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Außerhalb Chinas : Amerikanisches Militär sucht neue Quellen für Seltene Erden

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Ein Mitarbeiter der Molycorp Minerals Mountain Pass Mine in Kalifornien blickt auf eine offene Grube, in der seltene Erden gefördert werden. Bild: Reuters

China ist der größte Produzent Seltener Erden und hält im Handelskrieg mit Amerika damit eine mächtige Waffe in der Hand. Für das Militär der Vereinigten Staaten Anlass genug, sich neue Bezugsquellen zu suchen.

          Vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit China sucht das amerikanische Militär nach anderen Bezugsquellen für Seltene Erden. Das Verteidigungsministerium habe Gespräche mit Mkango Resources in Malawi und anderen Unternehmen in der ganzen Welt aufgenommen, sagte am Mittwoch Jason Nie, ein Mitarbeiter der Defense Logistics Agency (DLA) des Ministeriums während einer Konferenz in Chicago. „Wir such nach jeder Quelle außerhalb Chinas“, sagte Nie. Es müsse mehr als nur einen Produzenten geben.

          Sogenannte Seltene Erden sind in Rüstungsgütern von Kampfjets bis Nachtsichtgeräten sowie in zahlreichen Konsumgütern wie etwa Smartphones enthalten. Die Vereinigten Staaten wappnen sich für die Möglichkeit, von der Lieferung Seltener Erden und anderer Mineralien aus China abgeschnitten zu werden. China hatte als einer der wichtigsten Lieferanten der seltenen Rohstoffe angedeutet, es könne Exporte beschränken. Am Dienstag hatte das Handelsministerium dann Grundzüge einer Strategie bekanntgegeben, die Amerikas Abhängigkeit von Importen wichtiger Rohstoffe für die Wirtschaft und das Militär verringern soll. Präsident Donald Trump hatte Handelsminister Wilbur Ross voriges Jahr angewiesen, die Rohstoff-Strategie zu entwickeln.

          Förderung des Bergbaus, der Exploration und der Weiterverarbeitung, verstärkte Forschung, Prüfung von Recycling und Kooperation mit anderen Ländern sind wichtige Elemente des jetzt vorgelegten Plans. Das amerikanische Innenministerium hat 35 Rohstoffe als kritisch für den Wohlstand und die nationale Sicherheit identifiziert. Bei 31 Materialien hängt das Land von Importen ab, bei 14 davon kann Amerika gar keine eigene Produktion vorweisen.

          Mangel an Arbeitskräften

          Es geht nicht allein um die Seltenen Erden, die nur eine der 35 Rohstoffgruppen bilden, die die Regierung als kritisch ansehen. Allerdings spielen die Seltenen Erden eine wichtige Rolle in der modernen Technik: Sie werden für iPhones, Windräder, Autobatterien, Röntgengeräte oder Kampfflugzeuge verwendet. Bisher steuert China mehr als 70 Prozent dieser Spezialrohstoffe bei. Zwar kontrolliert China nur ein Drittel der weltweiten Vorkommen an Seltenen Erden. Allerdings verfügt es über vier Fünftel der Verarbeitungsanlagen. Entsprechend decken die Vereinigten Staaten gegenwärtig 80 Prozent ihres Bedarfs aus der Volksrepublik. 

          Der Begriff Seltene Erden ist allerdings irreführend. Die Rohstoffe sind reichlich vorhanden in der Erdkruste. Der Abbau wird aber kompliziert durch die Tatsache, dass die Mineralien fast nur in Verbindung mit anderen Materialien vorkommen. Um sie in reiner Form zu gewinnen, sind aufwendige physikalische und chemische Prozesse zur Trennung nötig. An der industriellen Kapazität für diese Prozesse hapert es allerdings in den Vereinigten Staaten. Die Mountain Pass Mine in Kalifornien fördert als einzige in Amerika die Rohstoffe, exportiert sie aber bisher zur Weiterverarbeitung nach China. Dort werden seltene Erden getrennt und kommen zurück in die Vereinigten Staaten. Allerdings hat China die Einfuhren der Rohmaterialien mit Einfuhrzöllen belegt, während Trump die seltenen Erden von Importzöllen bewusst ausgenommen hatte.

          Das erschwert das Geschäft für MP Materials, den Besitzer der Mountain Pass Mine dramatisch. Die Rohstoffstrategie setzt vor diesem Hintergrund einen Schwerpunkt auf die Wiederaufnahme der Weiterverarbeitung. MP Materials will 2020 die geförderten Erze selbst separieren und hofft auf Staatshilfe. Produktionspläne hatte kürzlich auch der australische Konzern Lynas bekanntgegeben. Der größte nichtchinesische Förderer will in Texas eine Produktion zur Trennung der Rohstoffe errichten.

          Amerikas Rohstoffstrategie sieht auch eine enge Zusammenarbeit mit Verbündeten vor, die aber durch Trumps Handelspolitik verstimmt sind. Das Wirtschaftsministerium will Kooperation fördern, droht aber zugleich, auf etwaige Handelsbarrieren mit robusten Gegenmaßnahmen zu reagieren. Ferner sollen Bergbaugenehmigungen nicht nur beschleunigt werden, sondern auch unerschlossene Gebiete abdecken wie die Küstengewässer.

          Die Vereinigten Staaten wollen außerdem mehr Informationen über die geologische Beschaffenheit ihres Landes sammeln und mehr Arbeitnehmer für den Sektor ausbilden: Aktuell übersteigt die Zahl der Experten, die in Rente gehen die Zahl der Hochschulabsolventen in den gefragten Disziplinen.

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