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F.A.Z.-Stellenreport : Zu wenig Bewerber lassen sich von Stahl und Feuer locken

Die deutschen Metallverarbeiter suchen Mitarbeiter Bild: Schmitt, Tobias

Ob in der Industrie, im Handwerk oder der Gastronomie - überall wachsen die Sorgen über den fehlenden Nachwuchs. Die Zahl der offenen Stellen steigt. Eine Ausnahme machen nur die Banken und die Pharmabranche.

          Die junge Frau auf dem Umschlag der DVD sieht nicht schwächlich, aber auch nicht gerade nach einem Schmied aus. Dennoch wirbt sie für Schmiede - in ihrer moderneren Form. Deren Branche nennt sich, seit Metall aus Gründen der Energieersparnis zunehmend kalt umgeformt wird, Massivumformung. Aber immer noch geht es in ihr zu 80 Prozent um Stahl und andere Metalle, die unter Hitze und Feuer bearbeitet werden - eine Welt, die viele junge Menschen nur noch aus Historienfilmen kennen. Seit Jahren sinkt die Zahl der Bewerber, als Gegenmaßnahme hat der Industrieverband Massivumformung nun jene DVD aufgenommen, um die Branche vorzustellen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Ausführliche Tabellen zum F.A.Z.-Stellenreport finden Sie hier.

          Von 2012 an soll außerdem ein transportabler Schmiedeofen Schulen besuchen, die Schüler sollen Metall erhitzen und formen können - und erfahren, dass es sich dabei um eine durchaus zeitgemäße Technik handelt, mit der viele Gegenstände hergestellt werden. Damit sollen junge Menschen bewogen werden, die Berufe Zerspanungstechniker, Werkzeugbauer und Industriemechaniker zu erlernen. Gesucht werden aber auch Ingenieure der Fachrichtungen Umformtechnik und Maschinenbau.

          Von den Jugendlichen links liegen gelassen

          Das Schicksal, von den Jugendlichen links liegengelassen zu werden, teilen die 150 deutschen Industrieschmieden mit den vielen tausend Handwerkern und den gastronomischen Betrieben. Auch sie können zunehmend Stellen für Auszubildende und für Akademiker nicht besetzen. Aber auch in den Zukunftstechnologien ist die Nachfrage nach Mitarbeitern zurzeit höher als das Angebot. So steige im Zuge der Erfolge von iPhone und iPad die Nachfrage nach App-Entwicklern, berichtet Gunnar Berning, der Gründer und Geschäftsführer von Twago, einem Marktplatz für deutsche und internationale Freiberufler und Dienstleister in den Sparten Programmierung, Webdesign und Unternehmensservices.

          Unter den großen Stellenschaffern in der deutschen Wirtschaft  haben Bosch und BMW ihr Angebot noch einmal um jeweils 1000 neu zu schaffende Stellen aufgestockt. Die Elektromobilität mit ihren ehrgeizigen Zielen sorgt hier für zahlreiche neue Arbeitsplätze. Der Autozulieferer Schaeffler ist mit 1600 Neueinstellungen erst im dritten Quartal neu in die Liste aufgerückt. Nicht nur in der Automobilbranche werden Kohlenstofffasern zu einem immer bedeutenderen Rohstoff. Um in der Region Augsburg auf sich aufmerksam zu machen, sponsert der Hersteller SGL Carbon die Arena des Bundesligaaufsteigers FC Augsburg. „Das hilft in der Region beim Volunteer-Branding“, sagt SGL-Vorstandsmitglied Armin Bruch.

          Weniger Stellenstreichungen als im Vorjahr

          Für die ersten neun Monate dieses Jahres stehen insgesamt 21.000 gestrichenen Stellen 74.000 neue Stellen gegenüber. Die Zahl der Stellenstreichungen liegt damit unter dem Wert des Vorjahres, während wesentlich mehr neue Stellen geschaffen wurden als die 47.000, die im Vorjahr gezählt wurden. In der Statistik, die vom Archiv dieser Zeitung geführt wird, werden nur solche öffentliche Ankündigungen berücksichtigt, von denen mehr als 100 Stellen betroffen sind.

          Angesichts der Konjunktureintrübung hat sich der Stellenaufbau in der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Monaten allerdings verlangsamt. Das Verhältnis von gestrichenen zu neuen Stellen ist mit 1 zu 3,5 schlechter als zu Beginn des Jahres; im ersten Quartal konnte ein entlassener Mitarbeiter theoretisch noch unter 14 freien Stellen wählen.

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