehr Geld für Arbeitslose stehen – also ob das der Schlüssel wäre, um die betreffenden Familien so zu integrieren, auf dass sie ihren Kindern ein Vorbild sind.

          Wie schief die Debatte läuft, wird seit der Flüchtlingskrise überdeutlich: Eigentlich geht das Armutsrisiko für Kinder hierzulande derzeit dank der guten Wirtschaftslage zurück. Ein Anstieg ist nur deshalb zu verzeichnen, weil in die Statistik nun nach und nach hunderttausende Neuankömmlinge mit ihren Kindern eingehen, die bisher vom Sozialstaat leben. Das verschweigen die Sozialverbände, weil es nicht zu ihrer politischen Agenda passt.

          Erfolgreiche Armutsbekämpfung erfordert vor allem, dass dieser Personenkreis nicht auf Dauer vom Sozialstaat lebt. Wer so tut, als würden derzeit reihenweise Familien ins Elend stürzen, instrumentalisiert Flüchtlingskinder für politische Lobbyinteressen und verhindert eine zielgerichtete Sozialpolitik. Eigentlich sollte es auch einen Konsens darüber geben, dass das unanständig ist.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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