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Arcandor stellt Insolvenzantrag : Schluss. Aus. Weiter.

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Letzter Ausweg: Arcandor-Chef Eick (r.) und Insolvenz-Verwalter Görg Bild: dpa

Der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor hat Insolvenz angemeldet. Einen neuen Antrag auf staatliche Rettung wird es nicht geben. Dies gilt auch für Karstadt, die Versandtochter Primondo und Quelle. Ausgenommen bleibt die Touristik-Tochter Thomas Cook. 43.000 Mitarbeiter sind betroffen. Bundeskanzlerin Merkel sagte, die Regierung wolle den Beschäftigten helfen.

          Der angeschlagene Karstadt-Mutterkonzern Arcandor will keinen neuen Antrag auf Rettungshilfen stellen. Stattdessen beantragt das Unternehmen Insolvenz beim Amtsgericht Essen. Vorstandschef Karl-Gerhard Eick verteidigte am Nachmittag das Verfahren als „notwendig und konsequent“.

          In einer Pflichtmitteilung des Konzerns eißt es, der Insolvenzantrag gelte auch für die Karstadt Warenhaus GmbH, die Primondo GmbH und die Quelle GmbH. Angesichts kurzfristig fälliger Darlehen über 710 Millionen Euro drohe zum 12. Juni die Zahlungsunfähigkeit. Vom Insolvenzverfahren unberührt bleiben demnach die Touristik-Tochter Thomas Cook sowie der Homeshopping-Sender HSE24.

          „Keine nachhaltige Finanzierungsperspektive“

          Die Karstadt-Muttergesellschaft Arcandor hat Großaktionäre, Banken und Vermieter nicht zu weiteren Zugeständnissen bewegen können, um einen Insolvenzantrag abzuwenden. Die vom interministeriellen Ausschuss geforderte Verbesserung des Antrags auf Rettungsbeihilfe sei „nicht erreichbar“ gewesen, teilte Arcandor am Dienstag mit. „Damit bestand keine nachhaltige Finanzierungsperspektive mehr.“

          Schluss. Aus. Weiter.

          Bis einschließlich August sollen die Gehälter sicher sein, heißt es. 43.000 Mitarbeiter in Deutschland sind laut Arcandor von der Insolvenz betroffen.

          Arcandor hat den Insolvenzexperten Horst Piepenburg als Generalbevollmächtigten bestellt. Der Düsseldorfer soll die operative Führung der Geschäfte bei Arcandor übernehmen. Das Essener Amtsgericht hatte zuvor am Dienstag den Kölner Anwalt Klaus Hubert Görgen zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. Das Duo soll das Insolvenzverfahren gemeinsam bewältigen. Angestrebt ist ein Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung. „Heute ist Deutschlands größtes Insolvenzverfahren eingeleitet worden“, sagte Piepenburg am Arcandor-Hauptsitz in Essen. „In erster Linie geht es um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Und es geht um den Erhalt des Konzerns.“ Dazu biete das Insolvenzverfahren gute Möglichkeiten“, sagte Piepenburg.

          Merkel: Eine Chance für die Mitarbeiter

          Das sieht auch die Bundeskanzlerin so. Angela Merkel hat den Insolvenzantrag als Chance für die Mitarbeiter bezeichnet. Das Unternehmen könne nun den Beschäftigten etwa im Zusammengehen mit Metro neue Möglichkeiten eröffnen, sagte die Kanzlerin am Dienstag in Berlin. Die Politik werde dies, soweit sie es könne, begleiten. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) werde sich schnell mit den Personalvertretungen an einen Tisch setzen, kündigte Merkel an. Der Antrag auf Insolvenz sei aber unumgänglich gewesen, da der in Aussicht getellte Beitrag der Eigentümer für eine staatliche Rettungsbeihilfe nicht ausreichend gewesen sei (Video: Merkel verteidigt harte Haltung zu Arcandor).

          SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat das Scheitern seiner Rettungsbemühungen bedauert. „Ich bin weiterhin der Überzeugung, die Insolvenz hätte verhindert werden können, wenn alle an einem Strang gezogen hätten“, teilte der Bundesaußenminister mit. Er bedauere, dass es bei Eigentümern, Banken und Vermietern keine hinreichende Bereitschaft für einen eigenen substanziellen Beitrag zur Rettung des Unternehmens gegeben habe.

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