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Merkel auf der IAA : „Wann kommt das?“

Auf der diesjährigen IAA hat Kanzlerin Merkel vor allem kritische Fragen an die Branche. Bild: AFP

Auf der IAA hat Angela Merkel die Autobauer gerüffelt. Im Anschluss präsentierten die Aussteller der Kanzlerin vor allem Zukunftsträchtiges – als wollten sie etwas wett machen. Merkel hat dazu aber noch einige Fragen.

          Angela Merkel hat viele Fragen, als sie an diesem Donnerstag auf die Zukunft der Automobilbranche trifft. Eine davon lautet: „Wann ist Ihre Abschlussprüfung?“ Die Bundeskanzlerin hat gerade am Stand von BMW ihren Rundgang auf der Internationalen Automobil-Ausstellung begonnen, als ihr eine Auszubildende des bayerischen Autoherstellers vorgestellt wird. Sie arbeite im vierten Lehrjahr im BMW-Werk Dingolfing und beschäftige sich mit Elektromotoren, sagt die Mechatronikerin in spe. Die letzte Prüfung sei im Januar. Merkel nickt aufmunternd und wünscht der Auszubildenden viel Erfolg.

          Es ist nicht das einzige Mal an diesem Tag, dass die amtierende Bundeskanzlerin und Spitzenkandidatin der CDU erst nachhakt und dann gute Wünsche für die Zukunft ausspricht. 13 Etappen umfasst der traditionelle Messerundgang der Kanzlerin. Sie macht Halt an den Ständen der großen Hersteller und Marken wie Volkswagen, Mercedes oder Daimler. Sie besucht aber auch Zulieferer wie Bosch oder Schaeffler und lässt sich deren Neuheiten zeigen. Und sie spricht mit neuen Markteilnehmern wie dem amerikanischen Chipkonzern Qualcomm. Der Halbleiterhersteller steht für eine Reihe von Unternehmen, die ursprünglich wenig mit der Autobranche zu tun hatten. Nun hoffen sie, am wachsenden Geschäftsfeld automatisierte Fahrfunktionen teilhaben zu können, indem sie die dahinter stehende Prozessoren liefern.

          An allen Haltepunkten wiederholt sich dabei ein Bild. Ob Hersteller, Zulieferer oder Herausforderer – sie wollen der Kanzlerin beweisen, dass sie mit Kraft an der Zukunft der eigenen Branche arbeiten. Also zeigen die Aussteller fast ausschließlich Exponate, die sich um Elektromobilität drehen, um Digitalisierung oder um Mobilitätsdienstleistungen. Als wollten die Hersteller den Worten begegnen, die Merkel während ihrer Eröffnungsrede mit Blick zum Thema Abgasmanipulationen von Volkswagen und drohenden Fahrverboten für ältere Dieselautos geäußert hatte. Und selbst wenn das ausgestellte Fahrzeug einmal nichts mit diesen Themen zu tun hat, kommt der Hinweis, dass man daran arbeite.

          „Den werden wir auch als Hybrid in den Markt bringen“

          Dieses Muster zeigt sich auf dem Messestand des Autoherstellers Opel, der seit Anfang August zum französischen Konzern PSA Peugeot Citroën gehört. Der Opel-Chef Michael Lohscheller präsentiert der Kanzlerin einen neuen sportlichen Geländewagen, eine Fahrzeugkategorie also, die für leistungsstarke Motoren und relativ viel Kraftstoffverbrauch steht. „Den werden wir auch als Hybrid in den Markt bringen“, beeilt sich Lohscheller zu sagen, bevor die Kanzlerin auch schon wieder weiterzieht.

          Während ihrer Eröffnungsansprache hatte Merkel als einziges Unternehmen Volkswagen erwähnt. Daher ist das letzte Viertel ihres Rundgangs besonders interessant. In der Messehalle 3 stehen drei Marken des Wolfsburger Konzerns auf dem Programm: Audi, die Kernmarke VW und schließlich der Sportwagenhersteller Porsche. Während der Audi-Chef Rupert Stadler vor einem vollelektrischen Konzeptfahrzeug wartet, empfängt der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller die Kanzlerin am Rande der Bühne. Zwar hält sich Müller an diesem Tag zurück und lässt seinen Markenchefs den Vortritt, Merkel die Exponate zu erklären. Doch ist er stets dabei und nutzt die Begrüßung und den Gang von Stand zu Stand, um mit Merkel kurz zu sprechen.

          „Wann kommt das?“, ist die Frage, die die Kanzlerin an diesem Tag wohl am häufigsten wiederholt. Und sie stellt sie auch, während der Volkswagen-Markenchef Herbert Diess ihr das Modell I.D. Crozz vorstellt – einen rein elektrischen sportlichen Geländewagen, den VW bis zum Jahre 2020 auf die Straße bringen will. Vom Chef des Zulieferers Kirchhoff will sie wissen, wem das Unternehmen den Träger für Batteriemodulen von Elektroautos liefere. Der Träger befinde sich noch in der Vorentwicklung, antwortet der. Auch den Daimler-Chef Zetsche fragt Merkel, wann der von ihm präsentierte Smart vollelektrisch fährt. Zetsche antwortet, dass sein Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre die Marke Smart in den Vereinigten Staaten und Europa nur noch mit Elektroantrieben vertreiben will.

          Diese Zeiträume scheinen die Kanzlerin mittelmäßig zufrieden zu stellen. „Ich habe viele interessante Einsichten gewonnen“, sagt Merkel zum Abschluss ihres Rundgangs. Was die künftigen Antriebe angehe, habe die deutsche Autoindustrie ein attraktives Angebot. „Zum Teil ist davon aber noch sehr wenig auf der Straße.“ Sie sei aber zuversichtlich, dass sich das quantitativ und qualitativ ändere in den nächsten fünf bis zehn Jahren.

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