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Arbeitgeberpräsident Hundt : Rentenpläne der CSU „schädlich und teuer“

  • -Aktualisiert am

Drei Kindererziehungsjahre für jedes Kind: Das kritisiert Dieter Hundt mit deutlichen Worten. Bild: Reuters

Die CSU will künftig für alle Rentnerinnen drei Kindererziehungsjahre je Kind anrechnen. Als einen „schädlichen und teuren Rückfall“ bezeichnet das Arbeitgeberpräsident Hundt gegenüber der F.A.Z. Der Verband rechnet mit Mehrausgaben von 7 Milliarden Euro.

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          Die Wirtschaft attackiert die Rentenvorhaben von CSU und SPD und die damit verbundenen immensen Kosten. Die CSU will laut Beschluss vom Parteitag an diesem Wochenende künftig für alle Rentnerinnen drei Kindererziehungsjahre je Kind anrechnen, unabhängig davon, ob die Kinder vor 1992 geboren sind. Bislang werden die Zeiten vor 1992 geringer angerechnet. „Die CSU-Forderung wäre ein für die Wirtschaft schädlicher, teurer Rückfall in der Rentenpolitik“, sagte Dieter Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände BDA, der F.A.Z.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Wirtschaftsverband rechnet mit Kosten von 7 Milliarden Euro im Jahr 2030, wenn Geburten vor 1992 rentenrechtlich so bewertet werden wie drei Arbeitsjahre mit Durchschnittsverdienst. Damit wäre der gesamte Einspareffekt der Rente mit 67 Jahre zunichte gemacht, hat die Arbeitgebervereinigung errechnet. Die CSU drücke sich vor der Antwort, wie diese Ausweitung bezahlt werden sollen. Der Beitragszahler könnten nicht für die Mehrkosten aufkommen, weil sie dann die gesetzliche Obergrenze eines Beitragssatzes von maximal 22 Prozent bis 2030 überschreiten würden. Auch da es sich um eine versicherungsfremde Aufgabe handelt, müsste der Bund einer Ausweitung übernehmen - das habe die CSU aber nicht vorgesehen, auch sei es kaum möglich, da die öffentlichen Finanzen konsolidiert werden müssen.

          „Gravierender Vorstoß gegen die Generationengerechtigkeit“

          „Der CSU-Vorschlag bedeutet einen gravierenden Verstoß gegen die Generationengerechtigkeit“, sagte ein Verbandssprecher. Begünstigt würden fast ausschließlich vergleichsweise rentennahen Jahrgänge im Alter von mehr als 50 und 60 Jahren, die noch ein relativ hohes Rentenniveau erreichen werden. Bezahlen müssten die geplante Ausweitung auch die jüngeren Beitragszahler, die davon keinen Vorteil hätten und zudem ein deutlich niedrigeres gesetzliches Rentenniveau haben werden. Auch sei familienpolitisch mit dem CSU-Vorschlag nichts gewonnen, da die Erziehung von vor 1992 geborenen Kinder abgeschlossen sei.

          Der Vorstoß des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, die Rente mit 67 auszusetzen, sorgt ebenfalls für Ärger bei den Arbeitgebern. „Herr Gabriel scheint nicht mitbekommen zu haben, wie sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt entwickelt hat“, sagte ein Sprecher der BDA. Gabriel sprach davon, dass Unternehmen Personen, die älter als 60 Jahre sind, aus den Betrieben drängen.

          Dagegen verweist der Wirtschaftsverband darauf, dass die Arbeitgeber verstärkt auf ältere Arbeitnehmer setzen, um Fachkräfteengpässe zu überwinden. So hat auch die Beschäftigung Älterer zugenommen und sich die Gruppe der 60 bis 64 Jahre alten Beschäftigten seit 2000 verdoppelt. Sie könnte noch deutlich höher liegen, wenn weniger Personen in dieser Altersgruppe vorzeitig in Rente gingen, heißt es aus der BDA.

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