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Anthropologe und Aktivist : David Graeber gestorben

David Graeber im Jahr 2012 in Frankfurt Bild: Helmut Fricke

Der weltbekannte Vordenker der Occupy-Bewegung ist im Alter von 59 Jahren gestorben. Er war vor allem als Aktivist und aufgrund zweier Bücher bekannt.

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          David Graeber, weltbekannter Anthropologe und Vordenker der Bewegung „Occupy Wall Street“, ist am Donnerstag im Alter von 59 Jahren in einem Krankenhaus in Venedig gestorben. Das teilte seine Ehefrau Nika Dubrovsky über Twitter mit. Die Todesursache ist nicht öffentlich geworden. Graeber selbst hatte noch kürzlich auf Twitter mitgeteilt, dass er sich zwar im Moment nicht wohl fühle, gleichwohl mit großer Zuversicht an einem neuen Projekt über Piraten arbeite.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Graeber hatte die Fachwelt mit zwei Büchern aufgeschreckt und zu angeregten Debatten veranlasst. Im Werk mit dem Titel „Debt. The first 5000 years“ (Schulden. Die ersten 5000 Jahre) versuchte Graeber die gängige Vorstellung zu widerlegen, dass am Anfang des Wirtschaftsverkehrs reine Warentauschbeziehungen standen.

          Stattdessen begann nach seiner Darstellung Handel mit einer einfachen Form des Kredits, in dem der Erwerber einer Ware zusicherte, diese später zu bezahlen. Für die Durchsetzung von Kreditansprüchen wurde zunehmend auf Gewalt, oft staatliche von Militär oder Polizei ausgeübte Gewalt zurückgegriffen. Verschuldungssituationen erklären demzufolge zahlreiche Konflikte.

          Im Buch „Bullshit-Jobs“ argumentierte der Forscher, dass zahlreiche Arbeitsstellen nutzlos seien und für die Psyche der Angestellten sogar destruktiv. Er zählte Lobbyisten, PR-Experten, bestimmte Rechtsanwälte und Werber dazu. Beide Hauptwerke Graebers fanden großes, wenn auch geteiltes Echo. Doch selbst Kritiker konzedierten die außergewöhnliche Vitalität, die von seinen Werken ausging.

          Graeber war zuletzt Professor an der London School of Economics. Vor seinem Umzug nach England hatte er an der Yale Universität unterrichtet, dort aber keine Professur erhalten. Er vermutete öffentlich, dass die Universität ihm die Professur wegen seines politischen Engagements und seiner sozialen Herkunft verweigert hatte. Graeber hatte Occupy Wall Street unterstützt und an einem wilden Zeltlager im Financial District mitgewirkt. Seine Eltern entstammten nach Graebers Darstellung der Arbeiterklasse, sein Vater habe als Freiwilliger im spanischen Bürgerkrieg gegen Franco gekämpft.

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