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Argentinien : Ende der Dollarbindung in Sicht

  • Aktualisiert am

Abschaffung der Dollarbindung angepeilt - Eduardo Duhalde Bild: dpa

Kaum ist Eduardo Duhalde als Präsident gewählt, schon glaubt er die Wurzel allen Übels erkannt zu haben, die es auszureißen gelte: die Dollarbindung des Peso.

          Argentiniens neuester Präsident - der fünfte in zwei Wochen - will machen, was er für Nägel mit Köpfen hält. Sein Reformkonzept: die Aufhebung der Dollarbindung des Peso. Das versprach der am Dienstag gewählte Peronist Eduardo Duhalde noch am selben Abend in seiner ersten Rede vor dem Parlament. „Das Kernstück dieses perversen Wirtschaftssystems - die Dollarbindung - hat sich selbst ein Ende bereitet“, sprach er und ließ dabei offen, wie die neue Wirtschaft denn nun in der Praxis funktionieren soll.

          Dass die Bindung des Peso an den Dollar im Verhältnis eins zu eins aufgehoben werden muss, daran zweifeln die führenden Ökonomen des Landes nicht. Nach ihrer Einführung 1991 konnte sie zunächst die extreme Inflation stoppen, jedoch stellte sich die argentinische Wirtschaft damit selbst ein Bein. Denn aufgrund der Preissteigerungen bei heimischen Waren kränkelte das Exportgeschäft, und der teure Peso schreckte ausländische Investoren ab.

          Asienkrise als Tiefschlag

          Die Asienkrise von 1997 traf Argentinien dann besonders hart. Während andere Schwellenländer wie Brasilien ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertung ihrer Währungen aufrecht erhielten, konnte Argentinien auf dem Weltmarkt nicht mehr mithalten.

          Keine Drittwährung

          Die Wirtschaftsberater des neuen Präsidenten sehen den Ausweg in einer Neubewertung des Peso. Duhalde werde einen „geordneten Rückzug“ aus dem alten System vorschlagen, ohne eine plötzliche Abwertung des Peso, aber auch ohne Kursschwankungen hervorzurufen, sagte ein Sprecher von Duhaldes designiertem Team von Wirtschaftsberatern. Um wieder Liquidität zu erlangen, wird der Staat voraussichtlich zwei Milliarden Bundesanleihen ausgeben. Das von Duhaldes Vorgänger Adolfo Rodriguez Sáa vorgeschlagene Projekt einer dritten Währung namens „Argentino“ hat die neue Regierung endgültig begraben.

          Probleme der Privatschulden

          Ob der neue Präsident die Bevölkerung von seinen Reformen überzeugen kann, ist offen. Eine Abwertung des Peso würde für viele Argentinier, die mit US-Dollar verschuldet sind, das Aus bedeuten. Um eine Massenpleite zu vermeiden, soll deshalb eine „Pesofizierung“ der Dollarschulden vorgenommen werden: Ungeachtet der Abwertung des Peso würden die Schulden nach Angaben der Ökonomen eins zu eins in Pesos umgerechnet.

          Einmal mehr Hilfe vom IWF

          Ersparnisse in Dollar dagegen sollen ihren Wert behalten - eine weitere soziale Abfederung, die Duhalde verspricht. Ohne die Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird der bankrotte Staat - einst ein Musterschüler des IWF - dabei nicht auskommen. Die Regierung hofft auf einen Kredit in Höhe von 16 Milliarden Dollar.

          Dazu muss Argentinien aber noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Der derzeit wichtigste Mann in der Regierung dürfte damit wohl der neue Finanzminister sein. Jorge Remes Lenicov wird möglicherweise noch diese Woche nach Washington reisen und Verhandlungen mit dem IWF aufnehmen. An dem von Rodríguez Sáa bereits einseitig erklärten Moratorium der 132 Milliarden Dollar Auslandsschulden wird er wohl festhalten.

          USA fordern Festhalten an der Marktwirtschaft

          Die USA haben den neuen argentinischen Präsidenten aufgefordert, weiter mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenzuarbeiten und an der freien Marktwirtschaft festzuhalten. Sobald Argentinien ein “glaubwürdiges Wirtschaftsprogramm“ vorlege, werde Washington zusammen mit anderen Staaten Buenos Aires über den IWF und andere internationale Finanzinstitutionen unterstützen, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher am Mittwoch (Ortszeit) in Washington.

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