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Amerikanische Börsenaufsicht : Daimler rechnet mit schnellerem Ende der Überwachung

  • Aktualisiert am

Daimler musste bereits 185 Millionen Dollar Strafe wegen Bestechung zahlen Bild: dapd

Der Autobauer Daimler hat bei der Bekämpfung der Korruption große Fortschritte gemacht. Der frühere FBI-Chef Louis Freeh, der für die amerikanischen Behörden den Konzern überwacht, könnte seine Tätigkeit deshalb vorzeitig beenden.

          Herr Freeh, in Ihrer Zeit als FBI-Chef jagten Sie Mafiabanden und befassten sich mit der Sex-Affäre des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton. Jetzt beaufsichtigen Sie seit zwei Jahren Daimler. Welche Abgründe tun sich da auf?

          Freeh: Über Sex and Crime habe ich nichts gefunden. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass ein paar Dinge geändert werden. Wegen seiner Korruptionsverstöße hat Daimler im Jahr 2010 einem Vergleich mit den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden zugestimmt, der vorsieht, dass eine nachhaltige Kultur der Regelbefolgung (Compliance) aufgebaut wird. Als Monitor, also als Beobachter, vertrete ich nun das amerikanische Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC und habe ihnen zu berichten - ebenso wie dem Gericht, das der Aussetzung der Strafverfolgung zugestimmt hat. Mein Job ist es aber nicht, hier Untersuchungen durchzuführen. Das macht Daimler selbst und hat dies auch mit zunehmendem Erfolg und außerordentlichen Fortschritten getan, etwa bei der Kontrolle seiner Geschäftspartner.

          Kann man Sie als eine Art Bewährungshelfer sehen?

          Nein, das wäre wohl keine korrekte Definition. Meine Rolle ist es nicht, dem Unternehmen zu helfen, sondern es zu beobachten und dann Einschätzungen abzugeben, ob Daimler auf dem richtigen Weg ist. Das beginnt bei dem, was Vorstand und Aufsichtsrat sagen und vor allem tun: Dieser „tone of the top“ ist hier sehr ausgeprägt. In vielerlei Hinsicht hat das Management mehr getan, als nötig gewesen wäre, um die Auflagen zu erfüllen. Daimler will wirklich Weltmeister in Compliance werden.

          Hohmann-Dennhardt: Bewährungshelfer würde ich auch als falsche Bezeichnung betrachten. Louis Freeh ist ein kritischer Begleiter, der uns darauf aufmerksam macht, was sich in unseren Compliance-Systemen als Schwachstelle erweist. Er gibt uns durchaus ab und zu einen Rat; aber wir entscheiden, was wir machen.

          Christine Hohmann-Dennhardt und der ehemalige FBI-Chef Louis Freeh

          Falls seine Bewertung im kommenden Frühjahr negativ ausfallen sollte - würde die amerikanische Justiz dann das Verfahren wiederaufnehmen, und würde es weitere jahrelange Ermittlungen geben?

          Freeh: Die Beobachtung endet endgültig und vollständig im April 2013. Es gibt sogar die Möglichkeit, dass sie früher ausläuft, wenn der Monitor zu dem Schluss kommt, dass sie nicht länger nötig ist.

          Hohmann-Dennhardt: Theoretisch könnten die Behörden das Verfahren wiederaufnehmen, wenn wir während der Laufzeit unserer Vereinbarung wieder einen krassen Fall hätten - aber das wäre der „worst case“.

          Hat Daimler denn noch Nachholbedarf?

          Freeh: Es gibt Stärken und Schwächen, aber die Schwächen sind in den vergangenen zwei Jahren sehr viel kleiner geworden und die Stärken sehr viel größer. Ein sehr wichtiger Schritt war die Schaffung eines entsprechenden Vorstandsressorts, das Frau Hohmann-Dennhardt innehat.

          Hohmann-Dennhardt: Ja, es gibt das eine oder andere zu verbessern. Zum Beispiel hatte unser Hinweisgebersystem einige Schwächen - sowohl beim Umgang mit sogenannten Whistleblowern wie auch mit Betroffenen. Das haben wir nachjustiert, und seit neuestem haben wir darüber eine Vereinbarung mit dem Betriebsrat. Die Überprüfung unserer Geschäftspartner im Ausland hat ebenfalls nicht ausreichend gegriffen, weil alles zentral gemeldet wurde. Wir müssen aber Verantwortung direkt ins Ausland delegieren und dann die Wirksamkeit der dortigen Prüfungen kontrollieren. Das alles dauert natürlich, aber wir sind frohen Mutes, dass wir so ein System in den nächsten Monaten zum Laufen bringen.

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