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Anleihenkäufe der EZB : Die Blase muss platzen

Vor der EZB leuchtet nur ein Stern am Euro-Symbol. Bild: Müller, Verena

Die Europäische Zentralbank stellt in Aussicht, Staatsanleihen von Krisenstaaten zu kaufen. Das ist der falsche Weg. In den Krisenstaaten platzt gerade eine Blase. Das sollte die EZB nicht verhindern.

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          Jetzt ist es raus: Die Europäische Zentralbank wird wohl schon bald wieder Anleihen von Krisenstaaten kaufen. Banken, Privatleute, Versicherungen und Pensionsfonds geben den Staaten kaum noch Kredit. Nun wird die Europäische Zentralbank wahrscheinlich abermals eingreifen. Doch auch das wird Europas Probleme nicht dauerhaft lösen.

          Zweifellos stellt die EZB in Aussicht, ihren Kritikern entgegenzukommen: Sie wird die Staatsanleihen nur dann kaufen, wenn die Regierungen unter die Rettungsfonds EFSF oder ESM schlüpfen und deren Auflagen erfüllen. In diesem Fall kommen internationale Kontrolleure und prüfen hochoffiziell, ob die unterstützten Länder tatsächlich Reformen angehen und ihre Haushalte in Ordnung bringen.

          Doch das macht die EZB-Entscheidung nicht besser. Den Staaten hilft die EZB kaum, weil sie die Anleihen ausschließlich am Sekundärmarkt kaufen will. Davon profitieren in erster Linie die vorherigen Besitzer der Staatsanleihen. Das ist nett für sie und mag ihnen Mut machen, neue Staatsanleihen von Wackelkandidaten zu kaufen.

          Doch die EZB löst nicht das eigentliche Problem, das die Schuldenkrise ausgelöst hat: Hoch verschuldete Staaten mit defizitären Haushalten haben annähernd so wenig Zinsen gezahlt wie Staaten, die solide dastehen. Jetzt korrigieren die Investoren das. Derzeit platzt eine Blase in Staatsanleihen, die möglicherweise befördert war von einer großen Geldschwemme.

          Die EZB tut alles dagegen, dass die Blase platzt

          Die EZB allerdings tut alles dagegen, dass diese Blase platzt - und sie weitet die gefährliche Geldschwemme dabei wohl noch aus. Schließlich muss sie für die Ankäufe von Staatsanleihen neues Geld schaffen, und Draghi hält es für möglich, dass die Notenbank das Geld an anderer Stelle nicht wieder einsammelt.

          Das mag kurzfristig etwas helfen. Gesund wird Europa davon aber nicht.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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