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Gipfel im Kanzleramt : So will die Regierung Fachkräfte anwerben

Deutschland fehlen Fachkräfte. Hier sind drei Flüchtlinge in einem Ausbildungszentrum bei Siemens in Leipzig abgebildet. Bild: dpa

Industrie und Handwerk müssen wegen fehlender Fachkräfte schon Aufträge ablehnen. Ein Gipfeltreffen im Kanzleramt sollte jetzt Lösungen finden: Künftig könnten Ausländer leichter an Arbeitsvisa kommen.

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          Die Bundesregierung will im Ausland künftig ein positiveres Bild der Lebensverhältnisse in Deutschland zeichnen, um mehr Fachkräfte für heimische Betriebe und Pflegeeinrichtungen zu interessieren. Außerdem bemüht sie sich um straffere Visum- und Anerkennungsverfahren, damit einwanderungswillige Fachkräfte nicht mehr an der Bürokratie scheitern. Dies hat die Regierung am Montag auf einem „Fachkräftegipfel“ mit Vertretern der Länder und der Sozialpartner im Kanzleramt zugesagt.

          Dietrich Creutzburg
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Hintergrund ist ein sich verschärfender Mangel an Fachkräften. Laut Hochrechnungen der Statistischen Ämter wird die erwerbsfähige Bevölkerung hierzulande bis zum Jahr 2035 um 5 Millionen Personen schrumpfen. Schon heute klagen Industrie- und Handwerksbetriebe, dass sie mangels Fachpersonals Aufträge ablehnen müssen; Pflegeeinrichtungen sehen sich genötigt, Patienten abzuweisen.

          In einer Erklärung der Gipfelteilnehmer vom Montag heißt es, dass Deutschland international in einem starken Wettbewerb um Fachkräfte stehe. „Wir müssen deshalb unsere attraktiven Arbeits- und Lebensbedingungen besser präsentieren, um das Interesse ausländischer Fachkräfte zu wecken“, heißt es in dem Dokument. Zugleich müssten deutsche Unternehmen „stärker auf die verbesserten Möglichkeiten zur Beschäftigung ausländischer Fachkräfte aufmerksam gemacht werden“. Dies zielt auf das von Union und SPD im Juni beschlossene Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März 2020 in Kraft tritt.

          Das neue Gesetz senkt ausländerrechtliche Hürden für Fachkräfte, die eine geprüfte Berufsqualifikation haben. Weisen sie geeignete Zeugnisse vor, müssen die Ämter künftig nicht mehr in jedem Einzelfall überprüfen, ob für den geplanten Arbeitsplatz wirklich kein Inländer verfügbar ist. Grundsätzlich dürfen aber weiterhin nur solche Fachkräfte einwandern, die schon einen Arbeitsvertrag in Deutschland in Aussicht haben; außerdem muss die Arbeitsagentur bescheinigen, dass die geplanten Vertragsbedingungen branchenüblich sind.

          Bisher scheitern Fachkräfte und ihre möglichen Arbeitgeber jedoch nicht selten auch dann an bürokratischen Hürden, wenn alle Bedingungen erfüllt sind. So müssen derzeit selbst IT-Spezialisten aus Indien 9 Monate warten, bis sie dort in der deutschen Botschaft überhaupt einen Termin für den Visumantrag erhalten, wie der Unternehmer Andreas Kopysov weiß. Kopysov führt eine Agentur, die Spezialisten durchs Visumverfahren lotst. Er berichtet von einigen Fällen, in denen geplante Arbeitsverträge trotzdem wegen überlanger Verfahrensdauern platzten.

          In der Gipfelerklärung sagt die Regierung nun mehr Personal in den Visastellen und straffere Bearbeitungswege zu. Zudem strebe sie „zügig die weitere Digitalisierung der Visumverfahren durch digitale Antragstellung und papierlose Übermittlung der Unterlagen aus dem Ausland ins Inland an“. Der Normenkontrollrat der Regierung hatte diese Schritte schon im Jahr 2011 angeregt.

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