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Märkte : Anleger lassen sich vom Terror nicht verstören

  • -Aktualisiert am

Während in Brüssel auf dem Platz vor der Börse getrauert und der Opfer gedacht wird, lassen sich die Anleger nicht aus der Ruhe bringen. Bild: dpa

Auf die Anschläge in Brüssel reagierten die Märkte unaufgeregt. Stattdessen sorgten Aussagen der amerikanischen Notenbanker für Bewegung.

          Nach einer schrecklichen Terrorwoche beschäftigten die Finanzmärkte schnell wieder jene Sorgen, die sie auch in den Monaten zuvor schon in Atem gehalten hatten. Belastet wurden die Aktienmärkte am Donnerstag vom Ölpreis, der wegen des starken Dollars und der unerwartet starken Auffüllung der Rohöllager in den Vereinigten Staaten wieder fiel. Und von den plötzlich wieder aufgekommenen Spekulationen um eine vielleicht doch zügige Leitzinserhöhung der amerikanischen Notenbank Fed.

          Dagegen reagierten die Märkte auf die Anschläge in Brüssel, die am Dienstag viele Tote forderten, eher unaufgeregt. Der Schock über den Terror im Herzen der EU saß offenbar nicht so tief, als dass sich die Anleger davon nachhaltig verstören ließen. Dies zeugt weniger von mitleidlosen Börsianern, sondern kann im Gegenteil durchaus als positives Zeichen gedeutet werden: Von Terroristen, die unsere Kultur und unsere Werte hinterhältig attackieren, sollte sich so schnell niemand einschüchtern lassen.

          Dennoch zeigten sich selbst erfahrene Börsianer davon überrascht, wie unbeeindruckt die Märkte reagierten. Nur kurz mussten Aktienindizes wie der Dax am Dienstag nach den Anschlägen starke Abschläge hinnehmen. Wobei es vor allem Titel aus der Reisebranche traf. Die Flucht in Staatsanleihen und ins Gold währte aber nur Stunden, so dass am Ende des Tages der Dax wieder im Plus stand.

          Fed hat mehr Gewicht als der Terror

          Die weitere Erholung des deutschen Index nach dem Schrecken von Brüssel lag vor allem daran, dass der Euro im Vergleich zum Dollar schwächer wurde, was Exporte deutscher Unternehmen in Länder außerhalb der Währungszone billiger werden lässt. Weil auch das Konjunkturklima wieder positiver ausfiel, überwand der Dax am Mittwoch erstmals seit Mitte Januar die Marke von 10.000 Punkten.

          Dass zum Ende einer Karwoche, in der nur in überschaubarem Maße gehandelt wurde, der Dax doch wieder auf 9850 Punkte fiel, lag vor allem an den irritierenden Aussagen amerikanischer Notenbanker. Weil sie die Konjunktur in den Vereinigten Staaten besser einschätzen als bei ihrer letzten Fed-Sitzung vorvergangene Woche, gilt eine Leitzinserhöhung schon im kommenden Monat als nicht mehr ausgeschlossen. Dies würde eine weitere Erholung des Dax wohl erschweren.

          So oder so: Dass die Worte amerikanischer Geldpolitiker in diesen Tagen größeren Einfluss haben als die Übeltaten islamistischer Terroristen, ist nicht die schlechteste Nachricht für eine freie Welt.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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