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Deutlicher Gewinneinbruch : Trumps Steuerreform trifft amerikanische Banken

Das Bankenviertel in London. Bild: AFP

Die heimischen Banken werden stärker, die ungeliebten ausländischen Institute leiden? Weit gefehlt, zeigen neue Zahlen.

          In Europa ist eine Sicht weit verbreitet: Donald Trump verschont mit seiner Steuerreform die heimischen Banken und trifft vor allem die ungeliebten ausländischen Institute. Schließlich ist weithin bekannt, dass die Reform der Deutschen Bank den dritten Jahresverlust nacheinander eingebrockt hat. Doch diese Sicht lässt sich im Jahr eins der Steuerreform nicht halten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie die F.A.Z. berichtete, ist die Citigroup von der Steuerreform am stärksten betroffen. Die viertgrößte amerikanische Bank hatte in der Finanzkrise 2008 bis 2010 besonders hohe Verluste erlitten. Diese gesammelten Verluste konnte sie über all die Jahre steuermindernd geltend machen. Trump hat nun den Steuersatz auf die Körperschaftssteuer von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Damit sind die Verluste der Vergangenheit künftig weniger bedeutend. Deshalb musste die Citigroup 2017 den Wert ihres Verlustvortrags um 19 Milliarden Dollar herabsetzen. Außerdem musste die Bank 3 Milliarden Dollar als neue Sondersteuer auf Gewinne zahlen, die sie bisher steuerfrei im Ausland geparkt hatte.

          Geringere Zinszunahme in Europa

          Die Citigroup ist kein Einzelfall. Wie aus einer Zusammenstellung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hervorgeht, kostete die amerikanische Steuerreform die zehn größten amerikanischen Banken 2017 insgesamt 38,5 Milliarden Euro. Ihr Nachsteuergewinn fiel 2017 vor allem deshalb deutlich um 36 Prozent von insgesamt 116 auf 74 Milliarden Euro. Das ist der niedrigste Wert seit 2012.

          Die zehn europäischen Banken sind gemessen an der addierten Bilanzsumme fast haargenau so groß wie ihre amerikanischen Konkurrenten. Allerdings haben sie niedrigere Eigenkapitalquoten. Immerhin holten sie 2017 beim Gewinn nach Steuern auf. Der Nettogewinn aller zehn europäischen Banken stieg von 21 auf 42 Milliarden Euro. Dies gelang auch deshalb, weil die europäischen Banken die amerikanische Steuerreform nur mit 4,2 Milliarden Euro belastete. Dennoch geht es den amerikanischen Banken besser. Das zeigt auch die durchschnittliche Eigenkapitalrendite, die bei den Europäern mit 5,2 Prozent immerhin den höchsten Wert seit 2011 erreicht hat. Die Eigenkapitalrendite der Amerikaner ist, obwohl der schlechteste Wert seit 2011, mit 7,5 Prozent allerdings auch 2017 deutlich besser.

          Auch Gewinner unter den amerikanischen Banken

          Dieser Rückstand der europäischen Banken dürfte sich 2018 sogar wieder vergrößern, befürchtet Dirk Müller-Tronnier. Der Partner für Banken bei EY begründet diese Prognose mit den gesenkten Steuersätzen in den Vereinigten Staaten, durch die der Nettogewinn von Banken mit viel Amerika-Geschäft unmittelbar steigt. „Zudem bietet der Zinsanstieg in den Vereinigten Staaten den Banken die Chance auf höhere Einnahmen im Zinsgeschäft“, sagt Müller-Tronnier. Auch weil hierzulande die Zinsen weit geringer zugelegt haben, „erwirtschaften europäische Banken im Zinsgeschäft kaum noch oder gar keine Gewinne mehr“, stellt Müller-Tronnier fest. Auch litten die amerikanischen Banken weniger unter Altlasten aus der Finanzkrise als ihre europäischen Wettbewerber. Müller-Tronnier rechnet daher damit, dass der Druck auf die europäischen Institute nicht nachlassen wird. Im Gegenteil: „Die Banken müssen dringend weiter an ihrer Profitabilität arbeiten – das schließt Restrukturierungen, Filialschließungen und Beschäftigungsabbau ebenso ein wie die Erhöhung von Gebühren“, sagt Müller-Tronnier. Er dürfte damit nicht zuletzt die schwächelnden deutschen Banken meinen.

          Ohnehin schafft es aus der größten europäischen Volkswirtschaft nur die Deutsche Bank unter die größten zehn europäischen Banken. Ihr Nachsteuerverlust im Jahr 2017 von 751 Millionen Euro wird unter den europäischen Banken nur noch übertroffen von der britischen Bank Barclays, der umgerechnet sogar ein Verlust in Höhe von 1,4 Milliarden Euro ins Kontor schlug. Alle anderen großen europäischen Banken sind dagegen erkennbar auf Erholungskurs, auch wenn die Gewinne noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben. So erzielte der spanische Banco Santander, nach Bilanzsumme die Nummer fünf unter den europäischen Banken, mit 6,6 Milliarden Euro immerhin den drittgrößten Gewinn. Nur die britisch-asiatische HSBC und die französische BNP Paribas verdienten mit 9,0 und 7,8 Milliarden Euro mehr.

          Dabei drückte die amerikanische Steuerreform auch bei der HSBC den Gewinn um 1,2 Milliarden Euro, ähnlich stark wie bei der Deutschen Bank, die unter den europäischen Banken tatsächlich mit umgerechnet 1,4 Milliarden Euro die höchste Einbuße durch die Steuerreform hinnehmen musste. Für die Mehrzahl der amerikanischen Banken waren 2017 die negativeren Auswirkungen größer. So kostete Goldman Sachs die Steuerreform 3,9 Milliarden Euro, den staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae 8,8 Milliarden Euro und die Citigroup eben 20 Milliarden Euro. Allerdings verzeichneten nicht alle amerikanischen Banken Einbußen: So meldete die große Regionalbank Wells Fargo einen positiven Sondereffekt von umgerechnet fast 3,0 Milliarden Euro, was mit zum zweithöchsten Nettogewinn aller 20 Banken führte. Den höchsten Nettogewinn fuhr mit umgerechnet 20,4 Milliarden Euro JP Morgan Chase ein. Auch die Bank of America (15 Milliarden Euro) liegt noch vor der besten europäischen Bank HSBC (9 Milliarden Euro). Außer der Citigroup machten alle zehn großen amerikanischen Banken 2017 mindestens 2 Milliarden Euro Gewinn.

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