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Arbeitsmarkt : Krisengewinner in der Pop-Tristesse

Wandjo (rechts), Geschäftsführer der Popakademie, sieht noch Chancen in der Musikindustrie Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Arbeitsmarkt ist in der Musikindustrie so schwierig wie die wirtschaftliche Lage. Falls EMI und Warner Music fusionieren, wird es möglicherweise noch enger. Doch der schmerzhafte Strukturwandel könnte zugleich auch Jobmotor in der Branche werden.

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          Der Arbeitsmarkt ist in der Musikindustrie so schwierig wie die wirtschaftliche Lage. Doch Hubert Wandjo ficht das nicht an. „Mehr als die Hälfte unseres ersten Absolventenjahrgangs hat bereits einen Arbeitsvertrag in der Tasche“, sagt der Geschäftsführer der Popakadamie Baden-Württemberg in Mannheim.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Knapp 20 Studierende der Hochschule, die unter anderem vom Land Baden-Württemberg und der Musikindustrie getragen wird, schließen demnächst ihr dreijähriges Bachelor-Studium im Fach „Musikbusiness“ ab, das ein breites Spektrum von der Talentsuche bis hin zu Management-Aufgaben umfasst.

          Die Popakadamie wurde vor vier Jahren mitten in der tiefsten Krise der Musikindustrie gegründet und ist im Ländle ein medienpolitisches Prestigeprojekt. „Richtige Vollzeitstellen“ - nicht Teilzeit- oder Praktikantenverträge - hätten die Absolventen bekommen, sagt Wandjo. „Es gibt insgesamt natürlich viel weniger Jobs in der Musikindustrie als früher, aber das heißt nicht, dass es keine guten Chancen auf einen Arbeitsplatz gibt, wenn man die richtige Qualifikation hat.“

          „Nicht unrealistisch, wenn hundert Stellen wegfallen“

          Demnächst wird es möglicherweise nochmals eng auf dem Pop-Arbeitsmarkt. Falls die beiden Branchengrößen EMI und Warner Music fusionieren, steht ähnlich wie 2004 beim Zusammenschluss von Sony Music und Bertelsmann Music Group (BMG) auch in den deutschen Filialen der beiden Konzerne die nächste Kürzungswelle bevor.

          EMI und Warner beschäftigen nach Schätzungen von Wandjo hierzulande fast 300 Mitarbeiter. „Es ist wohl nicht unrealistisch, wenn man annimmt, dass davon rund hundert Stellen wegfallen würden“, sagt der Geschäftsführer der Popakademie. Allein in Deutschland geht der Arbeitsplatzverlust in der einstigen Glamourbranche seit Beginn der Krise vor sieben Jahren insgesamt in die Tausende.

          „Intelligentes Low Budget ist gefragt“

          Doch der schmerzhafte Strukturwandel sei zugleich auch Jobmotor, glaubt Wandjo. Seine These: Der Aufbau des digitalen Musikvertriebs, der die Einnahmeausfälle aus dem schrumpfenden CD-Geschäft ausgleichen soll, verlangt nach Qualifikationen, die offensichtlich in der Musikindustrie Mangelware sind.

          Sogenanntes virales Marketing, das häufig via Internet auf soziale Netze aufbaut, gilt zum Beispiel bei den Plattenkonzernen als kostengünstige Alternative zu teuren traditionellen Werbekampagnen. „Früher waren die Marketingbudgets bis zu zehnmal so hoch wie heute“, erinnert sich Wandjo, der früher selbst Musikmanager bei Sony und Warner war. „Heute ist intelligentes Low Budget gefragt.“

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