https://www.faz.net/-gqe-abu3i

Arbeit im Corona-Jahr 2020 : Mehr als die Hälfte der Überstunden unbezahlt

  • Aktualisiert am

Jenseits von Nine-to-five: Beim Anteil der Überstunden am Arbeitsvolumen hat sich wenig getan. Bild: dpa

Fast 1,7 Milliarden Überstunden haben die Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2020 angesammelt, 892 Millionen wurden nicht vergütet. Aus der Linkspartei kommt die Forderung, an zwei Stellen gegenzusteuern.

          1 Min.

          Trotz Pandemie haben die Beschäftigten in Deutschland im vergangenen Jahr 1,67 Milliarden Überstunden geleistet. Das geht aus einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

          Zwar ist die Zahl der Überstunden im Vergleich zum Vorjahr gesunken, wie aus den vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung stammenden Daten hervorgeht. Damals hatte sie sich auf 1,86 Milliarden summiert. Doch beim Anteil der Überstunden am Arbeitsvolumen hat sich wenig getan. Es betrug 3,2 Prozent. Das waren nur 0,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr zuvor.

          Mehr als die Hälfte der Überstunden – 892 Millionen – waren unbezahlt. Während die bezahlten Überstunden im Vergleich zum Vorjahr um 15,4 Prozent abnahmen, waren es bei den unbezahlten Überstunden nur 5,8 Prozent. Den Zahlen zufolge ist der Anteil der Überstunden am Arbeitsvolumen bei Teilzeitbeschäftigten mit 3,6 Prozent höher als bei Vollzeitbeschäftigten mit 3,1 Prozent.

          „Überstunden zum Nulltarif“

          Die Linke-Abgeordnete Jessica Tatti, die die Zahlen angefordert hatte, sagte der dpa: „Die Beschäftigten haben schlichtweg mehr Arbeit auf dem Tisch, als sie in der vertraglichen Arbeitszeit schaffen können.“ Jahr für Jahr leisteten Beschäftigte Überstunden zum Nulltarif. „Für die Arbeitgeber rechnet sich das. Sie sparen jährlich zweistellige Milliardenbeträge an Lohnkosten.“

          Tatti forderte die Bundesregierung auf, die Aufzeichnungspflicht verpflichtend umzusetzen. „Es kann nicht sein, dass die einen bis zum Umfallen schuften, während andere in unfreiwilliger Teilzeit feststecken oder keine Arbeit finden.“ Angezeigt sei deshalb auch die Absenkung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Im Steinbruch des Baustoffkonzerns HeidelbergCement

          Klimakiller Zement : Das Fundament der Welt wird zum Feindbild

          Die Zementindustrie verursacht sieben bis acht Prozent aller Treibhausgase: Heidelcement stößt so viel aus wie ganz Österreich. Der Emissionshandel stößt hier an seine Grenzen, das Bauen wird sicher teurer. Gibt es eine Lösung?

          Alltag in modernen Werkhallen : Arbeiterklasse 4.0

          Der klassische Blaumann hat vielerorts ausgedient. Doch auch in der High-End-Fertigung heißt es „Arbeiter bleibt Arbeiter“. Sechs Beschäftigte schildern ihren Alltag in modernen Werkhallen.
          Élisabeth („Zaza“) Lacoin und Simone de Beauvoir, 1928

          Simone de Beauvoir : Dieses dringende Verlangen nach ihrer Nähe

          Zwischen Verehrung, Sehnsucht und dem Mysterium sexuellen Begehrens: Nach fast siebzig Jahren erscheint mit dem Roman „Die Unzertrennlichen“ erstmals Simone de Beauvoirs Geschichte einer frühen Frauenliebe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.