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Merkel auf der Gamescom : „Wer heute Spielentwickler ist, kann morgen der Industrie helfen“

Die Raute unter Computerspielern: Erstmals eröffnet Kanzlerin Merkel die Gamescom in Köln. Bild: Reuters

Die Bundeskanzlerin eröffnet erstmals die Computerspielemesse in Köln. Und stellt der Branche gleich etwas in Aussicht.

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          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat auf der Computerspielemesse Gamescom in Köln eine stärkere finanzielle Förderung für Spielentwickler aus Deutschland in Aussicht gestellt. In der nächsten Legislaturperiode würden sich die Parteien gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren aus der Spielebranche zusammensetzen, kündigte Merkel an, als sie die Spielemesse an diesem Dienstag eröffnete.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          „International sind wir nicht Spitzenreiter als Bundesregierung in der Förderung. Deshalb werden wir uns sehr genau anschauen, was etwa Kanada, Frankreich oder Polen machen, um Entwicklern bessere Möglichkeiten zu geben“, so Merkel. Kanada ist als Standort für die Produktion von Computerspielen rund um die Welt bekannt und fördert ebenso wie Polen und Frankreich seine Entwickler etwa durch Lohnkostenzuschüsse.

          Umschwung in Deutschland

          Deutsche Hersteller kritisieren, dass die Herstellung eines Computerspiels in anderen Ländern bis zu 30 Prozent günstiger sei als in Deutschland. Kanada ist außerdem das Gastland der diesjährigen Gamescom, die noch bis zum Samstag in Köln stattfindet und mehr als 350.000 Besucher erwartet.

          Mitten im Wahlkampf hat die Bundeskanzlerin die Computerspielemesse zum ersten Mal überhaupt besucht, am Dienstag ging es dann noch weiter zu Wahlkampfauftritten nach Münster und Bergisch-Gladbach. Der deutschen Computerspielebranche gibt es freilich Selbstbewusstsein, dass sich nun auch die Politik für sie interessiert.

          „In Deutschland hat sich die Negativdebatte über Computerspiele relativ lang gehalten. Doch besonders politisch gab es in der letzten Zeit einen großen Umschwung, gesellschaftlich sind wir schon länger soweit“, sagt Felix Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), dem Interessenverband der Computerspielbranche, gegenüber FAZ.NET. Jeder zweite Bundesbürger spiele, die Jungen noch mehr als die Alten. Doch die am stärksten wachsende Altersgruppe sind die über 50 Jahre alten Zocker.

          Computerspiele seien ein wichtiges Wirtschafts- und Kulturgut und zudem ein Innovationstreiber, sagte Falk zur Eröffnung. Das beweise auch der Besuch der Kanzlerin. Der BIU hat mit dem Verband Game daher einen Zehn-Punkte-Plan verfasst, der „substanzielle finanzielle Unterstützung auf international wettbewerbsfähigem Niveau“ für Entwickler aus Deutschland fordert.

          Passend zur Gamescom haben sich zudem auch sechs Länderförderungen wie etwa die Medienanstalt von Nordrein-Westfalen und sieben Netzwerke der deutschen Gamesbranche zu einer Dachorganisation namens „Games Germany“ zusammengeschlossen, um Entwickler finanziell zu fördern.

          Vom Spieler zum Unternehmer

          Der Lobbyverband BIU sieht einen dringenden Nachholbedarf: „Obwohl wir wichtige Innovationen in Deutschland maßgeblich auf den Weg gebracht haben, werden wir jetzt zunehmend abgehängt“, sagt Falk. Dabei zeige etwa die Technik der Virtual Reality, wie wichtig Innovationen aus der Spieleentwicklung für andere Branchen seien, ob es im Tourismus, der Autoindustrie oder der Logistik sei. „Das ist eine Entwicklung, die maßgeblich von der Games-Industrie geprägt wurde“, sagt Falk.

          Auch die Kanzlerin plädierte für eine verstärkte Zusammenarbeit: „Wer heute Entwickler in der Spielebranche ist, kann seine Kenntnisse morgen vielleicht auch in der Industrie einbringen“, sagte Merkel. Der Bundesregierung liege deshalb sehr daran, in Deutschland nicht nur talentierte Spieler, sondern auch erfolgreiche Entwickler und Unternehmensgründer zu haben.

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