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ANC-Parteitag in Südafrika : Wer wird Jacob Zumas Nachfolger?

„Ich will diese Leute zurückholen, denn sie spielen eine unglaublich wichtige Rolle, damit wir vorankommen“, sagte er. Südafrikas Wirtschaft könne um 4 Prozent wachsen, bis 2020 könnten eine Million neuer Arbeitsplätze entstehen, „wenn wir das Richtige tun“. Solche Sätze kommen nicht nur in der Wirtschaft gut an. Ramaphosa weiß kurioserweise auch die Gewerkschaften und die kommunistische Partei hinter sich. Beide sind Verbündete des ANC, haben sich wegen der Zerwürfnisse aber von Präsident Zuma abgewandt.

Dlamini-Zuma hat starke Gruppierungen im Rücken

Dlamini-Zuma, eine frühere Ministerin, Vorsitzende der African Union und frühere Ehefrau von Zuma, hält sich bisher mit einem konkreten Wirtschaftsprogramm zurück. Vor Anhängern kündigt sie im Tenor ihres früheren Ehemannes ein stärkeres Eingreifen der Regierung in Branchen wie dem Bergbau, der Landwirtschaft und dem Bankenwesen an. Ihre Reden sind gespickt mit Wahlkampfslogans der Zuma-Anhänger wie „Kampf gegen das weiße Monopolkapital“ oder „radikale ökonomische Transformation“. Von Letzterem soll die schwarze Mehrheit der Bevölkerung profitieren. Die nach dem Ende der Rassentrennung begonnene Politik der Schwarzenförderung (Black Economic Empowerment) hat bisher nur einer Elite genutzt. Dlamini-Zuma hat starke Gruppierungen im Rücken wie die Frauen- und die Jugendliga des ANC. Vor allem in der ärmeren Bevölkerung dürfte sie besser ankommen als ihr Herausforderer, den viele heute als Kapitalisten sehen.

„Ein Sieg Ramaphosas dürfte das Vertrauen von Investoren zurückbringen, Direktinvestitionen ankurbeln und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen“, sagt der Ökonom Azar Jammine dieser Zeitung. Sollte Dlamini-Zuma das Rennen machen, prognostiziert er indes eine populistische Politik, eine Ausweitung der Korruption, weitere Herabstufungen der Bonitätsnote und chronische Wirtschaftsschwäche. Viele fürchten, dass Zuma seine frühere Gattin, mit der er vier Kinder hat, unterstützt, um aus dem Hintergrund die Fäden weiter in der Hand zu halten.

Wenige Tage vor dem Parteitag bestehen zwar auch Zweifel, ob sich „CR17“ als der Reformer entpuppt, den sich so viele wünschen. In der Praxis würden sich viele Versprechungen nicht umsetzen lassen, sagt Jammine. Für eine Konsolidierung der Staatsfinanzen müsste er auch Bezüge der Staatsbediensteten kürzen. Dies dürfte auf Widerstand seiner Verbündeten, der Gewerkschaften, stoßen. Auch ist fraglich, wie viel Rückhalt er im ANC hat, um das Korruptionsnetz zu zerschlagen. Aber die Frustration über die Präsidentschaft Zumas in der Wirtschaft ist so groß, dass allein ein Ende dieser Ära Aufbruchstimmung an den Märkten auslösen dürfte. „Nach dem Abgang von Robert Mugabe in Zimbabwe und dem Präsidentenwechsel in Angola wäre dies eine Nachricht, welche die ganze Region in besserem Licht erscheinen ließe“, sagt Jammine. Wie im Fußball ist momentan noch alles möglich.

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