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Arbeitsmarkt : Dienstwagen für den Lehrling

„Der Markt für spezialisierte Techniker ist hochgradig angespannt“ Bild: doc-stock

Durch die Insolvenz der Drogeriemarktkette Schlecker sind zwar auf einen Schlag 25.000 Stellen gestrichen worden. Das ändert aber nichts daran, dass in fast allen Berufen vom Lehrling bis zum Akademiker Bewerber Mangelware sind - und bleiben werden.

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          Schlecker war ein harter Schlag: 25.000 Menschen verloren ihre Stelle. Weitere 1380 müssen bei Neckermann auf jeden Fall gehen. Das hat die positive Bilanz des Arbeitsmarktes der letzten Monate ins Wanken gebracht - aber nicht ausgehebelt. Auch im ersten Halbjahr 2012 wurden in der deutschen Wirtschaft mehr Stellen geschaffen als gestrichen. Allerdings schließt sich die Schere langsam. Das Niveau ist hoch; es ist viel Bewegung im Arbeitsmarkt. Das zeigen die öffentlichen Ankündigungen der Unternehmen über Veränderungen in den Belegschaften von mehr als 100 Personen, die regelmäßig vom F.A.Z.-Archiv ausgewertet und vierteljährlich veröffentlicht werden.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Danach sind in den ersten zwei Quartalen fast 88.000 offene Stellen genannt worden, die man gern kurzfristig besetzen würde. Andererseits wurden gut 57.000 Stellen gestrichen - darunter die 25.000 Stellen bei Schlecker. Ohne den Zusammenbruch der Drogeriemarktkette wäre die Relation Stellenstreichungen zu Stellenschaffungen fast bei 1 zu 3 geblieben, so wie sie im Vorjahr war, als auf jede gestrichene Stelle drei neugeschaffene Stellen kamen. Obwohl sich die Stimmung in der Wirtschaft in den vergangenen Wochen etwas eingetrübt hat, sind schon im ersten Halbjahr 2012 fast so viele neue Stellen ausgeschrieben worden wie im gesamten Jahr 2011. Das belegt, dass grundsätzlich eine positive Stimmung in der Wirtschaft vorherrscht.

          Umsatzentwicklung mittelfristig bedroht

          Stark zugenommen haben dazu passend auch die warnenden Aussagen von Unternehmern und Verbandsmanagern, dass man in den kommenden Monaten in einen personellen Engpass laufe, weil es aus demographischen Gründen an genügend Mitarbeitern fehlen werde. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart und des Branchenverbandes für Informationstechnik Bitkom kommt allein für die deutsche IT-Wirtschaft zu alarmierenden Ergebnissen. Die gute Umsatzentwicklung der Unternehmen sei schon mittelfristig durch einen sich ständig ausweitenden Mangel an Fachkräften und eine Erosion der Wissensbasis in den Unternehmen bedroht. Vor allem mittelständische Unternehmen leiden danach unter einer zunehmenden Fluktuation und Schwierigkeiten bei der Besetzung von Stellen.

          Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom können in der gesamten IT-Industrie 40.000 Stellen nicht besetzt werden. Der Grund sind die hohe Nachfrage der Unternehmen und die damit einhergehenden gut gefüllten Auftragsbücher der IT-Anbieter. Klassische Industrien wie die der Maschinenbauer und der Autohersteller, wie die der Nahrungsmittelanbieter oder auch die Chemie sind dabei, von der Produktion bis zum Vertrieb ihre Werke, Betriebe und Fabriken technisch aufzurüsten. Damit haben Programmierer alle Hände voll zu tun. Während der vergangenen fünf Jahre hat die Branche rund 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Ende 2011 waren in Deutschland im Bereich Software 605.000 Mitarbeiter tätig. Insgesamt beschäftigt die ITK-Branche derzeit knapp 850.000 Menschen. Tendenz steigend.

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