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Amerikas Manager : Das Ende der Exzesse

1,2 Millionen Dollar für die Büro-Renovierung: der zurückgetretene Merrill-Lynch-Chef John Thain Bild: dpa

John Thain war nicht der erste Manager an der Wall Street, der sich auf Firmenkosten das Büro renovierte. Der ehemalige Citigroup-Chef Sandy Weill hatte ein Faible für offene Kamine im Büro. Doch wer Geld verschwendet, ruiniert seinen Ruf.

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          Gene Lopwitz, der Chef der Investmentbank aus dem Roman "Fegefeuer der Eitelkeiten" hatte ein ganz besonderes Büro. Im 50. Stock eines klimatisierten Wolkenkratzers in Manhattan hatte sich Lopwitz einen offenen Kamin einbauen lassen. Kostenpunkt: 350 000 Dollar. Es war eines der Beispiele für die Exzesse an der Wall Street der achtziger Jahre, die Schriftsteller Tom Wolfe damals in seinem Roman über die "Masters of the Universe", die von Gier und Geld getriebenen Macher an der Wall Street, beschrieb.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wolfe musste diese extravagante Büroausstattung nicht mal erfinden. Sandy Weill, der in einer jahrelangen Einkaufstour den Finanzgiganten Citigroup geschaffen hatte, pflegte auch ein Faible für offene Kamine im Büro. Den ersten Kamin ließ sich Weill in den siebziger Jahren bauen, als er Chef des Wertpapierhauses Shearson war. Der Kamin wurde im 106. Stock des World Trade Center installiert - und im Guinness-Buch der Weltrekorde als der höchste offene Kamin deklariert. Als Weill in den achtziger Jahren Präsident von American Express war, ließ er sich in deren Hauptverwaltung im New Yorker World Financial Center ebenfalls einen Kamin bauen.

          Als Vorstandschef des Citigroup-Vorläufers Primerica sorgte Weill für einen offenen Kamin im IBM-Gebäude in Midtown Manhattan. Auch nach der Mega-Fusion seines Finanzdienstleisters Travelers Group und der Großbank Citicorp Ende der neunziger Jahre installierte er in der Bibliothek des Citicorp-Centers erst mal eine offene Feuerstelle, die damals 100 000 Dollar gekostet haben soll. "Kamine bringen Glück", pflegte Weill zu sagen. Die Aktionäre der Citigroup, die jetzt nach fünf Quartalen mit Milliardenverlusten zerschlagen wird, sehen das anders.

          „Kamine bringen Glück”, pflegte der frühere Citigroup-Chef Sandy Weill zu sagen

          An der Wall Street haben sich die Zeiten geändert

          Die Zeiten an der Wall Street haben sich geändert. Das bekam in den vergangenen Tagen John Thain zu spüren, der Ende 2007 angetreten war, die wegen Spekulationen mit Hypothekenanleihen schwer getroffene Investmentbank Merrill Lynch zu retten. Als frischgebackener Vorstandschef investierte Thain zunächst 1,2 Millionen Dollar in die Renovierung seines Büros. Einen offenen Kamin hatte er zwar nicht. Dafür gab es aber einen Teppich für 87 000 Dollar, Vorhänge für 28 000 Dollar und Stühle für 87 000 Dollar. Für sein privates Speisezimmer wurde ein Kronleuchter für 13 000 Dollar und ein Spiegel für 5000 Dollar angeschafft.

          Thain wurde in der vergangenen Woche nach der Übernahme von Merrill durch die Bank of America überraschend gefeuert. Der Grund war allerdings nicht das Büro. Anlass waren erneute Milliardenverluste, die jetzt auch Bank-of-America-Chef Kenneth Lewis in Erklärungsnöte bringen. Aber die zeitgleich lancierte Liste mit Thains teuren Möbeln reichte aus, um ihn zum jüngsten Symbol von Exzessen an der Wall Street zu machen. Der um die Rettung seines Rufs bemühte Thain hat seinen Fehler mittlerweile eingestanden und will die Kosten für die Renovierung zurückerstatten. Die Zeiten seien damals anders gewesen, verteidigte er sich in einem Fernsehinterview.

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