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DIW-Studie : Ärmere werden häufiger und früher pflegebedürftig

  • Aktualisiert am

Eine Pflegefachkraft geht mit einer Bewohnerin durch ein Seniorenheim im niedersächsischen Nienburg. Bild: dpa

Menschen mit einem geringen Einkommen und hoher Arbeitsbelastung sind früher auf Pflege angewiesen als Besserverdiener. Der Unterschied beträgt bis zu sechs Jahre.

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          Ärmere Menschen werden einer Studie zufolge häufiger und früher pflegebedürftig als Besserverdienende. Gleiches gelte für Arbeiter und Arbeiterinnen im Vergleich zu Beamten und Beamtinnen, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervorgeht. Menschen mit hohen Arbeitsbelastungen seien ebenfalls stärker betroffen. „Nicht nur Einkommen und Lebenserwartung sind in Deutschland sozial ungleich verteilt, sondern auch das Pflegerisiko“, sagte DIW-Experte Peter Haan, der zusammen mit seinen Kollegen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet hat.

          Ende 2020 wurden den Angaben nach knapp 3,5 Millionen Menschen ambulant gepflegt. Dabei seien Männer, die direkt vor dem Renteneintritt weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdienten, etwa sechs Jahre früher auf die häusliche Pflege angewiesen als Männer mit mehr als 150 Prozent des mittleren Einkommens. Bei Frauen beträgt die Differenz rund dreieinhalb Jahre.

          Auch je nach der beruflichen Stellung zeigen sich Unterschiede: Arbeiterinnen und Arbeiter werden durchschnittlich etwa vier Jahre früher pflegebedürftig als Beamtinnen und Beamte. Um den Einfluss von physischen und psychosozialen Arbeitsbelastungen zu untersuchen, wurde der zuletzt ausgeübten Tätigkeit ein Indexwert von eins (geringe Belastungen) bis zehn (hohe Belastungen) zugeordnet.

          Dabei kam heraus: Männer und Frauen mit hohen beruflichen Belastungen haben durchschnittlich 4,7 beziehungsweise 2,7 weniger Lebensjahre, in denen sie nicht auf die Pflege durch andere angewiesen sind als Personen mit niedrigen Belastungen. „Pflegebedürftigkeit hängt also nicht nur vom Alter ab und tritt auch nicht zufällig auf“, sagte DIW-Experte Johannes Geyer dazu. „Im Gegenteil: Die Pflegebedürftigkeit wird durch Gesellschaft, Einkommen und Arbeitswelt beeinflusst.“

          Hohes Pflegerisiko reduziert Einkommen

          Die Kosten für die Pflege werden in Deutschland nur teilweise durch die gesetzliche Pflegeversicherung abgedeckt – der Rest muss privat getragen werden. Zudem werden bei der informellen Pflege Angehörige häufig zeitlich, physisch und psychisch belastet.

          Da Menschen mit geringen Einkommen oder einer hohen beruflichen Belastung ein höheres Pflegerisiko haben, treten die Kosten für sie häufiger auf und reduzieren die ohnehin geringeren verfügbaren Einkommen. „Um diese Ungleichheit zu bekämpfen, brauchen wir sozialpolitische Maßnahmen, die das ausgleichen“, sagte Forscher Haan. „Wir brauchen dabei sowohl Konzepte, die sofort greifen, als auch solche, die langfristig angelegt sind.“

          Eine nachhaltige Politik sollte bereits in der Erwerbsphase ansetzen und dort etwa die Arbeitsbelastungen verringern, um das Pflegerisiko präventiv zu reduzieren. Kurzfristig sollten die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung ausgebaut und die Qualität und das Angebot in der Pflege erhöht werden. Alternativ können auch private Zuzahlungen stärker vom Einkommen abhängig gemacht werden. Auch eine Bürgerversicherung, in der private und gesetzliche Pflegeversicherung zusammengebracht werden, könnte die Ungleichheit reduzieren helfen.

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