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Analyse von Ökonomen : Droht eine Zombifizierung der Wirtschaft?

Frankfurter Banken in der Abenddämmerung Bild: Lucas Bäuml

Sorgen die gewaltigen Corona-Hilfsprogramme von Staaten und Notenbank dafür, dass Unternehmen überleben, die eigentlich längst am Ende sind? EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hat sich damit beschäftigt.

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          Die gewaltigen Eingriffe durch Staaten und Notenbanken wegen der Corona-Pandemie haben die Debatte um eine mögliche „Zombifizierung“ der Wirtschaft wiederbelebt. Es geht darum, ob durch die Hilfsmaßnahmen womöglich Unternehmen künstlich am Leben gehalten werden, die eigentlich längst am Ende sind. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hat sich mit den Ökonomen Luc Laeven und Glenn Schepens auf dem Ökonomenportal Vox-EU damit beschäftigt.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Warum sollten Banken überhaupt Kredite an „Zombieunternehmen“ vergeben? Auf der einen Seite könnten Banken mit wenig Eigenkapital den Zombie-Unternehmen neue Kredite geben, um alte nicht abschreiben zu müssen. „Evergreening" von Krediten nennen die Ökonomen das, eine „Endloskreditvergabe“, um die Realisierung von Verlusten zu vermeiden.

          Auf der anderen Seite, etwas positiver gedacht, könnten Banken weiter Kredite an Unternehmen in Schieflage vergeben, weil sie meinen, wertvolle Kundenbeziehungen aufrechterhalten zu müssen. Eine solche „Zombifizierung“ der Wirtschaft könne zu einem Produktivitätsverlust der gesamten Wirtschaft führen, weil Kredite falsch vergeben würden, schreiben die Ökonomen. Staatliche Unterstützungsprogramme könnten dazu beitragen, wenn es keinen effizienten Sortiermechanismus gebe, um sicherzustellen, dass die richtigen Unternehmen die Unterstützung erhielten.

          Auch die Zentralbanken könnten zur „Zombifizierung“ beitragen: So unterstütze die Bereitstellung von Zentralbankliquidität und niedrigen Zinssätzen illiquide, aber lebensfähige Unternehmen. Dies könne eine ordnungsgemäße Umstrukturierung der Unternehmen verhindern. In der Literatur fänden sich allerdings keine Belege für einen klaren Zusammenhang zwischen dem Zinsniveau und der „Zombifizierung“.

          Banken besser kapitalisiert als vor der Finanzkrise

          Die Ökonomen nennen drei Gründe, warum das in dieser Krise vielleicht weniger ein Problem sein könnte als etwa in der Finanzkrise. Erstens treffe die Krise vielfach Wirtschaftssektoren, die eigentlich überlebensfähig seien und sich nach der Krise erholen dürften. Der Schock sei schließlich nicht wie in der Finanzkrise durch das übermäßige Eingehen von Risiken durch Unternehmen oder Banken verursacht.

          Zweitens seien die Banken besser kapitalisiert als vor der Finanzkrise. Das senke den Anreiz für Banken, Zombie-Unternehmen neue Kredite zu geben, nur um alte nicht abschreiben zu müssen. Und drittens hätten die außergewöhnlich großen staatlichen Rettungsprogramme das Risiko vermindert, dass aus Illiquidität dann Insolvenz werde. Nicht alles, was jetzt wie ein „Zombie-Unternehmen“ wirke, sei also wirklich eines.

          Gleichwohl leiten die Ökonomen mehrere Ratschläge an die Politik ab. Die staatliche Unterstützung müsse so präzisiert werden, dass die Mittel so weit wie möglich an lebensfähige Unternehmen geleitet würden. Zudem solle die Bankenaufsicht weiter auf ausreichenden Kapitalpuffern der Banken bestehen. In diesem Zusammenhang sei die Empfehlung an die Banken zu begrüßen, vorübergehend auf Dividenden und Aktienrückkäufe zu verzichten. Und langfristig sei es wichtig, die Insolvenzregeln in Europa zu harmonisieren. Die Ökonomen meinen: „Das alles wird helfen, die Zombies zur Ruhe zu bringen – statt sie längere Zeit die Wirtschaft heimsuchen zu lassen.“

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