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Arbeitsmarkt Filmbranche : „Reich wird man da nicht“

Der Bedarf an Regisseuren und Produzenten sinkt, doch die Bewerberzahlen an den Hochschulen sind konstant. Dabei haben Regisseure nach Aussage von Branchenkennern schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als Produzenten.

          Traumjob Film? Die Unterhaltungsindustrie wird oft mit Glamour und Millionengagen assoziiert. Aber spätestens die jüngsten Arbeitskämpfe in der amerikanischen Film- und Fernsehbranche haben die nüchterne Erkenntnis gebracht, dass der Arbeitsalltag um einiges grauer ist. Jenseits einer kleinen Gruppe von Superstars gibt es eine große Masse von Schauspielern, Regisseuren und Autoren, die um jeden noch so kleinen Job und jedes noch so kleine Honorar kämpfen müssen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Drehbuchautoren legten ihre Arbeit in einem öffentlichkeitswirksamen und mehrmonatigen Streik nieder, um eine bessere Vergütung zu erzwingen. Seit vergangener Woche verhandelt auch die Schauspielergewerkschaft mit den Filmstudios über einen neuen Tarifvertrag. Wenn bis Ende Juni keine Einigung erzielt wird, könnte es zu einem neuen Streik in Hollywood kommen.

          Rückläufiger Bedarf

          „Für diesen Beruf sollte man sich wirklich nur entscheiden, wenn man es aus vollem Herzen will und wenn man in jedem anderen Gebiet unglücklich wäre. Wir sagen allen unseren Studenten, dass es ein hartes Geschäft ist“, sagt Manfred Heid, Geschäftsführender Professor für Produktion und Medienwirtschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. An der Münchener Hochschule werden jedes Jahr ein gutes Dutzend Regisseure ausgebildet und eine ähnliche Zahl von Produzenten. Die Studiengänge sind begehrt: Nur 10 Prozent aller Bewerber bekommen einen Studienplatz für die Ausbildung zum Produzenten, bei den Regisseuren ist der Anteil noch geringer.

          Der Beruf des Regisseurs ist begehrter, obwohl hier die Aussichten immer schlechter werden. „Jedes Jahr kommen von allen deutschen Hochschulen 60 neue Regisseure auf einen Markt, in dem der Bedarf rückläufig ist“, sagt Heid. Vor allem beim Fernsehen würden immer weniger traditionelle Regisseure gebraucht, weil das Programm zunehmend mit Reality-Shows oder Sport gefüllt werde anstatt mit Serien oder Filmen. „Das führt dazu, dass die Regisseure sehr unstet beschäftigt sind, und reich wird dabei keiner.“ Auch Träume von einer internationalen Karriere hält Heid für illusorisch: „Das ist die ganz große Ausnahme. In Amerika gibt es ohnehin schon genug Regisseure, die um Jobs kämpfen. Die einzigen Deutschen, die es in Hollywood wirklich geschafft haben, sind Roland Emmerich und Wolfgang Petersen.“

          Gute Möglichkeiten für technische Berufe

          Etwas besser sind die Chancen nach Meinung von Heid für die Produzenten. Neben dem klassischen Job als Produzent, der sich um alle wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte bei der Entstehung und Vermarktung von Filmen und Fernsehproduktionen kümmert, sieht Heid für die Absolventen noch mehr Einsatzgebiete, zum Beispiel im Rechtehandel. Gute Beschäftigungsmöglichkeiten sieht Heid für technische Berufe wie für Kameraleute. Die Münchener Hochschule wird dafür im nächsten Jahr erstmals einen eigenen Studienschwerpunkt einrichten.

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