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Arbeitsmarkt : Zeit für Integration

Schwerer Einstieg in den Arbeitsmarkt: Flüchtlinge werden oft als Helfer beschäftigt. Bild: Picture-Alliance

Die Politik darf sich nicht länger in Sozialstaatsdebatten verzetteln, wenn das Projekt der Integration von ehemaligen Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt gelingen soll.

          Die Zahlen sollten für Arbeitsmarktpolitiker ein Grund zu erhöhter Wachsamkeit sein: Mehr als 350.000 ehemalige Asylbewerber leben nun schon zwei Jahre oder länger von Hartz IV. 85.000 dieser sogenannten Langzeitleistungbezieher sind unter 25 Jahre alt. Insgesamt ist mittlerweile jeder vierte jüngere Langzeitbezieher im Hartz-IV-System ein ehemaliger Asylbewerber.

          Heißt dies schon, dass das Projekt einer Integration dieser Menschen in den Arbeitsmarkt gescheitert ist? Nein, das nicht. Nüchterne Analysen gingen immer davon aus, dass es in vielen Fällen fünf Jahre und länger dauern werde, um die Sprach- und Fachkenntnisse für ein erfolgreiches Arbeitsleben in Deutschland zu erwerben.

          Erhöhte Wachsamkeit heißt aber, dass sich Politik nicht länger in taktischen Sozialstaatsdebatten verzetteln darf, wenn dieses Projekt gelingen soll. Eine Leitfrage jeder neuen Gesetzesinitiative müsste daher eigentlich sein, was sie für die Integration ehemaliger Asylbewerber im Hartz-IV-System bewirkt.

          Abschaffung von Sanktionen für Arbeitsverweigerer, mehr Geld für Arbeitslose, 12 Euro Mindestlohn – all das mag in Umfragen gut ankommen. Rezepte für einen besseren Zusammenhalt sind es nicht.

          Dietrich Creutzburg

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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