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Elektromobilität : Fachkräfte dringend gesucht

  • -Aktualisiert am

Wer sorgt künftig für die Elektromobilität? Bild: dpa

Die Politik hat das Ziel vorgegeben, dass Deutschland in der Herstellung von Elektroautos führend werden soll. Das stellt auch die Hochschulen vor große Herausforderungen.

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          Kluge Autos brauchen kluge Köpfe. In Ulm findet man viele kluge Köpfe, weil dort der größte Autozulieferer der Welt, Bosch, produziert und weil sich die Universität Ulm seit vielen Jahren um die für Elektroautos wichtige Batterieforschung kümmert. Zudem bietet Daimler in Ulm seine ersten Elektro-Smarts als „Car2go“ zur Kurzzeitmiete an. Anderswo in Deutschland sind die Fachkräfte für Elektroautos aber noch dünn gesät. Auf der „Nationalen Bildungskonferenz Elektromobilität“, die vor kurzem in Ulm stattfand, ging es um die Frage, was Ingenieure und Techniker in Zukunft können müssen, um Elektroautos zu entwickeln. Befeuert wurde die Diskussionen von dem Mitte Mai veröffentlichten zweiten Bericht der „Nationalen Plattform Elektromobilität“. Auf der Basis des Berichts hat die Bundesregierung das Ziel vorgegeben, dass Deutschland in der Produktion von Elektroautos führend werden soll. Die Subventionen für die Forschung an Elektroautos wurden bis 2013 auf 1 Milliarde Euro verdoppelt.

          „Es ist klar, dass die Ziele Leitanbieter, Leitmarkt und eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020 nicht ohne ausreichendes, höchst qualifiziertes Fachpersonal zu verwirklichen sind“, sagte Karl Joachim Ebeling, Präsident der Universität Ulm. Nur dann könnten die notwendigen Wertschöpfungsketten aufgebaut werden. Er forderte, klare Profile für die notwendigen Schwerpunkte der Ausbildung herauszuarbeiten. Deshalb werde ein „nationales Netzwerk zur Ausbildung in der Elektromobilität“ etabliert, das die neuen Bildungsprogramme verbreite.

          „Es gibt deutlichen Handlungsbedarf“

          Die Fachleute waren sich in Ulm allerdings auch einig, dass keine ganz neuen Berufe und Studiengänge erfunden werden müssten. „Es hat sich in Deutschland auch bewährt, bestehende Ausbildungen weiterzuentwickeln und nicht jeweils mit neuen Berufen auf technische Innovationen zu antworten“, sagte Christine Thomas vom Bundesbildungsministerium. Es zeichne sich aber ab, dass bisher getrennte Disziplinen zunehmend zusammenarbeiten werden. Thomas glaubt, dass sich die Autoindustrie und die Stromkonzerne stärker vernetzen werden. Daraus ergebe sich, dass die Ausbildungsprofile von bislang getrennten Berufsbildern besser miteinander verknüpft werden müssten. Eine solche Entwicklung habe es zum Beispiel gegeben, als vor einigen Jahren der Beruf des Mechatronikers entwickelt worden sei. In diesem Beruf qualifiziere man sich sowohl auf dem Gebiet der Mechanik als auch der Elektronik. Thomas befürwortete außerdem die Entwicklung von Zusatz- und Aufbaustudiengängen.

          „Es gibt deutlichen Handlungsbedarf bei den Inhalten und insbesondere bei der disziplinübergreifenden Zusammenarbeit der unterschiedlichen Studiengänge“, sagte Burkhard Göschel, der Technikchef des Autozulieferers Magna. Er machte einen großen Rückstand gegenüber der internationalen Konkurrenz in der Elektrochemie, insbesondere bei den werkstofflichen Grundlagen, und in der Batterieforschung aus. Manchmal höre man, es reiche, den Fachbereich Elektrotechnik einer Hochschule mit etwas Fahrzeugtechnik aufzurüsten, und „dann machen wir das schon mit der Elektromobilität“. Das sei aber viel zu kurz gesprungen, bemängelte Gröschel.

          Wenig hätten die Hochschulen außerdem im Bereich post-graduale Weiterbildung zu bieten. „Wir konnten praktisch keine Ausbildungsgänge, keine Trainer und keine Ausstattung zu diesem Thema finden“, sagte Göschel. Hier seien die deutschen Fachhochschulen deutlich besser positioniert als die Universitäten. Für Gröschel ist außerdem klar, „dass wir die heute in den Unternehmen tätigen Ingenieure berufsbegleitend weiterbilden müssen und dafür eine leistungsfähige Infrastruktur zur Verfügung stehen muss“. Wichtig sei in der akademischen Bildung außerdem die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft.

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