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Anstrengend, aber gut : Ein Hoch auf die Freiheit

Bild: Getty Images

Die Freiheit hat es schwer: Lieber schwärmen die Deutschen von Gleichheit und Gerechtigkeit. Mit Joachim Gauck könnte nun alles anders werden. Ein Essay.

          Wir haben uns so sehr an sie gewöhnt: Freiheit ist ein Wort, das durch seine allzu häufige Benutzung in Festreden inzwischen einigermaßen abgenutzt daherkommt. Freiheit gilt in einer "liberalen Gesellschaft" als selbstverständlich. Welch ein Irrtum!

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hirnforscher arbeiten jedenfalls schon seit geraumer Zeit daran, die Freiheit in eine Chimäre zu verwandeln, in reines Wunschdenken, weil alles Wirkliche doch längst in irgendwelchen Hirnsubstanzen materialisiert und entsprechend determiniert sei. Einen Beweis, so der Philosoph Robert Spaemann, für die Unfreiheit des menschlichen Wollens haben die Hirnforscher bisher allerdings noch nicht erbracht. Weil man sich aber auch einen "Freiheitsbeweis" ebenso wenig vorstellen kann, wäre es klug zu fragen, womit man besser leben kann. Freiheit lässt sich nicht beweisen, man muss sich für sie entscheiden.

          Das Buch von FAS-Redakteur Rainer Hank, aus dem dieser Essay über die Freiheit stammt, gibt es seit Montag im Buchhandel.

          Dass es klug ist, sich für die Freiheit zu entscheiden, dafür gibt es Gründe. Vor allem einen: Wenn wir nicht von Freiheit ausgingen, wäre niemand für sein Tun verantwortlich, wäre also auch niemand dafür verantwortlich zu machen. Der Mörder nicht für seinen Mord, die Liebenden nicht für ihre Liebe und die Griechen nicht für ihre Staatsschulden. Alle können sich schön herausreden. Haftung und Verantwortung, Grundvoraussetzung jeglichen menschlichen Zusammenlebens, aber auch Fundament einer sozialen Marktwirtschaft, kann man nur verlangen in einer Welt, in der es Freiheit gibt. Entscheidungen, Akte des Wollens also, die dem Handeln Urheberschaft zuweisen, ergeben in einer Welt des Determinismus keinen Sinn.

          Doch auch wer sich für Freiheit entschieden hat, ist damit noch nicht am Ziel. Im Gegenteil: Dann fängt der Streit erst an. "Freiheit", sagt der Frankfurter Philosoph Axel Honneth, ein Habermas-Schüler, sei "einer der am stärksten umkämpften Begriffe der gesellschaftlichen Moderne", gerade weil es keiner sonst mit ihm aufnehmen kann, weil es aber auch kein anderer zu solch philosophischer Vormachtstellung gebracht hat.

          Freiheit ist nicht Laisser-faire

          Was also ist Freiheit? Freiheit ist eben Freiheit. Doch wo bleibt das Positive? Da lässt die Freiheit die Menschen allein. "You have to catch it yourself", antwortete Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten: "Das müsst ihr schon selbst wissen." Andernfalls wäre die Freiheit ja nicht die Freiheit, sondern erziehende Eltern, die dem Kind sagen, wo es langzugehen hat. Freiheit ist eben schwer auszuhalten? Die Menschen, insbesondere die Menschen in Deutschland, setzten in den Listen ihrer Wertevorlieben denn auch die Gleichheit und Brüderlichkeit allemal höher an als die scheinbar selbstverständliche, aber unkonkrete Freiheit. Von einem "unreflektierten Antiliberalismus" der Deutschen sprach schon der erste Bundespräsident Theodor Heuss. Joachim Gauck weiß, in welchem Land wir leben.

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