https://www.faz.net/-gqe-9wrau

Künstliche Intelligenz : So geht Youtube mit Hassnachrichten um

Im zweiten Quartal 2019 seien 9 Millionen Videos, 4 Millionen Kanäle und 537 Millionen Kommentare auf Youtube gelöscht worden. Bild: Reuters

Nach der Bluttat in Hanau wird wieder über Hasskommentare im Netz diskutiert. Was macht Youtube dagegen? „Die Algorithmen werden immer besser“, sagt Youtubes Europachefin im F.A.Z.-Gespräch.

          1 Min.

          Die Bluttat in Hanau hat die Diskussion um Hass verbreitende Inhalte auf Youtube wieder aufflammen lassen. Während vieles, was Verschwörungstheoretiker dort und an anderen Orten im Internet verbreiten, zwar krude, aber gleichwohl von der Meinungsfreiheit gedeckt sein dürfte, gibt es auch Inhalte, die auf der Plattform verboten sind. Darunter fallen sowohl Gewalt verbreitende Videos, wie auch hasserfüllte Kommentare. Youtubes Europachefin Cécile Frot-Coutaz erläuterte in einem Gespräch mit der F.A.Z., das vor der Bluttat geführt wurde, dass das Videonetzwerk verstärkt auf Künstliche Intelligenz setze, um solche Inhalte zu entfernen. „Angesichts der Menge an Inhalten ist maschinelles Lernen der Schlüssel zu einer langfristigen Lösung des Problems“, sagte sie. „Die gute Nachricht ist: Die Algorithmen werden immer besser. Das stimmt uns zuversichtlich.“

          Bastian Benrath
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im zweiten Quartal 2019 seien 9 Millionen Videos, 4 Millionen Kanäle und 537 Millionen Kommentare gelöscht worden. Fast 9 von 10 der entfernten Videos seien von automatisierten Systemen entdeckt worden. Das begrenze die Sichtbarkeit der Inhalte erheblich: Mehr als 80 Prozent der so entdeckten Filme hätten entfernt werden können, bevor auch nur ein Youtube-Nutzer sie angeschaut habe. Im Google-Konzern, zu dem Youtube gehört, arbeiteten 10.000 Menschen für die Erkennung, Untersuchung und Entfernung von verbotenen Inhalten.

          „Wir haben uns vier ‚R‘s der Verantwortung‘ auf die Fahne geschrieben“, sagte Frot-Coutaz. „Das erste ist ‚Remove‘: Wir entfernen Inhalte, die gegen die Regeln verstoßen.“ Doch es gebe auch Inhalte, die „an den Richtlinien kratzen aber die Linie nicht ganz überschreiten“. Deren Verbreitung zu verringern, ohne sie ganz zu entfernen, sei das zweite „R“ („Reduce“). Das dritte sei „Raise“: „Wenn Sie auf Youtube suchen, werden Sie feststellen, dass die Suchergebnisse renommierte Nachrichtenquellen bevorzugen. Das tun wir, damit unsere Nutzer die glaubwürdigen Nachrichtenquellen zuerst angezeigt bekommen“, erklärte Frot-Coutaz, die neben dem Europageschäft auch für Afrika und den Nahen Osten zuständig ist. „Und das letzte ist, was wir ‚Reward‘ nennen. Das bedeutet, dass wir vertrauenswürdigen Creatorn die Möglichkeit geben wollen, mit ihren Inhalten auch Geld zu verdienen.“

          Das gesamte Gespräch finden Sie in der Samstagsausgabe (22.02.2020) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Weitere Themen

          Tübinger stimmen gegen Stadtbahn

          Bürgerentscheid : Tübinger stimmen gegen Stadtbahn

          Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer wollte eine im Umland geplante Regionalbahn durch die Innenstadt führen lassen. Doch die Idee ist gescheitert. Die Tübinger wollen nicht.

          Topmeldungen

          Vielen Dank für die Blumen: Olaf Scholz am Montag im Willy-Brandt-Haus.

          Gespräche mit der FDP : Scholz’ erstes Machtwort

          Die SPD-Spitze versucht, die FDP gefügig zu machen – doch der Kanzlerkandidat macht deutlich: Sein Stil ist das nicht. Olaf Scholz spricht lieber von Freunden.
          Die Ko-Vorsitzenden Habeck und Baerbock am Montag in der Bundespressekonferenz

          Nach F.A.Z.-Informationen : Grüne wollen Habeck als Vizekanzler

          Mit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin sind die Grünen an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert. Nun ist nach Informationen der F.A.Z. klar: Wird die Partei Teil der nächsten Bundesregierung, will sie Robert Habeck zum Vizekanzler machen.

          Wer koaliert mit wem? : Der Wähler als Humorist

          Alle haben verloren, tun aber so, als hätten sie gewonnen: Um die Koalitionsgespräche zu analysieren, braucht es Spieltheoretiker und keine Politologen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.