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Anlagestrategien : Die Inflation ist wieder da

Wird der Einkauf im Supermarkt weiter teurer? Bild: ASSOCIATED PRESS

Die Preise steigen auf breiter Front. So stark wie schon lange nicht mehr. In Deutschland werden die Verbraucherpreise im Januar wohl deutlich über dem langjährigen Schnitt liegen. Anleger können sich schützen, wenn sie auf Rendite verzichten.

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          Alte Ängste kommen zurück. Das Gespenst der Inflation geht wieder um in Europa. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise hatten die Inflationsrate in Deutschland schon Ende letzten Jahres über die Drei-Prozent-Marke springen lassen. Am Montag wird der Anstieg der Verbraucherpreise im Januar bekanntgegeben: Nach vorläufigen Schätzungen lag die Teuerung bei 2,7 Prozent - unter dem Dezemberwert, aber deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Europaweit erreichte die Inflation im Januar mit 3,2 Prozent sogar einen neuen Höchststand. So stark waren die Preise seit der Einführung des Euro nicht mehr gestiegen. Ein Ausrutscher? Oder müssen sich die Anleger jetzt dauerhaft auf höhere Inflationsraten einstellen? EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte am Donnerstag, er sehe weitere „Aufwärtsrisiken“ für die Inflation. Trotzdem wurde er so verstanden, dass die Notenbank die Zinsen senken will. Seine Kollegen in England und den Vereinigten Staaten haben das bereits vorgemacht. Eine Zinssenkung könnte die schwächelnde Konjunktur stützen - die Inflation aber würde sie weiter anheizen.

          Noch sind die Schwarzseher in der Minderheit

          Dem Euro schadeten Trichets Bemerkungen über die wirtschaftliche Unsicherheit im Euroraum. Mit Kursverlusten von rund zwei Prozent zum Dollar beendete die europäische Währung ihre schlechteste Woche seit Juni 2006. Schwächelt der Euro weiter, könnte auch das die Inflation hochtreiben: Einfuhren aus dem Ausland werden dann teurer. Ökonomen sprechen von „importierter Inflation“.

          Gottfried Heller, Chef der Vermögensverwaltung Fiduka und langjähriger Vertrauter von Börsenstar André Kostolany, befürchtet schon einen neuen „Megatrend Inflation“. Noch sind die Schwarzseher, die gleich eine ganze Ära des Preisverfalls heraufziehen sehen, in der Minderheit. „Mittelfristig bestehen allerdings Risiken, wenn die moderate Lohnpolitik aufgegeben wird“, schreiben die Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen in einer Studie. „Auch überzogene Mindestlöhne würden sich preissteigernd auswirken.“

          Hoffnung macht der Ölpreis

          Von den Lokführern könnte dabei eine fatale Signalwirkung ausgehen. Die Tarifabschlüsse 2007 waren schließlich „insgesamt noch moderat“, sagt Hagen Lesch, Tarifexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Im Durchschnitt lagen sie bei 2,2 Prozent. Vergleichsweise hohe Abschlüsse gab es allerdings in der Metallindustrie mit 4,1 Prozent, in der chemischen Industrie mit bis zu 4,3 Prozent - und zuletzt für die Lokführer mit rund elf Prozent. Lesch warnt: „Wenn sich in diesem Jahr andere Branchen mit niedrigerer Produktivität wie der öffentliche Dienst oder der Einzelhandel an den hohen Abschlüssen in der Industrie orientieren, ist die Gefahr groß, dass der Preisdruck steigt.“

          Hoffnung macht noch der Ölpreis. Der hatte im Januar zum ersten Mal die magische Grenze von 100 Dollar je Fass überschritten. Damit liegt er etwa fünfmal so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre. Fällt er im Laufe des Jahres wieder, könnte das die Inflation dämpfen. „Wir erwarten, dass er sich bis zum Jahresende bei 85 Dollar je Fass einpendelt“, sagt Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

          Nicht alles auf eine Karte

          Was aber kann der Anleger tun, wenn ihn die Angst vor der Inflation nicht schlafen lässt? Auf keinen Fall sollte ein Anleger alles auf eine Karte setzen, „nur weil er von einer etwas erhöhten Inflation ausgeht“, sagt Emmerich Müller, Partner für das Private Banking beim Bankhaus Metzler. Allerdings sei bei hoher Inflation tendenziell „Realvermögen besser als Nominalvermögen“. Das heißt lieber in Aktien oder Immobilien investieren als in verzinsliche Wertpapiere aller Art.

          Der Wert von Häusern etwa steigt mit zunehmender Inflation, weil langfristig Mieten angehoben werden können. Ähnlich ist es bei Aktien: Steigt das Preisniveau, fallen auch die Gewinne der Unternehmen tendenziell höher aus. Damit klettert (bei gleichem Kurs-Gewinn-Verhältnis) der Aktienkurs. Anders ist es bei Wertpapieren mit festen Zinsen: Mit ihnen ist der Anleger in der Inflation der Verlierer.

          Man kann der Inflation aber auch anders ein Schnippchen schlagen. „Drei Stoßrichtungen“ nennt Dieter Merz, Leiter der Vermögensverwaltung beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser: Die erste Möglichkeit sind sogenannte inflationsgeschützte Anleihen und Fonds, die in sie investieren. Diese Anleihen sind so konstruiert, dass ihre Verzinsung mit den Verbraucherpreisen steigt. Dafür ist der Nominalzins niedriger. So ist eine solche im Januar aufgelegte französische Anleihe mit einem Kupon von 1,25 Prozent ausgestattet, während gewöhnliche Staatsanleihen mit 3,75 Prozent verzinst werden. Der Nachteil dieser Wertpapiere: Ihre Rendite ist in der Regel niedriger als die normaler Anleihen.

          Andere Möglichkeiten sind Gold und Geldmarktfonds

          Die zweite Möglichkeit: Gold. „Auch das ist nicht ohne Risiko“, sagt Merz. Schließlich schwankt der Goldpreis stark, abhängig etwa von Entscheidungen der Zentralbanken, ihre Bestände zu verändern - und durch Spekulation.

          Die dritte Möglichkeit sind Geldmarktfonds. Dabei spekuliert der Anleger auf folgende Überlegung: Steigt die Inflation, fällt es der Notenbank schwerer, die Zinsen zu senken. Gewinnt der Anleger die Wette, kann er Inflationsverluste ausgleichen.

          Voraussetzung ist: Der Anleger rechnet damit, dass die Inflation anhält. Vermögensverwalter Merz hält dann für ein Portfolio, das überwiegend aus Renten besteht, einen Anteil inflationsgeschützter Anleihen von bis zu 25 Prozent, einen Goldanteil bis zu 15 Prozent und einen Anteil von Geldmarktfonds bis zu 50 Prozent für „vertretbar“.

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