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Analyse : France Télécom: Nix wie raus aus Mobilcom

  • -Aktualisiert am

Mobilcom in Schieflage Bild: dpa

Was will die France Télécom? Die Geschehnisse um Gerhard Schmid und die Mobilcom lassen nicht viele Schlüsse zu. Eine Analyse.

          Verwirrung um Mobilcom: Während France Télécom den Streit um die Finanzierung des UMTS-Netzes des deutschen Telefonanbieters Mobilcom notfalls vor Gericht bringen will, spricht Mobilcom-Chef Gerhard Schmid von einer guten Zusammenarbeit. Die Meldungslage beim Streit um die Zukunft von Mobilcom zwischen den Hauptaktionären Schmid und France Télécom ist in der Tat verworren. Das Grundproblem jedoch ist klar.

          France Télécom hat Schulden und ein schlechtes Rating. Wenn das Unternehmen weiter investieren will, dann wird das Kapital dazu am Markt nur teuer zu beschaffen sein - wenn überhaupt. Daher ist es verständlich, dass den Franzosen die anstehenden Investitionen in den Aufbau der UMTS-Netze kein gesteigertes Vernügen bereiten. Zu diesen Investitionen aber sind sie durch die Auflagen, die mit der deutschen UMTS-Lizenz der Mobilcom verbunden sind, verpflichtet. Bis zum Ende des Jahres 2003 müssen 25 Prozent der Bevölkerung durch das neue Netz abgedeckt sein bis zum Jahresende 2005 müssen es dann 50 Prozent sein. Ohne Investitionen geht das nicht.

          Die Strategie hinter dem Streit

          Was bleibt nun der France Télécom übrig, wenn sie diese Ausgaben vermeiden will? Sie kann versuchen bei Mobilcom auszusteigen und so aller Investitionsverpflichtungen ledig zu werden oder sie muss es erreichen, Mobilcom ganz zu übernehmen, aufzuspalten und ganz schnell die Lizenz zu verkaufen. Gerhard Schmid dürften beide Lösungen nicht recht sein. Denn in beiden Fällen sieht die Zukunft für sein Unternehmen düster aus.

          Nix wie raus

          Wer sollte der Mobilcom den Aufbau des UMTS-Netzes bezahlen, wenn der französische Konzern sich davon macht. Das ehemalige Zauberwort UMTS, das im August 2000 Unternehmen dazu brachte, für die Rechte in Deutschland Netze aufbauen und betreiben zu dürfen, fast 100 Milliarden Mark zu bezahlen, hat längst seine Magie verloren. In dieser gigantischen Summe sind die Kosten für den Netzaufbau ja noch nicht enthalten, und noch immer sind die Geschäftsmodelle, wie mit UMTS Geld verdient werden soll, noch nicht erprobt. Ob die Anwendungen, die es für den neuen Mobilfunk-Standard gibt, von der Bevölkerung angenommen und auch bezahlt werden, ist weiterhin unsicher. Und Mobiltelefone gibt es vorerst auch noch nicht, jedenfalls nicht in ausreichender Stückzahl.

          Schlimmer noch

          Noch schlimmer als der Ausstieg der Franzosen müsste für den Unternehmensgründer Schmid die Übernahme der Aktienmehrheit durch France Télécom empfinden. Denn dann dürfte es endgültig vorbei sein mit Schmids Traum, er könne in der ersten Liga der Telekommunikationskonzerne mitspielen. Eine Aufteilung des Unternehmens Mobilcom und der Verkauf der Lizenz dürften die unmittelbare Folge sein. Jedenfalls ist es sehr wahrscheinlich, dass der hoch verschuldete französische Konzern versuchen wird, seine Aktien zu Geld zu machen und die finanziellen Verbindlichkeiten zu reduzieren.

          Joachim Koller, Telekommunikationsanalyst bei Merck Finck, erwartet nicht, dass France Télécom auf dem deutschen UMTS-Markt verbleiben würde. Schmid, seine Frau und der amerikanische Investor Wyser-Pratte verfügen über rund 49 Prozent der Aktien, so weit man weiß. Ob sie nicht vielleicht doch gemeinsam die Mehrheit halten, ist nicht klar.

          Kursrutsch erleichtert Übernahme

          Angesichts dieser beiden Szenarien lässt sich das aktuelle Geschehen bei Mobilcom deuten. Der Kauf von rund fünf Prozent der Mobilcom-Aktien durch Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sydran muss von France Télécom als Versuch der Schmids gewertet werden, eine Übernahme zu verhindern. Deshalb erwägt man jetzt die Prüfung auf die Rechtmäßigkeit der Transaktion. Sollte sich herausstellen, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, hätte die France Télécom unter Umständen die Möglichkeit, ihren Vertrag mit der Mobilcom zu lösen.

          Die schlechte Stimmung, die das ganze Tohuwabohu um Mobilcom an der Börse schafft, hat einen deutlichen Kursrutsch der Mobilcom-Papiere zur Folge und spielt der France Télécom in die Hände. Allein am Donnerstag ging der Kurs zwischenzeitlich um rund 20 Prozent zurück. Eine derart niedrige Bewertung würde eine Übernahme von Mobilcom durch die Franzosen erleichtern und verbilligen.

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