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Arbeitszeit : Überarbeitete Väter haben häufiger verhaltensauffällige Söhne

  • -Aktualisiert am

Vater und Sohn: im Grundschulalter ist diese Verbindung besonders wichtig. Bild: dpa

Eine neue Studie kommt zu dem Schluss, dass es Kindern schadet, wenn ihre Väter zu lange arbeiten. Vor allem die Entwicklung von Jungen leidet darunter.

          Wie wichtig die Zeit, die Eltern mit ihren kleinen Kindern verbringen, für deren soziale und gesundheitliche Entwicklung ist, wurde schon oft diskutiert und untersucht. Eine Langzeitstudie, die kürzlich im Journal of Marriage and Family veröffentlicht wurde, erweitert diese Diskussion nun. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass vor allem Jungen darunter leiden, wenn ihre Väter sehr lange Arbeitszeiten haben. Die Söhne von Vätern, die während der Grundschulzeit ihrer Kinder 55 Stunden und mehr in der Woche arbeiteten, wurden später häufiger verhaltensauffällig oder aggressiv als die, deren Väter weniger arbeiteten.

          Auf Töchter hatten die langen Arbeitszeiten der Väter keinen nennenswerten Einfluss, auch die Arbeitszeiten der Mütter scheinen keine ähnlich negativen Auswirkungen auf die Kinder zu haben. Allerdings weisen die Forscher darauf hin, dass die Vergleichsgruppe der Mütter mit sehr langen Arbeitszeiten in der Studie sehr klein sei und man daher keine allgemeinen Schlüsse daraus ziehen könne.

          Wie genau die längeren Arbeitszeiten die Entwicklung beeinflussen, ist nicht endgültig geklärt. Allerdings gibt es Vermutungen. „Väter, die so lange arbeiten, sind häufiger gestresst, und diesen Stress tragen sie dann nach Hause“, sagt die Sozialepidemiologin Jianghong Li, eine der Autorinnen der Studie, die zur Zeit am Wissenschaftszentrum Berlin forscht. Gestresste Väter könnten weniger auf ihre Kinder eingehen. Der Umgangston zu Hause werde möglicherweise rauher.

          Männliche Bezugsperson für Jungen wichtig

          Zudem hätten die Eltern weniger Zeit für ihre Kinder. „In diesem Alter ist es aber gerade für die Entwicklung von Jungen sehr wichtig, mit ihren Vätern Zeit zu verbringen und zum Beispiel Sport zu machen.“ Weil Identitätsfindungsprozesse im Grundschulalter nach wie vor stark vom Geschlecht abhängig seien, sei die männliche Bezugsperson für Jungen in diesem Alter womöglich besonders wichtig.

          Ein weiterer Aspekt sei die zusätzliche Belastung von Müttern durch die Abwesenheit der Väter. „Die langen Arbeitszeiten der Väter führen dazu, dass Mütter weniger Unterstützung im Haushalt und in der Kindererziehung erfahren“, sagt Li. Dies könne den Umgang der Mutter mit ihren Kindern belasten.

          Dass auch Töchter darunter leiden könnten, wenn Väter zu lange abwesend sind, will die Forscherin nicht ausschließen: „Wir beziehen uns nur auf die Entwicklung von Kindern zwischen fünf und zehn Jahren, spätere Effekte sind natürlich möglich.“

          Die Langzeitstudie basiert auf Daten von mehr als 1400 Kindern im australischen Bundesstaat  Western Australia. Dort arbeitet rund ein Fünftel der Väter während der Phase, in der ihre Kinder fünf beziehungsweise acht Jahre alt sind, 55 und mehr Stunden pro Woche. In Deutschland sind die Zahlen ähnlich: Etwa 15 Prozent der Väter mit Kindern im Alter von drei bis vier Jahren arbeiten 55 Stunden oder mehr in der Woche.

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