https://www.faz.net/-gqe-wdvy

Arbeitsmarktstatistik : Schönfärber Olaf Scholz

  • -Aktualisiert am

Wer alt ist und keinen Job findet, soll schon bald nicht mehr als arbeitslos gezählt werden. Olaf Scholz nutzt die erste Gelegenheit, die Arbeitsmarktstatistik nachhaltig zu schönen.

          Der kluge Politiker baut vor. Olaf Scholz weiß, dass sich das Blatt auf dem Arbeitsmarkt schneller wenden kann, als einem ehrgeizigen Bundesarbeitsminister lieb sein kann. Deswegen nutzt der Sozialdemokrat die erste günstige Gelegenheit zu einem Versuch, die Arbeitslosenstatistik nachhaltig zu schönen.

          Schon seine Vorgänger hatten mit einer - nun ausgelaufenen - Sonderregelung dafür gesorgt, dass nicht mehr alle älteren Arbeitslosen in der Statistik auftauchen. Scholz will sich dieser Problemgruppe nun mit einem dreisten Kunstgriff möglichst vollständig entledigen: Bietet die Bundesagentur Arbeitslosen über 58 Jahren zwölf Monate lang keine Stelle an, fällt der Betreffende aus der Statistik.

          Weit weg von der Ehrlichkeit

          Wenn sich Scholz damit durchsetzt, entscheidet künftig das Arbeitsplatzangebot darüber, wie hoch die offizielle Arbeitslosigkeit ist. Das ist absurd und eine neue Dimension politischer Zahlenwillkür. Natürlich ist jede Datensammlung angreifbar. Die geltende Arbeitslosenstatistik unterzeichnet die Unterbeschäftigung schon jetzt.

          Es wirft kein gutes Licht auf Scholz, dass er - statt für mehr Ehrlichkeit zu sorgen - die Wirklichkeit noch schöner färben will. Gute Politik wird daraus nicht erwachsen.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson

          Brief an Tusk : Johnson will Brexit-Deal neu verhandeln

          Bisher wollte der britische Premier sein Land auch ohne Deal aus der EU führen. Nun schreibt er an EU-Ratspräsident Tusk, ein Austrittsabkommen habe „oberste Priorität“. Zugleich fordert er, die Backstop-Regelung zu streichen – und schlägt Alternativen vor.
          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.