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Alleinerziehende : Arm durch fehlenden Unterhalt

Alleinerziehende sind oft von Sozialleistungen abhängig - weil sie von ihrem Partner nicht unterstützt werden. Bild: Colourbox.com

Viele Alleinerziehende bekommen kein Geld vom Partner und sind abhängig von Sozialleistungen. Bundesfamilienministerin Schwesig will ihnen nun unter die Arme greifen.

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          Jeder zehnte deutsche Haushalt bezieht Sozialleistungen des Hartz-IV-Systems. Unter den Haushalten alleinerziehender Eltern liegt der Anteil jedoch bei fast 40 Prozent. Das zeigt die Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Ihnen fällt es besonders schwer, aus eigener Kraft ein Einkommen zu erzielen, das fürs Leben und für die Erziehung der Kinder reicht. Die wichtigste Ursache dafür liegt nach Erkenntnissen der Bertelsmann-Stiftung allerdings nicht etwa auf dem Arbeitsmarkt, sondern in einer schlechten Zahlungsmoral der unterhaltspflichtigen Elternteile.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          „Die Hälfte der Alleinerziehenden erhält überhaupt keinen Unterhalt für ihre Kinder“, teilte die Stiftung am Mittwoch mit Hinweis auf eine neue Studie dazu mit. „Weitere 25 Prozent bekommen nur unregelmäßig Unterhalt oder weniger als den Mindestanspruch.“ Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) kündigte als Reaktion darauf einen Vorstoß für eine Reform des staatlichen Unterhaltsvorschusses an und machte sich auch für eine stärkere Durchsetzung von Zahlungansprüchen stark. „Es kann nicht sein, dass sich einige Väter oder auch Mütter vor dem Unterhalt ihrer Kinder drücken und ihre Verantwortung allein auf den Staat schieben“, sagte sie.

          Die Gründe der schlechten Zahlungsmoral sind laut Bertelsmann-Stiftung bisher kaum wissenschaftlich untersucht. Eine vertiefende Analyse dieses Problems zähle daher zu den Hauptaufgaben, wenn Armut von Alleinerziehenden und ihren Kindern sinken solle. Daneben plädiert auch die Stiftung für einen Ausbau des Unterhaltsvorschusses und für mehr staatliche Hilfen bei Zahlungsunfähigkeit des Partners.

          Mehr Entlastung gefordert

          Das Unterhaltsvorschussgesetz sieht bisher vor, dass der Staat zugunsten von Kindern bis zu 12 Jahren für fehlenden Unterhalt einspringt und sich dann selbst um das Eintreiben des Geldes bemüht. Von dem Vorschuss wird aber das Kindergeld in voller Höhe abgezogen. Schwesig will nun durchsetzen, dass der Vorschuss künftig bis zum 14. Lebensjahr gezahlt wird. Die Bertelsmann-Stiftung fordert zudem, das Kindergeld nur noch zur Hälfte darauf anzurechnen.

          Wie die Statistik der Arbeitsagentur zeigt, waren 2014 immerhin 71 Prozent der 1,6 Millionen Alleinerziehenden berufstätig, verdienten also eigenes Geld; diese Quote entspricht damit dem Durchschnitt der Bevölkerung. Doch arbeiten besonders viele Alleinerziehende Teilzeit und erhalten aufstockendes Arbeitslosengeld II, weil sonst das Geld nicht reicht. Seit 2015 deutet sich ein leicht sinkender Anteil von Alleinerziehenden an, die Hartz IV beziehen oder die statistisch als armutsgefährdet gelten. Die Quote der Hartz-IV-Bezieher lag im Februar bei 37,5 Prozent und damit 0,8 Prozentpunkte niedriger als ein Jahr zuvor.

          Eine gewisse Entlastung hatte die große Koalition im vergangenen Jahr in Kraft gesetzt: Sie hob den steuerlichen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende um 600 auf 1908 Euro an; er soll erhöhte Haushaltsführungskosten ausgleichen.

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