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Anlagebetrug : Der große Schwindel des Bernie Madoff

Der ehemalige Börsenmakler hat ein Vermögen von 65 Milliarden Dollar vorgegaukelt Bild: AFP

Seine Opfer beschimpfen ihn als Monster und Teufel: Bernard Madoff, der größte Finanzbetrüger aller Zeiten, hat das reiche Amerika erschüttert. Die Superreichen in Palm Beach und anderswo haben ihn tief verehrt. Umso drastischer soll jetzt die Strafe ausfallen.

          In der Einfahrt mit den grauen Kieselsteinen liegt der braune, abgebrochene Ast einer Palme. Die hohen Hecken, die über die der Nachbarn am North Lake Way von Palm Beach hinausragen, sind ungeschnitten. Die Anlegestelle für das Boot hinter dem grünlich gestrichenen zweistöckigen Anwesen ist leer. Von der zweispurigen Straße aus, die sich durch die heckenbesäumten Grundstücke zieht, ist kein Name eines Besitzers zu erkennen und auch keine Hausnummer. Aber in Palm Beach weiß jeder, wer im „410 North Lake Way“ gewohnt hat. Es war das Haus des Börsenmaklers Bernard „Bernie“ Madoff, der für den größten Finanzbetrug in der Geschichte der Wall Street verantwortlich ist. Er hatte den Kunden seiner Vermögensverwaltung ein Vermögen von fast 65 Milliarden Dollar vorgegaukelt. Übrig ist davon gerade mal eine Milliarde.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Am Montag steht dieser Fall vor einem neuen Höhepunkt. Mitte März hatte sich Madoff in elf Anklagepunkten des Wertpapierbetrugs, der Geldwäsche, des Meineids und falscher Angaben gegenüber der Börsenaufsicht schuldig bekannt. Am Montag wird der zuständige Bundesrichter Denny Chin im 9. Stock des Bundesgerichtes von New York die Höhe der Strafe für Madoff verkünden. 150 Jahre Haft fordern die Staatsanwälte, außerdem ist von 170 Milliarden Dollar Strafe die Rede (Madoff-Urteil: 170 Millarden Dollar Strafe, 150 Jahre Haft?).

          Im Umfeld der Superreichen nur zweite Wahl

          Madoffs im März von den Behörden beschlagnahmtes Haus im Wert von fast 10 Millionen Dollar würde in vielen anderen Orten als exklusive Villa durchgehen. In Palm Beach, der Enklave der Superreichen vor der Südküste Floridas, ist das Haus bestenfalls zweite Wahl auf den Listen der Makler. Die relative Bescheidenheit ist ein erster Hinweis auf den Charakter und die Vorgehensweise von Madoff. „Madoff hat nicht auf dem Niveau gelebt, auf dem er hätte leben können“, sagt der Autor Laurence Leamer, der seit mehr als einem Jahrzehnt in Palm Beach lebt. „Er hat sich bewusst bedeckt gehalten.“ Leute, die Madoff kannten, bevor die Fernsehbilder ihn als stoischen Mann zeigten, der sich mit Baseballmütze und Mantel einen Weg durch einen Pulk von Fotografen bahnt, bezeichnen ihn als unprätentiös und zurückhaltend. Ihn umgab wohl auch deshalb der exklusive Nimbus eines Mannes, der auf geheimnisvolle Weise Geld vermehren kann.

          Der ehemalige Börsenmakler hat ein Vermögen von 65 Milliarden Dollar vorgegaukelt Bilderstrecke

          Vor seiner Verhaftung im vergangenen Dezember war der Name Madoff außerhalb der Welt der Börsenhändler an der Wall Street und der Zirkel seiner reichen Kunden kaum bekannt. Madoff, der Gründer der Börsenmaklerfirma Bernard L. Madoff Securities, hatte sich in den achtziger Jahren zwar einen Namen als Innovator von elektronischem Wertpapierhandel gemacht und war zeitweise Verwaltungsratsvorsitzender der elektronischen Börse Nasdaq. Aber solche Themen, zu denen Madoff als Experte auch die Börsenaufsicht SEC beriet, sind was für Fachleute und nichts für Gesellschaftsspalten von Zeitungen. In Palm Beach fiel Madoff auch nicht weiter auf. Dort tummeln sich so viele Reiche, dass einer wie Madoff nicht heraussticht, wenn er sich nicht gerade mit Spenden bei Wohltätigkeitsbällen in die feine Gesellschaft der Insel einkaufen will.

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