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Arbeitsmarkt : Stellenaufbau in Amerika gerät ins Stocken

Die Arbeitslosenquote in Amerika sank im März von 8,3 auf 8,2 Prozent. Bild: AFP

Die Erholung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt hat überraschend an Fahrt verloren. Die Wirtschaft schuf im März lediglich 120.000 neue Stellen - deutlich weniger, als von Experten erwartet.

          Die Erholung am amerikanischen Arbeitsmarkt schwächelt. Im März wurden 120.000 neue Stellen geschaffen, nur halb soviel wie im Februar. Zum ersten Mal seit November lag die Zahl der neuen Stellen unter 200.000. Zugleich sank die Arbeitslosenquote von 8,3 auf 8,2 Prozent. Grund dafür aber ist, dass im März weniger Menschen in den Arbeitsmarkt drängten. Die Erwartungen an der Wall Street wurden deutlich enttäuscht. Analysten notierten sorgenvoll, dass die durchschnittliche Wochenstundenzahl von 34,6 auf 34,5 Stunden zurückging. Die Volkswirte von Goldman Sachs bezweifelten, dass die Abschwächung nur eine Gegenreaktion zum warmen Winter in den Vormonaten sei.

          Löhne liegen 2,1 Prozent höher

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Abschwächung gründet vor allem in deutlich weniger neuen Stellen im Dienstleistungsgewerbe. Die Zahl der temporär Beschäftigten fiel zum ersten Mal seit Juni, der Einzelhandel meldete den zweiten Monat nacheinander Stellenverluste. Im verarbeitenden Gewerbe und gerade in der Automobilindustrie dauerte der Aufwärtstrend dagegen an. Die Statistik zeigt einige positive Entwicklungen. Zuletzt waren 12,7 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, rund eine Million weniger als noch vor einem Jahr. In einem breiteren Maß der Arbeitslosigkeit, das auch Teilzeitbeschäftigte umfasst, fiel die Arbeitslosenquote von 14,9 auf 14,5 Prozent. Die Löhne lagen 2,1 Prozent höher als vor einem Jahr, was ein stärkerer Zuwachs als zuvor ist. Dennoch steigen sie langsamer als die Inflation.

          Die enttäuschenden Arbeitsmarktdaten bestätigten die Mahnungen der Zentralbank vor zu großem Optimismus. In den rückläufigen Zahlen der Neuanträge für Arbeitslosenhilfe sehen Analysten wie Harm Bandholz von Unicredit aber ein Signal, dass die Erholung am Arbeitsmarkt andauern werde. Das Weiße Haus erklärte, die Wirtschaft erhole sich weiter von dem schwersten Einbruch seit der Großen Depression in den dreißiger Jahren.

          Scharfe Kritik am „Jobs-Act“

          Präsident Barack Obama hatte am Donnerstag feierlich ein heftig kritisiertes Gesetz unterzeichnet. Der „Jobs-Act“ soll mehr Arbeitsplätze generieren, indem neuen Unternehmen weniger Lasten auferlegt werden. Unter anderem werden Neugründungen mit einem Umsatz von bis zu 1 Milliarde Dollar für bis zu fünf Jahre von der Verpflichtung befreit, ihre internen Kontrollsysteme von Wirtschaftsprüfern durchleuchten zu lassen. Buchhaltungsregeln und Offenlegungspflichten werden für sie erleichtert. In einer besonderen Form der Finanzierung („crowdfunding“) wird die Möglichkeit eröffnet, dass Unternehmen bis zu 1 Million Dollar im Jahr von Kleininvestoren einsammeln dürfen, ohne die Anteile für den öffentlichen Handel anmelden zu müssen. Banken wird begrenzt erlaubt, Analysen zu Unternehmen abzugeben, die sie selbst mit an die Börse bringen.

          Damit werden Regeln, die nach den Bilanzskandalen bei Enron und Worldcom im Sarbanes-Oxley-Gesetz eingeführt wurden, für Neugründungen teilweise wieder zurückgenommen. Das Gesetz trifft auf scharfe Kritik von Aufsehern. Die Vorsitzende der Wertpapieraufsicht SEC, Mary Schapiro, warnte, der Investorenschutz werde geschwächt. Das Gesetz sollte „Bring-den-Betrug-zurück-an-die-Wall-Street-Gesetz“ heißen, sagte der frühere Generalstaatsanwalt von New York, Eliot Spitzer.

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