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Unternehmens-Übernahmen : Die Amerikaner lieben deutsche Ingenieure

Dow Chemical: Ein Amerikaner in Sachsen-Anhalt (Schkopau) Bild: AP

2200 deutsche Unternehmen gehören amerikanischen Muttergesellschaften. Von Januar bis August kamen 84 hinzu.

          2 Min.

          Deutschland ist für amerikanische Unternehmen vor allem als Innovationsstandort wichtig. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Umfrage der Amerikanischen Handelskammer (Amcham) unter den deutschen Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen. Allein in den ersten acht Monaten dieses Jahres sind demnach 84 deutsche Unternehmen von amerikanischen Gesellschaften aufgekauft worden. Damit könnte in diesem Jahr der letztjährige Wert von 97 Übernahmen übertroffen werden. „In vielen Fällen war die Innovationskraft des deutschen Partners für die Übernahme ausschlaggebend“, sagte Frank Riemensperger, der Vizepräsident der Kammer und Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Accenture.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Vor allem in den Branchen Maschinenbau, Elektrotechnik, Autoherstellung und Chemie seien deutsche Unternehmen technisch führend in der Welt. Die Stärke deutscher Unternehmen sei die kundenorientierte Forschung und Entwicklung. Hinzu komme die gute Ausbildung der Mitarbeiter hierzulande. Dieser Vorteil könnte allerdings im Zuge der demografischen Entwicklung schwinden. Eine der größten Sorgen amerikanischer Investoren in Deutschland ist der künftige Zugang zu Fachkräften, hat die Umfrage unter den Kammermitgliedern ergeben.

          Die zweite Unsicherheit für amerikanische Investoren betrifft die Energieversorgung. „Es ist uns egal, woraus der Strom erzeugt wird“, sagte Dierk Müller, der Generalmanger der Handelskammer. „Aber die Versorgung muss sicher sein.“ Insgesamt fühlten sich amerikanische Investoren in Deutschland sehr wohl. Kammerpräsident Fred Erwin wies darauf hin, dass General Motors erst kürzlich versichert habe, mindestens die kommenden 15 Jahre an Opel in Rüsselsheim festhalten zu wollen, und dass der Autohersteller Ford gerade eine Beschäftigungsgarantie bis 2017 ausgesprochen habe.

          Bild: F.A.Z.

          800.000 Arbeitsplätze

          Die 50 größten amerikanischen Beteiligungen in Deutschland haben im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 5 Prozent auf 153 Milliarden Euro erhöht, nachdem er im Vorjahr um 10 Prozent geschrumpft war. In dieser Zahl sind nur industrielle Beteiligungen enthalten, keine Banken und Finanzinvestoren (Private Equity). Insgesamt gibt es in Deutschland 2200 Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen mit 800.000 Arbeitsplätzen. Fast 90 Prozent der in Deutschland tätigen amerikanischen Unternehmen gehen davon aus, dass sich das Wachstum in diesem Jahr fortsetzt. Jedes zweite amerikanische Unternehmen hierzulande will Mitarbeiter einstellen. Große Unternehmen wie Caterpillar, Opel oder HP wollen die Zahl ihrer Arbeitsplätze in Deutschland sogar zweistellig erhöhen. Insgesamt haben die 50 größten amerikanischen Beteiligungen im vergangenen Jahr 7000 neue Arbeitsplätze hierzulande geschaffen.

          Die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen sind aber nicht einseitig. Den 153 Milliarden Euro, die amerikanische Beteiligungen in Deutschland umsetzen, stehen vielmehr sogar 285 Milliarden Euro Umsatz amerikanischer Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen gegenüber. Deutsche Unternehmen beschäftigen jenseits des Atlantiks mehr als 430 000 Mitarbeiter. Die größten deutschen Engagements in Amerika haben Daimler (20 Milliarden Euro Umsatz in den Vereinigten Staaten), T-Mobile (15), Siemens (13,8), BASF (12,4) und BMW (12,1). Die meisten Mitarbeiter jenseits des Atlantiks beschäftigt Siemens (62.000) vor Fresenius Medical Care (39.000) und T-Mobile (38.000).

          Trotz negativer Meldungen über die amerikanische Wirtschaft erwarten nach der Kammerumfrage mehr als 90 Prozent der deutschen Unternehmen, ihre Umsätze in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr erhöhen zu können. „Die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen sind so gesund wie selten. Sie sind zwar nicht mehr die dominierenden in der Welt, aber sie gehören zu den stärksten und stabilsten“, kommentierte Frank Riemensperger das Verhältnis deutscher und amerikanischer Unternehmen zueinander.

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