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Amerikas Zentralbank : Fed denkt an gemächliche Zinserhöhungen

Vorsichtig optimistisch: Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen Bild: Reuters

Die Federal Reserve verringert ihre Anleihekäufe weiter und verfeinert ihre verbalen Leitlinien. Die neue Vorsitzende Janet Yellen signalisiert, dass Zinserhöhungen erst langsamer als üblich zu erwarten seien.

          3 Min.

          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve lässt sich von dem kalten Winter und den zuletzt vielfach schlechteren Konjunkturdaten nicht schrecken. Der Offenmarktausschuss ließ am Mittwoch seinen Wirtschaftsausblick fast unverändert. Zugleich beschloss der Ausschuss, das Volumen der Anleihekäufe weiter zu verringern. Das war erwartet worden.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die wichtigere Neuheit ist, dass die Fed sich mehr Gedanken über Zinserhöhungen als zuvor macht. Zwar denkt die Fed nicht an eine baldige Abkehr vom faktischen Nullzins, den sie seit Dezember 2008 beibehält. Im Vorgriff auf künftige Jahre aber hat die Notenbank erstmals erklärt, den Leitzins auch dann noch niedriger als normal halten zu wollen, wenn Arbeitslosenquote und Inflation fast normale Werte erreicht haben.

          Zinserhöhung im kommenden Jahr erwartet

          Die neue Fed-Vorsitzende Janet Yellen betonte in Washington vor Journalisten, es sei das erste Mal, dass der Offenmarktausschuss sich darauf geeinigt habe. In der Erklärung des Ausschusses heißt es, vermutlich werde die wirtschaftliche Lage auch dann noch niedrige Zinssätze erfordern, wenn Beschäftigung und Inflation nahe ihrer zielkonformen Größen seien. Das könnte nach den Erwartungen der Geldpolitiker 2016 der Fall sein. Der Satz deute auf einen künftig langsameren Zinsanstieg hin als normal, erklärte Yellen. Sie begründete das mit brachliegenden Kapazitäten. „Wir haben eine Reihe von Jahren mit enttäuschendem Wachstum hinter uns“, sagte Yellen.

          Eine erste Zinserhöhung erwarten 13 der 16 Mitglieder des Offenmarktausschusses für das kommende Jahr. Im Mittel der Erwartungen rechnen die Geldpolitiker aber schon am Jahresende 2015 mit einem Leitzins von 1 Prozent. Mittelfristig halten sie einen Leitzins von 4 Prozent für angebracht. Noch am Jahresende 2016 aber wird dieser Zinssatz nach ihren Prognosen mehrheitlich nicht erreicht.

          Verfeinerung der geldpolitischen Leitlinien

          Die Diskussion über künftige Zinserhöhungen begleitete Änderungen der Geldpolitik, die an den Finanzmärkten erwartet worden waren. Der Offenmarktausschuss beschloss, von April an nur noch für 55 Milliarden statt wie bisher 65 Milliarden Dollar im Monat Staats- und Hypothekenanleihen zu kaufen. Die Fed signalisierte zugleich, dass sie mit der moderaten Verringerung der Anleihekäufe weitermachen will, solange die Wirtschaftslage sich wie erwartet verbessere und die Inflation wieder steige. Die Inflationsrate, gemessen an dem von der Fed besonders beachteten Preisindex für die Konsumausgaben der privaten Haushalte, lag im Januar bei 1,2 Prozent und damit ein gutes Stück unter der von der Fed gesetzten Zielmarke von 2 Prozent.

          Zugleich verfeinerte die Fed ihre geldpolitischen Leitlinien („forward guidance“). Sie macht die Abkehr von der Nullzinspolitik nicht mehr von einer konkreten Höhe der Arbeitslosenquote abhängig, sondern von der breiten Zahl an Indikatoren für den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und die Inflation. Insbesondere erklärte die Fed, den Leitzins für einen beträchtlichen Zeitraum noch niedrig halten zu wollen, wenn die Anleihekäufe beendet sind. Das wäre im Herbst, wenn die Fed die Käufe mit gleichbleibendem Tempo verringert. Yellen interpretierte die Formulierung „beträchtlichen Zeitraum“ mit vielleicht sechs Monaten. Damit wäre mit einer ersten Zinserhöhung nicht vor Frühjahr 2015 zu rechnen. Das hängt nach den Worten Yellens aber ganz von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.

          Yellen lässt Kurse sinken

          An der Wall Street ließen diese Worte Yellens die Kurse sinken. Der Dow-Jones-Index ging mit minus 0,7 Prozent und 16222 Punkte aus dem Handel. Volkswirte hatten bislang eine erste Zinserhöhung mehrheitlich erst in der zweiten Jahreshälfte 2015 erwartet.

          Seit Dezember 2012 hatte die Fed die Abkehr von der Nullzinspolitik unter anderem daran geknüpft, dass die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent oder darunter falle. Dieser Schwellenwert war hinfällig geworden, nachdem die Arbeitslosenquote im Februar schon 6,7 Prozent erreicht hatte. Kritiker hatten die Bindung der Geldpolitik an einen konkreten Wert der Arbeitslosenquote immer mit dem Argument kritisiert, dass eine Notenbank die Arbeitslosenquote nicht steuern könne und ihre Geldpolitik nicht daran binden sollte.

          Trotz der zuletzt oft unerwartet schwachen Konjunkturdaten veränderte die Fed ihren wirtschaftlichen Ausblick kaum. Yellen begründete das schwächere Wachstum zum Teil mit dem ungewöhnlich kalten Winter. Die Erwartung, dass Wirtschaft und Arbeitsmarkt sich schrittweise erholen, werde dadurch aber nicht beeinflusst. Die Mitglieder des Offenmarktausschusses rechnen im Mittel damit, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 2,9 Prozent und 2015 um 3,1 Prozent wachsen wird. Das deckt sich weitgehend mit Prognosen privater Volkswirte und Analysten. Im Vorjahr war Amerikas Wirtschaft um 1,9 Prozent gewachsen.

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