https://www.faz.net/-gqe-a483w

Umstrittenes Exportprodukt : Argentinien erlaubt als erstes Land der Welt Gen-Weizen

  • Aktualisiert am

Reifer Weizen auf einem Feld: Als erstes Land der Welt hat Argentinien eine genmanipulierte Weizensorte zugelassen. Bild: dpa

Zum ersten Mal genehmigt ein Staat eine genmanipulierte Weizensorte. Um diese kommerziell nutzen zu können, muss allerdings Brasilien als größter Absatzmarkt noch zustimmen. Experten warnen vor Preisabschlägen wegen der fehlenden Akzeptanz bei Verbrauchern.

          1 Min.

          Argentinien erteilt als erstes Land der Welt einer genmanipulierten Weizensorte die Zulassung. Der Nationale Rat für Wissenschaften und Technologie teilte am Donnerstag in Buenos Aires mit, es handele sich „um die erste Zulassung der Welt“ dieser Weizensorte, die dank einer gentechnischen Veränderung widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit sei. An der Sorte HB4 hatten das private Unternehmen Bioceres und die staatliche Universidad Nacional del Litoral (UNL) 15 Jahre lang gearbeitet.

          Damit die Weizensorte tatsächlich kommerziell genutzt werden könne, müsse sie allerdings „von Brasilien gebilligt werden, dem wichtigsten und historischen Markt für argentinischen Weizen“, hieß es von dem der argentinischen Regierung unterstehenden Gremium weiter. 2019 wurden 45 Prozent der 11,3 Millionen Tonnen Weizen in Argentinien an das Nachbarland Brasilien exportiert. Weitere große Absatzmärkte für argentinischen Weizen sind Indonesien, Chile und Kenia. Argentinien ist der viertgrößte Weizenexporteur der Welt.

          Bei der Feldforschung mit HB4 brachte die genmanipulierte Sorte den Entwicklern zufolge bei Trockenheit im Schnitt 20 Prozent mehr Ertrag. „Wir müssen nun die Welt davon überzeugen, dass sie sehr gut ist, und es schaffen, Märkte für diesen Weizen zu schaffen“, sagte Bioceres-Chef Federico Trucco der argentinischen Zeitlung „Clarín“. Die HB4-Weizensorten hat Bioceres zusammen mit dem franzöischen Unternehmen Florimond Desprez entwickelt, einem der Weltmarktführer bei Gen-Weizen.

          Experten von Argentiniens Nationalem Institut für Saatgut äußerten sich derweil beunruhigt über die Zulassung von HB4. Bislang lasse kein Land Gen-Weizen zu „wegen der fehlenden Akzeptanz der örtlichen und/oder ausländischen Verbraucher“ sowie der Schwierigkeit, den Anbau genmanipulierten Weizens komplett vom Anbau von Weizen ohne gentechnische Veränderungen zu trennen, legten die Experten dar. Selbst wenn Brasilien HB4 erlaube, heiße das nicht, dass Getreidemühlen, Bäckereien und Verbraucher ihn kauften. Womöglich müsse der Gen-Weizen mit Preisabschlägen verkauft werden.

          Durch die gentechnische Veränderung bekommen die Pflanzen bestimmte gewünschte Eigenschaften. Sie sind beispielsweise widerstandsfähig gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel, Schädlinge oder Trockenheit. Gentechnikgegner warnen, dass langfristige Folgen der Gentechnik unerforscht seien und sich die Ausbreitung der Pflanzen auf andere Felder nicht kontrollieren lasse. Die Verbraucher in Deutschland stehen Gentechnik in Lebensmitteln mehrheitlich kritisch gegenüber.

          Weitere Themen

          Corona-Kater für Netflix

          Weniger Neukunden als erwartet : Corona-Kater für Netflix

          Netflix hat zwar weiter Neukunden während der Corona-Krise gewinnen können, doch die eigene Prognose wurde verfehlt. Auch für die Zukunft plant das kalifornische Unternehmen vorsichtig. Die Aktie sank.

          Topmeldungen

          Abgeordnete im Deutschen Bundestag

          Corona-Kompetenzen : Die Gesetze macht immer noch der Gesetzgeber

          Beim Streit über die Kompetenzen des Bundestages geht es um mehr als nur um Formalitäten. Die Debatte ist auch eine Abrechnung mit der Art, wie die Corona-Politik bisher zustande gekommen ist.
          Schönau am Königssee: Alle Touristen mussten den Landkreis Berchtesgadener Land bis zum Beginn des Lockdowns verlassen. (Archivbild)

          Lockdown am Königssee : Jetzt ist auch für den Tourismus Schluss

          2500 Gäste mussten bis 14 Uhr den Landkreis Berchtesgadener Land verlassen. Bergbahnen und Ausflugsschiffe stehen still. Bei den Einheimischen macht sich Wut breit – über all jene, die den Lockdown durch ihr sorgloses Verhalten provoziert haben.
          Ein Kühlschrank mit kostenlosen Lebensmitteln im Stadtteil Brooklyn.

          Lebensmittelversorgung : Von New Yorkern für New Yorker

          In New York stehen auf den Bürgersteigen Kühlschränke mit kostenlosen Lebensmitteln. In Zeiten der Corona-Krise ist die Nachfrage danach immens. Das Konzept ist unkomplizierter als die Tafeln.
          Netflix: Keine besonders guten Zahlen für die Kalfornier

          Weniger Neukunden als erwartet : Corona-Kater für Netflix

          Netflix hat zwar weiter Neukunden während der Corona-Krise gewinnen können, doch die eigene Prognose wurde verfehlt. Auch für die Zukunft plant das kalifornische Unternehmen vorsichtig. Die Aktie sank.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.