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Carlo Vassallo, Geschäftsführer Ferrero Deutschland : „Wir würdigen die Lebensleistung unserer Mitarbeiter“

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Sieht die Rente nicht als Grenze: Carlo Vassallo, Geschäftsführer von Ferrero in Deutschland Bild: Archiv

„Employer Branding“ hält der Manager des Süßwarenherstellers für ein Modewort. Familienunternehmen seien schon immer stark auf ihre Mitarbeiter ausgerichtet. Deshalb können sich Rentner bei Ferrero bei der Steuer helfen lassen und kochen lernen.

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          Herr Vassallo, in Deutschland wie in Italien altert die Gesellschaft, und der Wettbewerb um Arbeitskräfte wird härter. Muss auch Ferrero als Arbeitgeber seine Schokoladenseite herausstellen, oder rennen Ihnen die Bewerber wegen der beliebten Marke ohnehin die Tür ein?

          Bislang haben wir noch keine größeren Probleme, die Leute zu bekommen, die wir brauchen. Aber wir müssen natürlich auch an die Zukunft denken, und da wissen wir, dass es schwieriger wird. Wir haben als Familienunternehmen aber einen Vorteil: Während etwa börsennotierte Konzerne das Thema "Employer Branding" erst vor einiger Zeit entdeckt haben, gehört es bei uns seit der Firmengründung vor 60 Jahren zur Unternehmenskultur dazu, wird kontinuierlich erneuert und aktualisiert. Wir leben das vor.

          Was genau meinen Sie?

          Dass Werte zur Unternehmenskultur gehören. Lavorare, creare, donare - arbeiten, kreieren, zurückgeben - das ist das Motto, das Michele Ferrero einst formuliert hat und das seit je für unser Unternehmen steht. Diese Ethik des Handelns basiert auf den Werten Respekt und Verantwortung, Loyalität und Vertrauen, Integrität und Ernsthaftigkeit sowie Forschung und Innovation. Das bezieht sich auf das Außenverhältnis ebenso wie auf das Innenverhältnis, also auf die Art, wie wir mit Geschäftspartnern und mit Mitarbeitern umgehen.

          Klingt nett, aber einen Ethikkodex hat heute doch jeder ordentliche Konzern. Was machen Sie anders?

          Wir schreiben es nicht nur auf Papier, sondern wir handeln danach. Neben unseren vielleicht traditionell anmutenden ethischen Grundsätzen setzen wir auch auf Projekte und Maßnahmen, die darauf abzielen, einen Arbeitsplatz zu bieten, der langfristig motivierend und inspirierend ist. Bei Ferrero Deutschland heißt beispielsweise eines der wichtigsten Konzepte Primavera, das in fünf strategische Bereiche untergliedert ist: Talentförderung, Leistungen und Vergütung, Gesundheit, Arbeitsumfeld sowie Team. Primavera ist ein Projekt, in das wir auch in Krisenzeiten investiert haben. Das gibt Mitarbeitern Sicherheit und Vertrauen.

          Sie wollen sagen, dass es auch in diesen schnelllebigen Zeiten noch lebenslange Bindungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern geben kann?

          Ja, darauf setzen wir nach wie vor. Ein Beispiel, woran das deutlich wird, ist die „Opera Sociale“ (Soziales Werk). Mit der Stiftung und ihren Einrichtungen will Ferrero den Beitrag langjähriger Mitarbeiter zum Unternehmenserfolg würdigen und unterstreichen, dass die Menschen auch nach dem Ausscheiden in den Ruhestand fester Bestandteil des Unternehmens bleiben. Die Opera Sociale finden sich inzwischen an allen unseren großen Standorten und sollen gemäß ihrem italienischen Vorbild ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Freude sein. Hier können verdiente Beschäftigte die Freizeit ihres Lebensabends gemeinsam mit langjährigen Kollegen gestalten.

          Das klingt nach Kaffeekränzchen für Ehemalige. . .

          Nein, dahinter steckt viel mehr. Wir setzen nicht nur auf geselliges Zusammensein, sondern auf den immer noch aktiven ehemaligen Ferrero-Mitarbeiter. Deshalb bieten wir fast alles an, was man so im Ruhestand braucht beziehungsweise wozu man jetzt endlich Zeit hat: Hilfe beim Erstellen der Steuererklärung und des Testaments, Computer-, Koch- und Gymnastikkurse, kulturelle Angebote wie Konzert- und Theaterbesuche sowie Vorträge zu unterschiedlichsten Themen. Die Pensionäre können auch selbst aktiv werden und zum Beispiel gemeinsame Fahrradtouren oder Wanderungen organisieren.

          Das Programm war speziell für die erste Generation der meist kaum gebildeten Industriearbeiter geschaffen worden. Ist das noch zeitgemäß?

          O ja, mehr denn je. Schon Michele Ferrero hat bei der Gründung betont, dass es zutiefst falsch sei, das Alter und die Zeit der Rente als eine Grenze anzusehen, die das Ende des aktiven Lebens kennzeichnet. Auch die an unserem deutschen Produktionsstandort in Stadtallendorf errichtete Opera Sociale ist gut besucht. Wir würdigen damit die Lebensleistung unserer Mitarbeiter. Und das wird auch in Zukunft gefragt sein. Denn viele Arbeitnehmer werden sich aussuchen können, wo sie ihr Geld verdienen wollen. Und sie werden das Unternehmen wählen, wo sie das Gefühl haben, dauerhaft gut aufgehoben zu sein.

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