https://www.faz.net/-gqe-zt4w

Amerikanischer Automarkt : Allein im Autohaus

Ladenhüter: Spritschluckende Pickups von General Motors Bild: AP

General Motors steckt in einer schweren Krise: Hohe Benzinpreise machen seine Spritschlucker-Marke Chevrolet zum Luxus. Ein Besuch bei Händlern liefert dafür einen traurigen Beleg. In den Häusern ist es wie ausgestorben.

          6 Min.

          Es ist gespenstisch ruhig geworden im Autohaus von Thomas Mann. Die „Paramus Auto Mall“ in New Jersey rund dreißig Kilometer außerhalb von New York ist ein Händler für Chevrolet, die Massenmarke des Autokonzerns General Motors. Verkaufsleiter Mann vermisst die Zeiten, als hier noch ständig das Telefon geklingelt hat. Er kann die Stille sogar mit Zahlen belegen. Denn alles, was in dem Autohaus passiert, wird in Statistiken festgehalten und findet sich am Ende in einem Ordner auf Manns Schreibtisch wieder. Gerade einmal 146 Anrufe von potentiellen Kunden habe das Autohaus im Juni registriert, liest Mann von einer der Statistiken ab (gezählt werden nur solche, die echte Kaufabsichten äußern). Im gleichen Monat vor zwei Jahren waren es noch 400.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das sind nicht die einzigen beunruhigenden Zahlen bei dem Chevrolet-Händler. Im Juni vor zwei Jahren hat das Autohaus 260 Fahrzeuge verkauft, in diesem Juni waren es 170 - ein Minus von 35 Prozent. Die schlechten Geschäfte wiederum haben den Betrieb zu einem drastischen Personalabbau gezwungen: Vor zwei Jahren gab es hier noch 97 Mitarbeiter. Heute sind es 62.

          Sie konnten nicht genug von den Spritschluckern kriegen

          Der amerikanische Automarkt liefert im Moment ein desolates Bild. In den vergangenen Monaten sind die Autoverkäufe in den Vereinigten Staaten regelrecht abgestürzt. Die immer neuen Rekordpreise für Benzin und die Immobilienkrise schrecken Amerikaner von der Anschaffung eines neuen Wagens ab. Besonders schlecht läuft das Geschäft mit den einstigen Lieblingsautos der Amerikaner: den großen sportlichen Geländewagen (SUV) oder Transportern (Pick-ups). Amerikaner konnten bis vor kurzem gar nicht genug von solchen Spritschluckern bekommen.

          Ausverkauf in amerikanischen Autohäusern - doch die Stellflächen bleiben voll
          Ausverkauf in amerikanischen Autohäusern - doch die Stellflächen bleiben voll : Bild: REUTERS

          Die rasant steigenden Benzinpreise machen diese Fahrzeuge aber auf einmal zu Ladenhütern. Am härtesten trifft das die drei einheimischen Hersteller General Motors, Ford und Chrysler, die ihr Geschäft auf Geländewagen und Transporter ausgerichtet haben. Alle drei Hersteller machen Verlust. General Motors kommt kaum mit dem Sanieren hinterher: Innerhalb von wenigen Wochen hat das Unternehmen gleich zwei Restrukturierungsprogramme begonnen, um seine Kapazitäten zu kürzen und Geld zu sparen. Die Finanzmärkte fürchten um die Liquidität des Herstellers und sprechen sogar von Insolvenzgefahr.

          „Die Leute haben Angst und halten ihr Geld zusammen“

          Auch bei „Lynn Chevrolet“ ist die Trostlosigkeit zu spüren. Das kleine Autohaus in Kearny etwas südlich von Paramus ist an einem Mittwochnachmittag wie ausgestorben. „Unser Geschäft ist völlig zusammengebrochen. Ich bin seit zwanzig Jahren in diesem Laden, aber so schlimm war es noch nie“, sagt Verkäufer Thomas Culmone. Im Moment gebe es Tage, an denen nicht mehr als zwei Menschen durch die Ladentür kommen. Dabei ist hier in der Nähe von New York eigentlich eine recht wohlhabende Klientel zu Hause. „Aber die Leute haben Angst und halten ihr Geld zusammen. Das bekommt jeder zu spüren. Ein Freund von mir hat ein Weingeschäft, der macht auch 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz.“ Culmone nimmt niemandem das Sparen übel, ihm geht es selbst nicht anders: „Ich bin früher ein- bis zweimal die Woche Essen gegangen. Jetzt leiste ich mir das vielleicht noch einmal im Monat.“

          Weitere Themen

          Alle wichtigen Fakten zum BER Video-Seite öffnen

          Langer Anlauf, lange Eröffnung : Alle wichtigen Fakten zum BER

          Die Eröffnung wurde immer wieder verschoben, und die Kosten explodierten – der neue Berliner Flughafen sorgte über Jahre für Negativschlagzeilen. Mit neun Jahren Verspätung geht der Flughafen „Willy Brandt“ vor den Toren der Hauptstadt nun in Betrieb.

          Topmeldungen

          Eine Frau mit einer Packung Eier – im Hintergrund das Kapitol in Havanna

          Corona-Krise auf Kuba : Schlimmer als die Pandemie

          In Kuba setzt die Regierung strenge Maßnahmen gegen Corona ein. Noch härter als die Pandemie trifft die Menschen jedoch die Lebensmittelkrise. Das Land schlittert in eine immer schwierigere Situation.
          Der amerikanische Präsident Donald Trump bei einer Wahlveranstaltung

          Donald Trump : „Deutschland will mich abgewählt sehen“

          Das deutsch-amerikanische Verhältnis hat sich unter Donald Trump erheblich verschlechtert. Der amerikanische Präsident ist sich sicher, dass seine Niederlage nicht nur von China und Iran, sondern auch von Deutschland begrüßt werden würde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.