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Angst vor Atomunfall : Anzeige gegen belgische Kernkraftwerke

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Atomkraftgegner halten in Eupen Plakate mit der Aufschrift „Stop Tihange und Doel“. Bild: dpa

Belgiens Atomkraftwerke sind sicher – sagen Regierung und Betreiber. Die Menschen aus der Grenzregion sehen das anders. Jetzt haben Atomkraftgegner Anzeige gegen zwei Kernkraftwerke erstattet.

          Aus Angst vor einem schwerwiegenden Unfall haben Atomkraftgegner am Samstag Anzeige gegen den belgischen Staat und die Kernkraftwerke Tihange und Doel erstattet. „Wir sind hier, um unsere Wut über und unseren Protest gegen die belgischen AKWs zu zeigen“, sagte Jörg Schellenberg vom trinationalen Aktionsbündnis „Stop Tihange“ am Samstag im belgischen Eupen. In Eupen nahe Aachen nahmen den Veranstaltern zufolge an die Hundert Menschen an der Aktion teil. „Wir sind überrascht von der Resonanz“, sagte der Leiter des Eupener Polizeikommissariats, Daniel Baltus. Auch in den belgischen Städten Tongeren und Namur wurde zu Aktionen aufgerufen.

          Seit Jahren stehen die beiden Kernkraftwerke Tihange nahe Lüttich und Doel kurz vor der niederländischen Grenze wegen Tausender Haarrisse an den Behältern in der Kritik. Vor allem Menschen im Dreiländereck Belgien, Deutschland und den Niederlanden sind um ihre Sicherheit besorgt. Die belgische Atomaufsicht (FANC) und der Betreiber Electrabel versuchen aber zu beschwichtigen: Die als Risse bezeichneten Wasserstoffflocken hätten „überhaupt keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit der Reaktoren“.

          2003 beschloss die belgische Regierung auf Druck der Grünen den Atomausstieg. Seitdem die Partei aber nicht mehr in der Koalition ist, hat sich kaum etwas getan. Anfang April bestätigte die belgische Regierung: Bis spätestens 2025 sollen alle sieben Kernreaktoren abgeschaltet sein. Doch dagegen sträubt sich die größte Partei im Parlament N-VA. „Die Abschaltung aller Kernkraftwerke bis 2025 kostet die Belgier jährlich zwischen 1 und 1,8 Milliarden Euro zusätzlich“, sagt Andries Gryffroy, Abgeordneter im Flämischen Parlament. Er wirbt für Tihange und Doel: „Erschwinglichkeit, Energiesicherheit, Nachhaltigkeit.“

          Die Belgier sind gelassener  als die Deutschen

          Die beiden Kernkraftwerke scheinen tatsächlich für die Energieversorgung Belgiens essenziell zu sein: Tihange und Doel produzieren nach Angaben des Wirtschaftsministeriums mehr als die Hälfte des Stroms. 15 Jahre nach dem Gesetzesabschluss geben sich die Grünen heute kleinlaut. Auf die Argumente der N-VA haben sie trotz mehrfacher Anfragen keine Antwort. Die Grünen sprechen von Meinungsumfragen, aus den hervorgehen soll, dass eine Mehrheit der Belgier für einen frühzeitigen Atomausstieg ist. Details dazu gibt es auf Nachfrage aber nicht.

          Im Vergleich zu den Deutschen nehmen die Belgier ihre Kernkraftwerke und deren Mängel gelassener – mit Ausnahme weniger kleinerer Gruppen. Ende Februar machte zum Beispiel der Stadtrat in Lüttich Schlagzeilen, als er einem Antrag für die sofortige Schließung von Tihange 2 und Doel 3 fast einstimmig zustimmte.

          Derweil machen die Grenzregionen und internationale Organisationen weiter mobil gegen die Reaktoren. Tihange 2 verletze international anerkannte Sicherheitsmaßstäbe, so jüngst das Atomexperten-Netzwerk Inrag. Die Herkunft der Risse im Reaktordruckbehälter sei nicht mit ausreichender Sicherheit geklärt. „Ein Reaktorbehälter darf nicht kaputtgehen. Wenn er kaputtgeht, gibt es keine Sicherheitssysteme, die das auffangen“, sagt Wolfgang Renneberg, früherer Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium.

          Nachbarländer erhöhen den Druck

          Anfang Februar bestätigte die belgische Atomaufsicht (FANC) acht sogenannte „Precursor“-Fälle (deutsch: Vorbote) in Tihange 1 zwischen 2013 und 2015. Ein Sprecher betonte aber, daraus könnten keine Rückschlüsse auf die Sicherheit des Meilers gezogen werden. „Da wird ein Zusammenhang hergestellt, aber es gibt keinen.“

          Betreiber Engie Electrabel betont, dass die Wiederinbetriebnahme der beiden vermeintlichen Pannen-Reaktoren nach einer umfangreichen wissenschaftlichen Analyse durch unabhängige Experten genehmigt worden sei. Tihange 2 war nach Entdeckung von Haarrissen 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden, ging aber 2015 wieder ans Netz. Die Risse seien zwar „marginal mechanischen Belastungen“ ausgesetzt, hätten aber „keinen negativen Einfluss auf die strukturelle Unversehrtheit des Reaktorgefäßes“.

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