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Amerikanische Notenbank : Bernanke sieht Risiken für Wachstum

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Ben Bernanke vor dem Bankenausschuss des amerikanischen Senats Bild: AFP

Die Nullzinspolitik bleibt - insgesamt sei die amerikanische Wirtschaft auf gutem Weg, sagte der amerikanische Notenbankpräsident Bernanke. Doch der Arbeitsmarkt bereitet Sorgen und die europäische Schuldenkrise sei ein großer Unsicherheitsfaktor.

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          Die amerikanische Notenbank hat angesichts der trägen Erholung neue Schritte zur Ankurbelung der Wirtschaft angedeutet. Sie sei bereit, neue geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen, um die Konjunktur zu stützen, sagte der Chef der Federal Reserve (Fed), Ben Bernanke, am Mittwoch in Washington. Grund für die Überlegungen sei ein „ungewöhnlich unsicherer Wirtschaftsausblick“.

          Bernanke sagte in seinem halbjährlichen Konjunkturbericht vor dem Bankenausschuss des US-Senats jedoch nicht, welche konkreten Schritte ergriffen werden sollen. Darüber gebe es noch keine Entscheidung. Unter anderem nannte als Möglichkeit eine Anhebung der Zinsen, die die Geschäftsbanken für Einlagen bei der Fed erhalten.

          Leitzins soll lange auf Tiefstand bleiben

          Solche neuen fiskalpolitische Maßnahmen könnten notwendig werden, um die Wirtschaft zu stützen, wenn sich die Notenbank von ihrer Nullzinspolitik verabschieden muss. Zur Zeit befindet sich der Leitzins auf einem historischen Tiefstand, was laut Bernanke auch für einen „längeren Zeitraum“ so bleiben soll. Allerdings müsse ab einem gewissen Zeitpunkt über Zinserhöhungen nachgedacht werden, um Inflationsgefahren zu vermeiden.

          Die US-Börsen reagierten besorgt auf die Andeutungen des Fed-Präsidenten. Anleger flüchteten in US-Dollar und Anleihen, die als „sichere Häfen“ gelten. Der Dow Jones Industrial verlor 1,07 Prozent auf 10 120,53 Punkte, nachdem er unmittelbar vor der Rede Bernankes mit knapp 10 250 Punkten noch leicht im Plus gelegen hatte.

          Bernanke sieht große Abwärtsrisiken für das Wachstum

          Bernanke sagte, dass die Notenbank auf der anderen Seite weiter plane, aktuelle Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft auslaufen zu lassen, die während der Finanzkrise ergriffen wurden.

          Zwar sei die Erholung der US-Wirtschaft insgesamt auf einem guten Weg, weil unter anderem der private Konsum, Exporte und Investitionen der Unternehmen zugenommen hätten. So sei für 2010 mit einem Plus zwischen 3 und 3,5 Prozent zu rechnen und in den beiden Jahren danach mit 3,5 bis 4,5 Prozent. Doch gebe es derzeit große Abwärtsrisiken für das Wachstum, sagte der Fed-Chef.

          Der Häusermarkt sei weiter schwach

          Sorgen bereite insbesondere die zögerliche Erholung des Arbeitsmarktes. Im ersten Halbjahr diese Jahres seien weniger neue Jobs geschaffen wurden als für eine nachhaltige Erholung notwendig gewesen wäre. „Sehr wahrscheinlich wird es viel Zeit brauchen, die fast 8,5 Millionen Arbeitsplätze wieder aufzubauen, die in 2008 und
          2009 verloren gingen“, sagte Bernanke. Die zunehmende Langzeit-Arbeitslosigkeit könne dem privaten Konsum schaden und zu einem Verlust qualifizierter Fachkräfte führen.

          Darüber hinaus sei der Häusermarkt nach wie vor schwach, das Überangebot an Immobilien belaste die Preise. Zudem nannte Bernanke die europäische Schuldenkrise als großen Unsicherheitsfaktor.

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