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Angriff auf Apple : Google übernimmt Motorola

Motorola Tablet mit Google-Betriebssystem Android
          2 Min.

          Der amerikanische Internetkonzern Google Inc. wagt den mit Abstand größten Zukauf seiner Geschichte. Das Unternehmen kündigte am Montag den Kauf des traditionsreichen amerikanischen Handyherstellers Motorola Mobility Holdings Inc. für 12,5 Milliarden Dollar in bar an. Damit unterstreicht Google seine Ambitionen im Handygeschäft, wo der Konzern bislang vor allem auf der Software-Seite mit dem Betriebssystem Android vertreten ist. Mit dem Motorola-Zukauf steigt Google nun auch in das Hardware-Geschäft ein und wird zu einem Hersteller von Mobiltelefonen und Tabletcomputern.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Google erwirbt alles andere als eine glänzende Adresse: Motorola war einst zwar Weltmarktführer bei Mobiltelefonen, ist inzwischen aber auf den Rang eines Nischenanbieters geschrumpft. Attraktiv ist das Unternehmen für den Internetkonzern vor allem wegen seines reichhaltigen Portfolios an Patenten.

          Gerade im Geschäft mit internetfähigen Handys (Smartphones) und Tablets werden Patente zu einem immer wichtigeren Instrument im Wettbewerb: In jüngster Zeit gab es in der Branche eine wahre Flut von Patentklagen, und Unternehmen haben viel Geld für den Zukauf von Patenten bezahlt. So konnte der zusammengebrochene kanadische Telekommunikationskonzern Nortel im Juli beim Verkauf seiner Patente einen unerwartet hohen Preis von 4,5 Milliarden Dollar herausholen. Die Patente gingen an ein Konsortium mit Unternehmen wie Apple und Microsoft. Auch Google war interessiert, kam damals aber nicht zum Zuge.

          Google-Chef Larry Page
          Google-Chef Larry Page : Bild: dpa

          Für die Motorola-Akquisition greift Google tief in die Tasche: Das Unternehmen zahlt für jede Motorola-Aktie 40 Dollar in bar, was einem Aufschlag von 63 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag entspricht. Google kann sich die Transaktion spielend leisten: Ende des zweiten Quartals verfügte der Internetkonzern über Barmittel von 39 Milliarden Dollar.

          Die beiden Unternehmen gehen davon aus, dass die Transaktion bis Ende 2011 oder Anfang 2012 abgeschlossen ist. In der Branche wird erwartet, dass die amerikanischen Kartellbehörden die Übernahme mit strengem Auge prüfen werden. Google sieht sich seit wenigen Monaten kartellrechtlichen Ermittlungen der Wettbewerbsbehörde FTC gegenüber. Die amerikanische Kartellaufsicht hatte sich zudem schon bei einigen kleineren Übernahmen von Google viel Zeit mit der Genehmigung gelassen. Die bislang größte Akquisition von Google war 2008 der Kauf des Online-Werbevermarkters Doubleclick für 3,1 Milliarden Dollar.

          Das Unternehmen Google lebt vor allem von der gleichnamigen Suchmaschine. Der Konzern hat sich daneben aber mit seinem Android-Programm in kurzer Zeit als eine bedeutende Größe im Handymarkt etabliert. Google macht mit Android keine direkten Umsätze, weil die Software kostenlos an eine Reihe verschiedener Handyhersteller abgegeben wird. Stattdessen hofft das Unternehmen auf zusätzliche Werbeeinnahmen, weil Nutzer von Android-Handys die Google-Suchmaschine häufiger verwenden. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Gartner standen Android-Geräte im zweiten Quartal dieses Jahres für 43,4 Prozent des Smartphone-Weltmarkts. Damit liegen sie auch deutlich vor dem iPhone von Apple, das auf 18,2 Prozent kam.

          Motorola ist schon einer von vielen Google-Partnern, die auf ihren Geräten Android verwenden. Der Hersteller hatte auf dem Smartphone-Markt im zweiten Quartal nach Gartner-Angaben nur noch einen Anteil von 2,4 Prozent.

          Die Motorola Mobility Holding ist erst Anfang dieses Jahres aus der Aufspaltung des einstigen Motorola-Konzerns entstanden. In ihr wurde das Geschäft mit Handys, Tablets und digitalen Fernsehempfängern gebündelt. Andere Bereiche wie die Rundfunkrüstung wurden in die Motorola Solutions Inc. eingebracht. Die Handygesellschaft wies im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 56 Millionen Dollar aus. Google beteuerte am Montag, auch nach dem Motorola-Zukauf werde Android eine für andere Hersteller offene Plattform bleiben.

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