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Anstrengend, aber gut : Ein Hoch auf die Freiheit

Jede Egalisierung ist Ausgangspunkt  neuer Ungleichheiten

Der fundamentale Irrtum des Egalitarismus liegt nach einem provokanten Ausspruch Harry G. Frankfurts in der Annahme, es sei moralisch entscheidend, ob eine Person weniger als eine andere hat, unabhängig davon, wie viel jeder der beiden hat. Ohnehin ist die Annahme, Gleichheit lasse sich herstellen, indem man (unverschuldete) Ungleichheiten korrigiere, eine Illusion: Denn jede Egalisierung ist Ausgangspunkt und Quelle neuer Ungleichheiten. Gäbe man verschiedenen Menschen die gleiche Menge Geld, so würden die Vorsichtigen daraus einen größeren Gewinn ziehen als die Unvorsichtigen und Verschwenderischen. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders? Dann hätten die Risikofreudigen den größten Vorteil der Egalisierungsaktion. Da die Individuen unterschiedliche Talente, Ziele, soziale Identitäten und Lebensumstände haben, bleibt das Ziel der Egalisierung stets eine sinnlose Sisyphosarbeit. Immer müssen die Egalisierer nacharbeiten. Denn es sind ungleiche Menschen, die Unterschiedliches aus ihren Talenten machen und denen das Schicksal unterschiedlich hold ist.

„Die Freude an der Freiheit hat sich in Furcht vor der Freiheit verwandelt“: Joachim Gauck

Nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine heißt deshalb der Wahlspruch derer, für die die Freiheit vor der Gleichheit rangiert. Wer Gleichheit herstellen will, das wusste schon David Hume, kriegt am Ende nicht nur mehr Ungleichheit: Er landet auch in der Armut.

Eine von der Freiheit her entworfene Theorie der Gerechtigkeit verlangt von den Menschen, dass sie Ungleichheiten aushalten, sie diese weniger als demotivierend, sondern als anspornend erfahren. Das ist nicht leicht, weil Menschen nicht nur stark, sondern auch schwach sind und es unmenschlich wäre, dies nicht zu berücksichtigen. Als Preis für diese Leistung verspricht die Freiheit vor allem die Erfahrung der Lust an der Freiheit selbst: Stolz, Lebensmut und Antrieb stärken das Individuum und bauen darauf, dass Selbstbestimmung, welche die Freiheit voraussetzen muss, sich auch lohnt. Zugleich, aber erst an zweiter Stelle, wird die Theorie der Freiheit insistieren, dass ihr Gerechtigkeitskonzept, weil effizienter, auch mehr Wohlstand für alle (also auch für die Ärmeren) schafft. Und sie wird die Freunde der Verteilung warnen, dass die Realität längst den Neid zum Herrscher einer auf den Hund gekommenen Idee von Gerechtigkeit hat verkommen lassen.

Was Joachim Gauck über die Freiheit sagt

 "Für mich ist der Wert der Freiheit von allergrößter Bedeutung - und das sieht man im linken Spektrum zuweilen doch ganz anders."

"Wir tun einem Menschen keinen Gefallen, wenn wir ihm die Anstrengungen ersparen."

"Jeder sollte sich fragen, ob wir den Mut immer ausrichten für die Freiheit."

"Wir stellen uns nicht gern die Frage, ob Solidarität und Fürsorglichkeit nicht auch dazu beitragen, uns erschlaffen zu lassen."

"Wir rufen: Vater Staat, sei väterlich! Da läuft man Gefahr, in den Status des Kindes herabzusinken."

"Die Freude an der Freiheit hat sich in Furcht vor der Freiheit verwandelt."

"Es schwächt die Schwachen, wenn wir nichts mehr von ihnen erwarten."

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