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Apple beugt sich Chinas Druck : Auf Geheiß von Peking

Proteste in Hongkong am Donnerstag Bild: Reuters

China ist für den amerikanischen Technologiekonzern Apple längst einer der wichtigsten Märkte. Die nun erfolgte App-Löschung entbehrt deshalb nicht einer gewissen Logik – und ist nicht der erste Vorfall dieser Art.

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          Für kaum ein anderes amerikanisches Technologieunternehmen ist China so wichtig wie für Apple. Der Elektronikkonzern lässt hier nicht nur die meisten seiner Geräte fertigen, China ist für ihn auch zu einem der umsatzstärksten Märkte der Welt geworden. Aber das hat einen Preis. Denn wiederholt hat sich Apple für den Vorwurf anfällig gemacht, sich dem Druck der Regierung in Peking zu beugen, um seine Position in dem Land nicht zu gefährden. Vor zwei Jahren entfernte der Konzern aus seinem chinesischen App Store sogenannte VPN-Anwendungen, mit denen Nutzer die Internetzensur der Regierung umgehen konnten. Zuvor hatte er die App der Zeitung „New York Times“ gelöscht.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Im Zusammenhang mit den derzeitigen Protesten in Hongkong findet sich Apple nun inmitten einer neuen Kontroverse wieder. Das Unternehmen hat aus einem App Store das Programm „HKmap.live“ entfernt, das Demonstranten in Hongkong Standorte von Polizisten anzeigt. Wer diese App öffnet, sieht den Stadtplan Hongkongs vor sich, in dem als Emojis dargestellte Polizeiautos den Standort der Staatsmacht anzeigen. Auch der Einsatz von Tränengas wird dargestellt. Nach Angaben der Betreiber kommen die Informationen von tatsächlichen Nutzern der App und werden nahezu in Echtzeit eingearbeitet und auf der Karte dargestellt.

          Chinas wichtigste Publikation „Volkszeitung“, das Zentralorgan der Kommunistischen Partei, hatte Apple in den vergangenen Tagen vorgeworfen, sich mit den Demonstranten zu solidarisieren. Auch auf Chinas Pendant zu Twitter, dem Kurznachrichtendienst Weibo, und der Kurznachrichtenapp Wechat mit rund einer Milliarde Nutzern, hatte sich Empörung über Apple breitgemacht.

          Auf Ersuchen der Regierung

          Apple begründete seine Entscheidung nicht mit Druck aus Peking. Der Konzern sagte, „HKmap.live“ habe die Strafverfolgung und Einwohner in Hongkong gefährdet, „besorgte Kunden“ hätten Apple wegen der App kontaktiert. Sie sei genutzt worden, um Polizisten aufzulauern und die öffentliche Sicherheit zu bedrohen. Zudem hätten Kriminelle sie für Straftaten in Gegenden genutzt, von denen sie dank der App gewusst hätten, dass es dort gerade keine Polizisten gebe. „HKmap.live“ verstoße gegen die Richtlinien des Unternehmens und gegen lokale Gesetze und sei deshalb entfernt worden.

          Die Betreiber der App wiesen Apples Argumentation indessen scharf zurück. Es gebe „Null Beweise“ dafür, dass „HKmap.live“ auf die vom Unternehmen genannte Weise genutzt werde. Verteidiger der App sagten, sie helfe ihnen, das Chaos an den entsprechenden Orten zu meiden und so schneller und wohlbehalten nach Hause oder zur Arbeit zu kommen, ohne vor gesperrten Straßen warten zu müssen. Für Hongkonger Demonstranten ist Apples Entscheidung nur ein weiterer Beweis für den Opportunismus eines Unternehmens, das sich in der Vergangenheit so gut wie jeder Forderung der chinesischen Regierung wie etwa der Speicherung von Kundendaten auf dem chinesischen Festland gebeugt hat, um weiter seine Telefone verkaufen zu dürfen.

          „HKmap.live“ ist auch nicht die einzige App, die aus dem chinesischen App Store verschwunden ist. Auch die App der amerikanischen Online-Publikation „Quartz“ ist entfernt worden. Ein Quartz-Mitarbeiter sagte, dies sei auf Ersuchen der chinesischen Regierung geschehen, und er mutmaßte, die Berichterstattung über die Proteste könnte der Grund dafür sein.

          Im permanenten Ausnahmezustand

          Der Apple-Vorstandvorsitzende Tim Cook hat in der Vergangenheit das Engagement und die Praktiken seines Unternehmens in China verteidigt. Er sagte einmal: „Jedes Land der Welt entscheidet über seine Gesetze und Regulierungen, und deshalb hat man die Wahl: Nimmt man teil? Oder steht man an der Seitenlinie und schreit, wie die Dinge sein sollten?“ Apple sei der Auffassung, wenn man an der Seitenlinie bleibe, werde sich nichts verändern.

          In Festlandchina gibt es nur sehr wenige Menschen, die Verständnis für die Proteste der Bevölkerung in Hongkong für mehr Demokratie und gegen den zunehmenden Einfluss Pekings auf die Stadt aufbringen. Die allermeisten Chinesen halten die Hongkonger für arrogante und weinerliche Separatisten, die es nicht verkraften können, dass ihre früher hervorgehobene Stellung gegenüber dem ärmeren Festland Stück für Stück verloren geht.

          Die Hongkonger hätten früher auf die Festlandchinesen hinabgeblickt, nun seien sie wütend, dass diese oft besser ausgebildet seien und ihnen in der Finanzmetropole die Arbeitsplätze wegnähmen. Die Sonderverwaltungszone steht seit Beginn der Proteste im März in einem permanenten Ausnahmezustand.

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