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Arbeitsmarkt : Weiterer Anstieg der Überstunden in Deutschland

  • Aktualisiert am

In der Regelzeit nicht zu schaffen Bild: plainpicture / Wolff

Die Zahl der Überstunden ist in Deutschland erneut gestiegen. Der DGB fordert deshalb eine gesetzliche Initiative.

          Die Zahl der Überstunden in Deutschland ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Nach Schätzungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) lag die Zahl bei rund 1,9 Milliarden Stunden - gegenüber 1,85 Milliarden im Jahr 2000.

          Der Anstieg ergab sich trotz einer Vereinbarung im Bündnis für Arbeit, wonach sich die Tarifparteien auf einen freiwilligen Abbau geeinigt hatten. Vor diesem Hintergrund fordert die Gewerkschaftsseite nun gesetzliche Maßnahmen zur nachhaltigen Begrenzung von Überstunden.

          BDA will Zahlen nicht bestätigen

          Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) will die Schätzungen des DGB allerdings nicht bestätigen; BDA-Sprecher Uwe Mazura zufolge liegen noch keine konkreten Zahlen vor. Man gehe aber beim BDA davon aus, dass im Jahre 2001 die durchschnittliche Mehrarbeitszeit je Mitarbeiter bei knapp über einer Stunde pro Woche gelegen habe. Eine gravierende Veränderung zum Vorjahr sei da nicht zu erkennen. Überhaupt habe das Volumen der Überstunden, zumindest in Westdeutschland, im Laufe der letzten 30 Jahre deutlich abgenommen.

          Arbeitgeber lehnen Forderungen der Gewerkschaften ab

          Vor diesem Hintergrund lehnt die BDA die Forderungen der Gewerkschaften nach gesetzlichen Maßnahmen ab. Man könne „Überstunden nicht mit der Rasenmähermethode abbauen“, so Mazura. Die Arbeitgeber seien auf erweiterte Arbeitszeiten als notwendige „Flexibilitätsreserve der Betriebe“ angewiesen. Ein Gesetz zur Begrenzung der Überstunden würde da nur eine zusätzliche Hürde im deutschen Arbeitsmarkt errichten. Der BDA setzt deshalb weiter auf eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung, vor allem auf den Ausbau von Arbeitszeitkonten.

          Rot-Grün setzt auf das Bündnis für Arbeit

          Die Forderungen des DGB stoßen aber auch in der Regierungskoalition auf Ablehnung. So kann sich der arbeits- und sozialpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Brandner, kein „Pauschalgesetz“ zum Verbot von Überstunden vorstellen. Ganz ähnlich sieht das seine Kollegin von den Grünen, Thea Dückert. Sie lehnt ein weiteres „gesetzliches Korsett“ für den Arbeitsmarkt ab. Der Gesetzesgeber wäre hier sowieso der falsche Adressat. Vielmehr läge es in den Händen der Tarifparteien, im Rahmen des Bündnisses für Arbeit einvernehmliche Lösungen zu finden. Dabei favorisieren sowohl Dückert als auch Brandner anpassungsfähige, flexible Lösungen, wie etwa die Einrichtung von Lebensarbeitszeitkonten.

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