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Beschluss des EU-Parlaments : Was bringt ein Plastikverbot?

Wer auf Ursachenforschung geht, wird schnell fündig: Die Küstenregionen des Mittelmeers sind stark urbanisiert, 150 Millionen Menschen leben dort. Mit 208 bis 760 Kilogramm Müll pro Kopf und Jahr zählen sie zu den größten Verursachern fester Siedlungsabfälle der Welt. Die Schifffahrt, der Massentourismus (mehr als 320 Millionen Menschen besuchen die Region Jahr für Jahr) und mangelhafte Abfallsysteme in den südeuropäischen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich tun ihren Rest. Von einem Verbot kurzlebiger Kunststoffprodukte können deshalb auch die europäischen Gewässer profitieren.

Der Verbraucher muss sich ändern

Auch ist nicht klar, wie viel der mittlerweile etwa 150 Millionen Tonnen Plastik in den Weltmeeren über Umwege aus Europa in die Ozeane gelangt ist – schließlich war die EU zuletzt Chinas größter Lieferant von Plastikmüll, bis das Land die Einfuhr stoppte. Und noch bei einem weiteren Aspekt müssen sich Verbraucher in Europa an die eigene Nase fassen: Einen nicht unbeträchtlichen Teil des Meermülls machen verloren gegangene Fischfangnetze aus. Mit ihnen wurde auch für den europäischen Teller Thunfisch gefangen.

Nicht zuletzt spricht grundsätzlich wenig dafür, an Wegwerfartikeln festzuhalten, die bei minimaler Einsatzzeit – eine Plastiktüte wird im Schnitt 20 Minuten genutzt – dauerhaften Schaden anrichten können. Klar ist indes auch: Niemandem ist geholfen, werden diese Artikel durch ökologisch bedenkliche Alternativen ersetzt. Und es gibt freilich Situationen, in denen auf das Plastik nicht verzichtet werden kann, etwa aus Hygienegründen.

Die Hauptverursacher des Müllproblems mögen in Asien zu suchen und finden sein. Doch die Ozeane sind grenzüberschreitend und so sind ihre Probleme. Jüngst haben Forscher erstmals Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen nachgewiesen, die auf verschiedenen Kontinenten leben. Asien wiederum muss freilich sein Müllproblem in den Griff bekommen und funktionierende Entsorgungssysteme schaffen – unabhängig davon, was die Europäer entscheiden.

Um europäischen Forderungen nach mehr Sorgfalt im Umgang mit Plastikmüll Nachdruck zu verleihen, sollte der Staatenbund deshalb erst einmal vor der eigenen Tür kehren. Dabei sind Verbote ein Mittel. Viele Menschen halten das offenkundig auch für keine schlechte Idee: Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage unter Berlinern befürworten 81 Prozent ein Verbot von Plastikverpackungen, -tüten und -bechern. Und der Handel ist einem abschließenden Urteil der EU gar zuvor gekommen. So kündigte zuletzt die Rewe Gruppe an, schon bis 2020 Einwegplastikprodukte aus dem Sortiment zu verbannen. 

Vor allem aber braucht es eine Bewusstseinsänderung unter den Verbrauchern, die ihre Verantwortung allzu oft auf Hersteller und Handel abwälzen. Ob das voraussichtlich ab dem Jahr 2021 geltende Verbot von Wegwerfplastik eine entsprechende Verhaltensänderung anstoßen kann, muss sich noch zeigen.

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