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Apotheken in Not : Razzien im Fall des Abrechners AVP

Eine Apotheke in Magdeburg Bild: dpa

Die Pleite des Rezeptabrechners AVP brachte viele Apotheken in finanzielle Schwierigkeiten. Nun hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf zahlreiche Privat- und Firmenobjekte durchsucht.

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          Im Fall des insolventen Rezeptabrechners AVP aus Düsseldorf, durch den viele Apotheken in Deutschland in finanzielle Schieflage geraten sind, hat die Staatsanwaltschaft Düsseldorf am Donnerstag 15 Privat- und Firmenobjekte durchsucht. Wie die Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen mitteilte, ermittelt sie nun gegen fünf Beschuldigte, die zur Führungsriege der Unternehmensgruppe AVP gehörten oder noch gehören.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Dabei geht es um den Verdacht der Insolvenzverschleppung, der Bilanz- und Urkundenfälschung, des Betrugs, des Bankrotts und der Untreue – und damit um weitaus mehr mögliche Delikte, als bei Bekanntwerden der Insolvenz zunächst publik geworden war. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft zudem lediglich von Ermittlungen gegen zwei Beschuldigte gesprochen.

          Apotheken fehlen große Summen

          Ganz konkret besteht laut der Anklagebehörde unter anderem der Verdacht, dass aktive und frühere AVP-Manager Erträge gebucht haben, die es nie gab, dass die wirtschaftliche Lage des Unternehmens öffentlich besser dargestellt wurde, als sie tatsächlich war, und der Insolvenzantrag nicht rechtzeitig gestellt wurde.

          Einzelne Beschuldigte sollen zudem Geld von Firmenkonten zu ihren eigenen Gunsten abgebucht haben, weshalb die Staatsanwaltschaft schon Anklage gegen einen ehemaligen Geschäftsführer erhoben hat. Er soll nach F.A.Z.-Informationen 1,8 Millionen Euro auf ein Konto einer AVP-Schwestergesellschaft veranlasst haben, deren Geschäftsführer er ebenfalls war, und von diesem Konto Geld für seine privaten Zwecke abgezweigt haben.

          Durch diesen Fall sind dem nicht-öffentlichen Gutachten von Insolvenzverwalter Jan-Philipp Hoos zufolge das jahrelange Missmanagement in dem Unternehmen, die mangelnde Buchhaltung und die Bilanzfälschung überhaupt erst aufgeflogen. Im September hatte die Finanzaufsichtsbehörde Bafin Strafanzeige gestellt, die kreditgebenden Konsortialbanken kündigten den Kredit – für AVP kam damit das Aus. Einem offenbar beträchtlichen Teil der 2900 Vor-Ort-Apotheken, die Kunden bei AVP waren, fehlten damit von jetzt auf gleich große Summen, weil ihnen ihre Umsätze nicht ausgezahlt wurden. Sie hoffen nun auf eine signifikante Quote im Insolvenzverfahren.

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