https://www.faz.net/-gqe-9bh74

Zollstreit : Amerikanischer Minister will Handelspartner leiden sehen

  • Aktualisiert am

Der amerikanischer Handelsminister Wilbur Ross im Juni 2018 im Weißen Haus in Washington. Bild: AFP

Handelsminister Ross hofft, dass Amerikas Handelspartner durch Zölle ihr Verhalten ändern. Offenbar reagieren aber auch heimische Produzenten – nicht unbedingt zur Freude Washingtons.

          Der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross hat die harte Gangart der Vereinigten Staaten im Konflikt mit wichtigen Wirtschaftspartnern verteidigt. Es müsse ein Umfeld geschaffen werden, in dem es für sie „schmerzhafter“ sei, an Handelshürden festzuhalten als sie abzubauen, sagte Ross am Donnerstag dem TV-Sender „CNBC“.

          Letztlich wolle Trump Handelshürden abbauen. Die höheren amerikanischen Zölle auf Einfuhren von Stahl und Aluminium hätten bereits das Verhalten der Handelspartner geändert und eine internationale Zusammenarbeit angeregt.

          Deutsche Autohersteller versuchen laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ offenbar tatsächlich, einen Handelskrieg mit Amerika abzuwenden, indem sie vorschlagen, die Zölle auf Autos im Handel zwischen Europa und Amerika komplett abzuschaffen. Mit diesem „Friedensangebot“ aus der Autoindustrie sei Richard Grenell, der amerikanische Botschafter in Deutschland, am Mittwoch nach Washington gereist.

          „Gesellschaftsfeindliches Verhalten“

          Die Drohgebärden Washingtons haben auch dazu geführt, dass als erster Dax-Konzern der Autobauer Daimler mit einem Gewinnrückgang durch den angezettelten globalen Handelsstreit rechnet. Die noch gar nicht geltenden höheren Importzölle in China auf Einfuhren aus den Amerika könnten Absatz und Gewinnbeitrag von Mercedes-Benz-SUVs drücken, wie der Konzern warnte. Analysten erklärten am Donnerstag, auch anderen Autokonzernen – vor allem BMW – drohten Gewinneinbußen.

          Doch auch mach amerikanischer Produzent hat wohl schon auf die Zölle reagiert – jedoch anders, als man sich das in Washington vermutlich gewünscht hat. Ross hat eigenen Angaben zufolge einheimische Hersteller wegen Preiswucher-Vorwürfen ins Visier genommen. Es liefen Untersuchungen, ob einige Marktteilnehmer die Zölle für „ungerechtfertigte Preistreiberei“ genutzt hätten, sagte er am Mittwoch vor dem Finanzausschuss des Senats. „Es gibt keinen Grund, den Stahlpreis um weit mehr als die Prozentzahl des Zolls anzuheben und dennoch geschieht es“, klagte Ross.

          Er sprach von „gesellschaftsfeindlichem Verhalten“ in der Industrie, nannte jedoch keine Firmen. Allerdings wäre es aus seiner Sicht zur Linderung von drohenden Angebotsengpässen angebracht, wenn der Hüttenbetreiber US Steel Corp eingemottete Hochöfen im Bundesstaat Illinois wieder hochfahren würde.

          Zölle wider der „Logik und Geschichte“

          Amerika hatte Anfang Juni Schutzzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa in Höhe von 25 beziehungsweise 10 Prozent verhängt. Die EU schlägt ab Freitag mit Vergeltungszöllen zurück: Dann gelten Strafabgaben im Wert von 2,8 Milliarden Euro auf amerikanische Produkte.

          Nach Worten von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker widersprechen die gegen die Europäische Union verhängten Zölle  „jeder Logik und Geschichte“. Die EU werde alles tun, um den transatlantischen Handel wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sagte er am Donnerstag in Dublin.

          Die Entscheidung der Vereinigten Staaten, Zölle zu erheben, stimme nicht mit gegenseitigem Vertrauen überein, erläuterte Juncker in einer Rede vor dem irischen Parlament. „Es widerspricht jeder Logik und Geschichte. Unsere Antwort muss klar, aber maßvoll sein.“ Man werde tun, was man tun müsse, um die EU zu schützen.

          Weitere Themen

          Kabinett läutet Soli-Ende ein Video-Seite öffnen

          Nur die Reichen sollen zahlen : Kabinett läutet Soli-Ende ein

          Die Bundesregierung hat die Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags beschlossen. Zukünftig soll der Soli für 90 Prozent der Zahler wegfallen und für weitere 6,5 Prozent zumindest reduziert werden.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.